155 :: Mantra

ich habe den Tag alleine verbracht.
Es ist nicht unangenehm gewesen—ganz im Gegenteil—aber als ich die Mittagspause gehalten habe, hat mir Kirbys Atemgeräusch1 gefehlt.

50.000 Teilnehmer bei der lokalen Black Lives Matter Demonstration? Korregiert die Polizei die Zahlen nicht immer dramatisch nach unten? Braucht die Polizei Hilfe?
Naja, im Kleinwalsertal hat man die Leute auch in Ruhe gelassen.
Asooo, die haben das mit dem Aufmarsch der ÖVP Senioren verwechselt, alles klar.

Aber „Spaß“ beiseite: ich finde es großartig, dass so viele Leute dafür auf die Straße gegangen sind—auch wenn der Zeitpunkt nicht ideal ist. Die kritischen Äusserungen dazu machen mir Sorgen. Rassimus und Diskriminierung sind lokal auch ein Problem. Und BLM bedeutet nicht, dass Schwarze nun ihre Knie auf den Kehlen von Weißen rasten lassen möchten, sondern ein erster Schritt auf dem Weg zu tatsächlicher Gleichheit.
Wie gesagt: meine Nichten sind—im Alter von acht und sechs Jahren—als „faul“ und „Schlampen“ bezeichnet worden, nur weil sie eine andere Hautfarbe haben. Das ist Alltag in Österreich.

Folgende Zeilen sind sehr zerfranst und nicht fertig gedacht3, aber ich möchte es trotzdem stehen lassen.

Was auch Realität ist, ist dass uns der Geiz die Perspektive verdreht2.
Die lokale Post, die als Systemerhalter während des Lockdowns gefeiert wurden, bekommen 1,56% auf den Lohn.
Die Schwiegermutter erzählte davon, dass bereits wieder „Dann bist du im falschen Job.“ das Mantra im Gesundheitsbereich ist.
Aber in allen Fällen hört man von den Betroffenen „Zumindest habe ich einen Job.“ Das habe ich auch gesagt, als ich trotz Fachablschluss für 800.— netto im Monat in einer Galerie aufgepasst habe…von Kollegen aus ähnlichen Situationen höre ich heute „Wenigstens hattest du einen Job.“ Ledeglich keinen Stress mit dem Arbeitsamt zu haben, scheint ein Lebensziel geworden zu sein.

1. —dieses Blog
2. —derstandard.at
3. So wie das gesamte Blog.

155-2019 | 155-2018

4 Kommentare

  1. Ich finde die zeitliche Koinzidenz jetzt auch echt schwierig und würde deshalb persönlich wohl auch aktuell zu keinem Protest gehen, wenngleich ichs inhaltlich extrem wichtig finde. Was du von deinen Nichten schreibst, ist wohl leider Alltag für viel PoC. Sich dessen bewusst zu werden und das nicht immer nur im fernen Amerika zu verorten, ist – glaube ich – für den weißen Mainstream, grade weil der der sich ja für ach wie tolerant hält, ganz wichtig.

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    1. mir kommt es so vor, als würde es in Österreich keinen weißen Mainstream geben, weil der Alltagsrassismus bei uns zur Kultur gehört. ich nehme mich da in der Sprache nicht aus—ich arbeite daran.
      Japan hat einen starken Alltagsrassismus habe ich mir sagen lassen. Selbst Kinder in der dritten Generation, die man optisch schon nicht mehr „unterscheiden“ kann, werden noch als zugereist Tituliert (Gaijin).

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      1. Ich könnte es jetzt auch nicht mit Sicherheit behaupten, inwiefern in Deutschland das jetzt wirklich Mainstream ist oder inwiefern es nur meine Echochamber betrifft. Aber dennoch denke ich, dass das Problem darin besteht, dass es in bestimmten Kreisen wenig Berührpunkte mit dem Thema gibt und sich deshalb die Meinung durchsetzt, es seien ja eh alle so tolerant und Rassismus eben kein Thema. Und nachdem ich trotz sehr viel prinzipiellem Willen zur Toleranz auch bei mir vorurteilsbehaftete Denkmuster feststelle, vermute ich, dass ich da auch kein Einzelfall bin.

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      2. Echokammern…. Mein Vater hat vor 25 Jahren gesagt: die FPÖ wird in Österreich nie etwas reißen. Währenddessen haben an meiner Schule die ersten Leute weiße Schnürsenkel in die Martens eingezogen. ich dachte bis vor kurzem das Homosexualität inzwischen angekommen ist. Wenn man dann mit LGBTQ Personen spricht, wird einem dann wieder anders.

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