Betriebsschlaf

:: journal ::

Wieso vermittelt man in Filmen und Serien, die andere Muttersprache der handelnden Personen indem man sie Sachen wie z.B. „Hallo“ und „Wie geht’s?“ in dieser sagen lässt, und den Rest der Dialoge in der Produktionssprache lässt? Mich reißt so etwas immer aus der Handlung—die ohnehin nicht sonderlich tief ist.

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An einem Arbeitstag überlegte ich lange, ob ich nicht am Arbeitsplatz übernachten sollte. Ein technisches Gebrechen bekam zwar ein Pflaster von mir—eigentlich entfernte ich Eines; riss ich doch die Liftfilter aus der Belüftung und schuf durch die Öffnung von Türen einen Verkehrsweg für Frischluft durch die betroffene Anlage—aber von sorgenfreiem Betrieb war zu der Zeit keine Rede. In einem Betriebsraum stand sogar noch unser Feldbett. Mein Chef war nicht erreichbar und mit Kirby’s unstetem Schlaf informierte ich das anwesende Personal über die Störung, und dass sie nach Möglichkeit die Filter austauschen sollen, und verabschiedete mich.
Bei der Kontrolle am Folgetag waren die Filter bereits ausgetauscht und die Betriebstemperatur wieder erreicht.

Bei den nächtlichen Fahrten nach Hause war weniger los, als ich erwartete. Einmal saß ich die gesamte Fahrt alleine im Verkehrsmittel—der Fahrer war auch da. Unheimlich und beruhigend zugleich.
Da ich meist ein paar Minuten zu spät war, musste ich ein wenig Zeit bis zum Eintreffen des nächsten Verkehrsmittels überbrücken, und sah mir die Auslagen der Geschäfte an. Taschen hätte momentan ein paar interessante Titel in der Jubiläumsfassung. Die englische Fassung von Moonfire holte ich mir als Geburtstagsgeschenk an mich selbst.
Und da wäre noch etwas, an dessen Finanzierung ich arbeite…

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Deswegen wurde ich in den letzten Tagen ein paar Mal gefragt, was ich mir zum Geburtstag wünsche. »Kondolenzbekundungen.« war meine Antwort.

Kirby’s und mein Geburtstag liegen nur ein Monat auseinander, und so denke ich dieser Tage wieder öfter an die ersten Momente in seinem Leben, die den meinen wahrscheinlich ähnlich sind. Nein, nicht ganz, denn mein Vater wurde erst zu mir gelassen, als meine Mutter und ich wieder auf unserem Zimmer lagen. Mir wurde das Privileg zuteil, von der ersten Wehe an dabei gewesen zu sein, bis er den Mutterleib verlassen hatte. Da lag er dann in meinen Armen, ruhig und interessiert. Mir ist schon klar, er erkannte damals nichts anhand von Aussehen oder Geruch. Die Pflegerin sagte mir, es ist wichtig zu reden. Und das tat ich. Es schien mir, als wäre Ihm das genug gewesen, um mich zu erkennen; und so konnte er sich auf seine Umgebung konzentrieren.
Und nun macht er sich eine Spaß daraus, zu mir zu laufen um mit seiner Hand vor meinem Gesicht zu fuchteln und dabei »Fusch« zu machen. Er versteht, dass ich Wasser nicht mag, und spritzt mich deswegen mit imaginären Wasser nass—wobei die Menge Speichel, welche mich beim Fusch machen trifft, ebenfalls unangenehm viel ist.
Ich hoffe, wenn er nach über 30 Jahren sagt »Feiert mit mir.«, wenn er nach seinen Geburtstagswünschen gefragt wird.

Moonfire | Taschen

fuchteln = gestikulieren

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