Brotherly love

[ journal ]

In den letzten Wochen war ich immer nachts unterwegs. Die ersten Paar hatte ich meinen „Persilschein“ griffbereit in der Tasche; falls die Exekutive Interesse an meinen Aktivitäten zeigen sollte. Man kontrollierte mich allerdings nicht—an Begegungen mit der Polizei mangelte es nicht.
Zu den Wochenenden hin war die steigende Anzahl von Fahrzeugen und Menschen auf den Straßen auffallend. Kultur ist dicht, Geschäfte auch—also fuhren die Leute nur herum, damit die Batterien sich nicht tiefentladen. Und damit ordentlich verbraucht wird, besetzte man jeden Platz.
Eine anderer Anblick der bei mir hängenblieb, war der eines Büros. Der dort Untergebrachte Mitarbeiter sitzt mit dem Rücken zur bodentiefen Glasfront des Gebäudes. Ohne Vorhang oder Jalousie. Eines Nachts waren der Rechner und eine Tischlampe noch am laufen, und ich suchte mir einen Platz von dem die Einsicht in den Raum besser war—ein offenes Baugerüst. Zwischen Schreibtisch und Fensterscheibe sind bei zwei Meter Platz. Bei den derzeit tiefen Temperaturen und der Transparenz der Stelle ist der Platzwart nicht zu beneiden.

Die nächtliche Arbeit hat mir zwar nicht den Schlafrhytmus zerschossen, aber ich wache ebenso müde auf, wie ich mich hinlegte. Meine Darmentzündung meldete sich auch wieder zu Wort. Ich sage absichtlich „zu Wort“, weil meine Blähungen wie seufzten oder stöhnen klingen. Mein Körper ist ein Geisterhaus—wenn meine Gelenke zu knarren beginnen wird es Zeit den Beruf zu wechseln. Mein Unterarm macht das bereits; es ist allerdings nur „intern“ wahrnehmbar und mit dehnen zu beheben.

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Kirby ist derzeit schwierig. Er probiert sich aus, und wir müssen Ihm aufzeigen, wo der Schmäh aufhört. Ich halte mich nicht für einen klassischen Erwachsenen, aber wenn ich mir schon am Arbeitsplatz oft vorkomme, wie in der Vaterrolle, wäre es vorteilhaft, im Privaten durchzuatmen.
Bei einem Arztbesuch verblüffte er uns allerdings. Der Mediziner meinte, dass er wohl von nun an nurmehr von Kirby angeschrien werden wird. Aber er genoß es, die Geschichten zu hören, und seine Untersuchungsmethoden und Instrumente erklären zu können. Kirby erzählte Ihm, von Gabelstaplern, Hydraulik und Pneumatik und wie in seinem Dinosaurierbuch, ein Stegosaurus Platz für eine Herde Alamosaurier macht.

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Je mehr ich über den Alltagsrassismus in Japan lerne, umso froher bin ich, dass der Job dort nichts wurde. Andererseits, die—teilweiße überzogenen—Preise für analoge Kamera- und Spielzeugimporte würde ich mir sparen.

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Ein Arbeitskollege fragte mich „Fühlen sich Depressionen an, wie das Gefühl das man beim schauen eines Bud Spencer & Terrence Hill Films auf englisch hat?“

1 Kommentar

  1. Kirby gefällt mir sehr, seine unbequemen Seiten meistert Ihr ja, außerdem wandelt sich das alles stetig. :-)
    Ich hab mir jetzt das Zeugs da bestellt, von Lotus war das unerschwinglich, aber darüber bin ich jetzt heilfroh – Tgl 1 Tl nüchtern in warmem Wasser trinken:

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