148 :: schälen

Die Frau hat den Test auf Covid19 verhaut—ist negativ ausgegegangen.
Der Weg bis zu diesem Ergebnis war ein steiniger. Die Reifen durch die man da springen muss bzw. durch die Andere für einen Springen, haben unsere Selbstwahrnehmung verzerrt, von Patient zu Delinquent. Das liegt weniger an der Art wie mit einem umgegangen wird, sondern an dem bürokratischen Wahnsinn, der durch die Unterteilung der Verwaltungsräume und deren Interaktion ensteht. Zum Glück hat die Frau einen Vorgesetzten und Geschäftsführer, die dem Personal den Passierschein A381 besorgt haben, damit die morgen in Ruhe wieder zum Dienst antreten könne.

Wenn die schriftliche Bestätigung da ist, darf ich auch wieder werken.

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Im Badezimmer ist unser Albtraum wahr geworden: auch die neue Farbe beginnt sich von den Wänden zu schälen.
Jetzt kommt einmal die Lüftungsfirma vorbei, und überprüft die Funktion des Dunstabzugs—seit sich der Drehzahlgeber verabschiedet hat, hat sich die Wandfarbe noch schneller verabschiedet und Schimmelbildung war zu erkennen.
Dumm ist nur, durch die nun weiße Wandfarbe, wirkt die Zimmerbeleuchtung mit ihren 2700 Kelvin Lichtfarbe2 unvorteilhaft gelb.
Da ich aber gerade dabei bin, die Kiste mit den Ersatzlampen aufzufüllen, werde ich einmal kühlere Lampen ausprobieren—in der Hoffnung, dass die den Raum nicht zu sehr nach Spital wirken lassen.

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Kirby hat sich von mir die Haare waschen lassen. Wenigstens etwas das funktioniert.

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ich weiß nicht wie es weitergehen soll.
Ein Lehrling gibt mir seit ein paar Tagen motivierende Ansprachen für den Sprecherkurs—ich bin mir aber nicht im klaren darüber, ob ich in diesen Zeiten mit zehn Fremden in einem Raum eingesperrt lange Reden halten möchte. Außerdem: mir fehlt das Selbstbewusstsein, um vor Menschen sprechen zu können. Wieso habe ich der Kursteilnahme zugesagt?

Mir fehlt das Selbstvertrauen um auf die Straße gehen zu können, ohne angespannt zu sein. Das könnte dem Überfall geschuldet sein, und dem Demographieumbruch in der Nachbarschaft—man hat Drogenhandel entlang einer Straßenbahnlinie durch verstärkte Polizeipräsenz ein paar Stationen weiter geschoben. Und wenn man mit Kind unterwegs ist, ist man eine Projektionsfläche für die Probleme aller Menschen. Den Radfahrern verwöhnt man die Kinder zu sehr, den Hundebesitzern sind die Kinder zu wild und unberechenbar, alte Frauen wissen alles besser und andere Eltern testen die Hackordnung aus.

Was ich hier im Internet fabriziere ist nichts weiter als Speicher- und Zeitvernichtung. Und sicher spricht da der Neid aus mir, aber ich habe Fotos in meinem Portfolio, die andere Menschen zu Geld machen, und Ideen, von denen Andere nachweislich profitiert haben, und ich denke es ist besser beides aufzugeben.

Wenn uns die Krawattenständer aus der Bekanntschaft erzählen, wieviel Geld sie in den letzten Monaten nicht gespart haben—Kurzarbeit kennen die nur aus dem Lexikon—, und ich die Nachrichten lese…wie egal der Bevölkerung ist, dass sie von Saint Sebastian und seinen JüngernInnen verarscht werden…verzweifle ich.

ich denke ich bin fertig mit der Welt.
Therapieplätze sind im Moment nicht leicht zu bekommen bzw. nicht leistbar, und auch wenn ich eine Alternative finde, es reicht mir. ich habe mich aus dem Bett herausgekämpft, mit Sturheit und mehr Glück als Verstand, und ich bin müde geworden.
Und man lässt mir keine Zeit um mich einmal hinzulegen.
Und ich will mir den ganzen Therapiesermon nicht noch einmal anhören.


1. —youtube.com
2. —de.wikipedia.org

148-2019 | 148-2018

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