Film/TV


– The Bee Gees – How can you mend a broken heart?
– Ikiru
– Star Trek Discovery Staffel 3


The Bee Gees – How to mend a broken heart
(2021, HBOmax, IMDB)

Ob man sie mag oder nicht, man kann den Brüdern Gibb weder Talent noch Erfolg absprechen. Darauf legt diese Dokumentation den Fokus ihrer 111 Minuten. Das gezeigte fühlte sich für mich wie ein Abschied an. Ich weiß nicht, ob Barry Gibb, der letzte noch lebende Bee Gee, noch als Songschreiber tätig ist, aber man könnte meinen, dies sei eine Art öffentliches Familienalbum geworden.
Man erwähnt Schwierigkeiten, aber wie in einer Sitcom ist zwei Szenen weiter „alles wieder gut“. Natürlich erwähnt man auch, dass es Probleme ohne Alkohol und Drogen gab, und sogar über den dadurch bedingten Tod des jüngsten Bruder Gibb, Andy, versucht man durch die Formulierung des Texts zu täuschen.
Im Mittelpunkt steht die Musik, der Grund für den Erfolg. Zwei Mal mussten die Bee Gees sich neu orientieren, und jedes Mal schafften sie es, den neuen Berg bis zur Spitze zu erklimmen. Nur bekommt man immer den Eindruck vermittelt, dass sie um ihr Talent wussten und begeisterte Musiker waren, am Ende es aber immer nur darum ging, die Kuh bis aufs Blut zu melken. Ich glaube Barry Gibb schon, dass er den Erfolg für nur ein Jahr mehr mit seinen Brüdern opfern würde, nur denke ich auch, dass sie dieses Jahr nicht einmal auf demselben Kontinent verbringen würden.
Das klingt alles negativer als ich die Dokumentation bewerten möchte, die Laufzeit vergeht wie im Flug, es gibt keinen Erzähler, sondern man lässt nur die Menschen zu Wort kommen; was einen angenhem dazu anregt zwischen den Zeilen zu lesen. Und ich erfuhr Neues: Blue Weaver spielte Klavier bei den Bee Gees, und verließ dafür sogar Mott The Hoople—deren Opener zu der Zeit Queen waren. Und für Night Fever baute man einen Schlagzeug Loop, weil Dennis Byron zurück nach England musste.

Um der Geschichte der Band entsprechend Raum bieten zu könnnen, hätte es wahrscheinlich sechs Stunden gebraucht, denn jede Epoche der Bee Gees bietet genug sehenswertes, vor allem wie deren Discophase durch die „schwule Clubszene“ erst ermöglicht wurde.
Aber es ist ein schöner, geradliniger Abriss der Geschichte, welche einem ein paar Anhaltspunkte für die eigenen Recherchen liefert.


Ikiru
(1952, Criterion Collection blu-ray, IMDB)

Kurosawa Akira schuf mit Ikiru einen Film über das menschliche Elend.
Der Film dreht sich in drei Akten um die letzen Monate im leben von Watanbe Kanji, der als leitender Beamter bei der Stadt Tokio angestelt ist. 30 Jahre lang war er ein treuer Staatsdiener, er ist Witwer und Vater und lebt mit seinem Sohn und Schwiegertochter zusammen.
Seine Gesundheit plagt ihn, Magenkrebs wird ihm diagnostiziert—ein Todesurtiel. Die Diagnose stürzt ihn in eine Sinnsuche. Er versucht sich im Nachtleben zu betäuben, sich mit einer ehemaligen Mitarbeiterin abzulenken, doch am Ende ist es eine Gruppe Bürger die für die Errichtung eines Spielplatzes pledierte, für die er seine letzten Tage und sein Gewicht in der Stadtverwaltung in die Waagschale wirft.

Für den Film muss man sich Zeit nehmen. Er stammt aus einer Zeit, in der Mesnchen eine längere Aufmerksamkeitsspanne hatten; es ist kein Farbfilm; es gibt keine deutsche oder englische Synchronspur, das Schauspiel ist nicht zeitgemäß und er erzählt die Geschichte mit einem Kniff, den man befremdlich finden könnte. Würde man die Geschichte im Westen Verfilmen, würde der Film wohl mit Kanji’s Tod enden—er erfriert auf dem fertiggestellten Spielplatz. Hier passiert dies am Ende des zweiten Aktes. Der dritte Akt findet auf Kanji’s Trauerfeier statt. Hier kommen die Familie und Kollegen zusammen, und besprechen das Verhalten des Verstorbenen, welches er in seinen letzten Lebensmonaten an den Tag legte. Langsam erkennen sie, dass er von seiner Krankheit gewusst haben muss, und sich deswegen wie ein Bessessener um die Errichtung des Spielplatzes bemühte—das der Mann den ganzen Film über wie ein gepeitschter Hund auf dem Zahnfleisch durch die Gänge des Amtes schleift, scheint jeder zu übersehen. Man beschließt, seinem Beispiel zu folgen. Morgen machen wir unseren Job!
Und als einer der ehemaligen Kollegen dies in die Tat umsetzen will, wird er von den Anderen dafür niedergestarrt.
Und das Spiel beginnt von vorne.

Dieser Film ließ mich meinen aktuellen Job hinterfragen. Viele der jüngeren Kollegen machten mich darauf aufmerksam, dass ich in meinem Verhalten verharrt war. Und ich frage mich, ob ich diese Lektion in die Veranstaltungsbranche mitnehmen kann, wenn es denn wieder eine gibt; wenn ich dabei helfe, Menschen von Ihren Sorgen abzulenken.


Star Trek Discovery Staffel 3
(2020, CBS all access)

Ich denke, das wars. Discovery hat—für mich—ein großes Problem: Star Trek scheint eine Abkürzung dafür zu sein, sich das Erklären der Welt zu sparen. In Staffel 3 hatte man nun endlich die Chance, sich auszutoben, weil man durch den Sprung in die Zukunft die Fesseln des Kanons lockern konnte, und trotzdem fühlte es sich an, als wäre man gefesselt gewesen. Sicher freute ich mich über den Guardian of Forever, die Trill, die Entwicklung von Vulkan, Captain Saru und Stamets und Culber—die Zwei sind so ein schönes Paar—, aber es fühlte sich alles so langweilig an in seiner Getriebenheit. Natürlich wird Michael auch in dieser Folge wieder entgegen des Protokolls handeln und dafür ohne Konsequenzen ins Bett geschickt, natürlich schickt der Guardian Gergiou in billige Kulissen die zur Verfügung stehen, anstatt in ein interessantes Szenarino, natürlich wird der Face Turn von Osyraa wieder negiert anstatt, dass man eine komplexe Geschichte auserzählt… Pew pew ist doch schneller zu bewerkstelligen.
Ich weiß aber auch, ich bin nicht die Zielgruppe dieser Serie, und von dem was ich so lese/höre, scheinen sich viele Menschen das aus der Serie zu holen, was mir The Next Generation gab: einen Platz der Sicherheit von dem man träumen kann, für den man sich stark machen kann. Und wenn das funktioniert, dann macht es seinen Job richtig.

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