#351-2018

Es war schwer aus dem Bett zu kommen. Und der Wunsch nach der Rückkehr war den ganzen Tag allgegenwärtig.
Oh, spannender Gedanke: ich verwende keine Drogen, sehne mich aber danach bewusst zu halluzinieren. Gut, in dieser Nacht wollte mir ausnahmsweise niemand ans Leder; dazu war ich als Arbeitskraft im Bergbau zu wichtig.

Den Arbeitsplatz habe ich früher verlassen um pünktlich zu einer Schultheatervorstellung einer Nichte zu kommen und davor noch ein Paket abzuholen und zu Hause abzustellen.
Für die Dokumentation der Vorstellung habe ich mir ein Gimbal –ein Stabiliserungsdingsi– für Smartphones ausgeliehen. Mikrofone und Aufnahmegerät habe ich versehentlich zu Hause liegen gelassen.
Die Aufnahmen habe ich nach meiner Rückkehr geschnitten und mit der Verbreitung begonnen. Die verwendete Videoplattform hat mir nur ein paar Steine in den Weg gelegt.

Die Vorstellung war super! Die Kinder waren Textsicher –und wenn etwas vergessen wurde, haben sie einfach improvisiert– und spielfreudig. Nur die Handlung hat mich gestört. Natürlich war sie an Weihnachten angelegt, aber das Problem war: es wird keine Geschenke geben. Da haben sich mir die Nackenhaare aufgestellt.

Beim Vorbeischauen bin ich auf eine interessante Sendung gestossen: Bares für Rares. Da bringen Leute dem Horst Lichter Sachen vorbei, der spannt einen Experten ein der den Leuten sagt was es so ungefähr Wert ist und dann versuchen die ihre Habe an einen von fünf Händlern zu verkaufen. Das Interessante daran ist: da stehen nicht die Reality-TV Klischeemenschen sondern oft Senioren. Ist das Sendungskonzept unter anderem darauf ausgelegt den Silvers eine heile Welt vorzuspielen? „Schau her, die betuchte Oma verscherbelt auch schon die Goldreserven. Es ist alles in Ordnung.“

Kirby wollte sich gestern im Wäschekorb aufsetzten. Der Griff hat ihn einen Strich durch die Rechnung gemacht und er ist auf den Hintern gelandet. Dann habe ich überreagiert: im blinden Hinstürmen habe ich der Frau das Telefon aus der Hand und Kirby den Bügel aus der Hand geschlagen; beide Handlungen habe ich nur wie ein Fremder im eigenen Körper wahrgenommen. Der Kleine hat sich erschreckt und bitterlich geweint. Ich habe mich so schlecht gefühlt deswegen. Wie kann ich so in Panik geraten?

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