was machen Die den ganzen Tag?

Nach langem planen, Verschiebungen und dem alltäglichen Hin und Her haben wir es geschafft mit Kirby den Tiergarten Schönbrunn zu besuchen.


Ich mag Tiergärten; ein Besuch in Schönbrunner Tiergarten bringt diesen Moment aus meiner Kindheit zurück; den Augenblick an dem ich realisiert habe: ich schaue mir hier keine Dokumentation an, sondern beobachte Lebewesen. Und in Schönbrunn hat man das Glück, eine breite Palette an Leben beobachten zu können.
Aber mit der Zeit verändern sich die Perspektiven; und mit 40 kommt man bei den Quallen vorbei und man beginnt nachzudenken.

Was machen die eigentlich den ganzen Tag?
Was machen sie im Meer? Fressen; gacken; fortpflanzen. Das funktioniert im künstlichen Habitat genau so. Im Meer schreiben sie auch keine Bücher oder führen Abends Theaterstücke auf; im Meer gibt es nur eine, allumfassende, Tätigkeit welche Sinn und Struktur in den Tag bringt: überleben. Und das fehlt im Zoo.
Ich habe einer Qualle ein paar Sekunden lange dabei zugeschaut, wie sie die Grenzen ihres Lebensraumes abgeschwommen ist; vier Mal. Wäre es ein Mensch hinter der Scheibe gewesen, hätte ich diesen beim im Kreis gehen beobachtet.

Ich weiß nichts über die Intelligenz von Quallen; vielleicht sind die vollkommen zufrieden mit dem Leben im Zoo. Wahrscheinlich kennen die Tiere nur ihr Habitat. Aber der Octopus den ich vor ein paar Minuten gesehen habe, gilt als eines der intelligentesten Lebewesen das im Meer unterwegs ist, und dessen Lebensraum ist mir sehr klein vorgekommen—ich sage das ohne mich erkundigt zu haben ob seine eigentliche Unterbringung in dem Moment gereinigt worden ist; oder mehrere Tanks verbunden sind, und er einen Ausflug zu einem Nachbarn unternommen hat.
Zoologische Gärten sind eigentlich nicht mehr als Gefängnisse gedacht, sondern beschäftigen sich auch mit dem Artenerhalt. Wieso es notwendig ist Arten zu erhalten ist ein anderes Thema—Spezies sterben nicht nur wegen der Lebensweiße des Menschen aus.

Einerseits bin ich froh darüber, einen Ort zu haben, an dem ich meinem Kind in einem kontrolliertem Umfeld einen Teil der Fauna des Planeten betrachten lassen kann.
Aber—und das wird jetzt ein sehr weit hergeholtes Gedankenspiel—, wie wäre es, wenn wir die letzten….vier indigenen Menschen zur „Arterhaltung“ in einem Zoo ausstellen, weil deren Insel durch Gründe von Heute auf Morgen unbewohnbar geworden ist? Sagen wir dann auch, dass die wieder rauskommen wenn es wieder genügend gibt? Schickt man die dann auch an andere Zoos, um sich die Kinder retournieren zu lassen weil sie im lokalen Umfeld zu viel Stress/negative Umweltfaktoren haben um sich fortzupflanzen? Sind die Tiere, welche im Zoo in Xter Generation zur Welt kommen durch deren Anpassung an deren Lebensraum noch mit ihren „wilden“ Artgenossen zu vergleichen?

Eine lange und mäandernde Art die Frage zu stellen: Wie menschlich sind Zoos?

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