Eins ist besser als Keins

Die Bim fährt durch eine Unterführung. Am Ende des gegenüberliegendem Bahnsteig sitzt ein junger Mann auf einer der Sitzgelegenheiten—welche eher wie Designermistkübel auf mich wirken—, den Blick mit Erwartung in den Tunnel gerichtet; sein rechtes Bein lässig über die Armlehne drapiert. Aus dem Aufzugsschacht ein paar Meter weiter trifft ihn ein Sonnenstrahl sein Gesicht.
Für mich hat die Szene sowohl einen emotionalen Kontrast—die Lässigkeit seiner Körperhaltung und die Ungeduld in seinem Blick—als auch einen Kontrast in der Lichtstimmung.
In der Yashica habe ich Rollei Retro 400 geladen; die Kamera sollte in der Lage sein die Szene entsprechend zu bannen.

Anstatt zur Kamera zu greifen, zerlege ich das Bild in meinem Kopf. „Wäre eh nix geworden; ohne Polfilter mit dem ich die Reflexion der Scheibe kompensieren kann. Mit einer Messucherkamera ist es ohnehin nicht möglich den Grad der Polarisation zu bestimmen.“ denke ich mir.
Ein Foto ist besser als kein Foto—der Satz steht anscheinend nicht weit genug über meiner Scham und Unentschlossenheit.

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