das Problem liegt woanders

/// Kritik / Dokumentation / In the court of The Crimson King: King Crimson at 50

Dokumentarfilmer Toby Amies schuf mit In the court of The Crimson King keinen geschichtlichen Abriss über die Band King Crimson oder deren Fans und ihre als okkult anmutende Beziehung zur Band. Es ist ein Versuch das rohe Leben einzufangen, durch ein King Crimson’sches Prisma. King Crimson stellt für viele Musiker einen Olymp dar; auf dem Gitarrist Robert Fripp absolut zu herrschen scheint. Was seine Herrschaft so schrecklich für seine Untergebenen macht ist, dass die Doktrin lautet: Gib Dein Bestes im Dienst der Musik. Ein Satz der die Leute noch wahnsinniger macht, als eine Vorgabe, welche sie nicht erfüllen können. Darauf setzt das narrative Gerüst der Dokumentation auf: der fokussierte Musiker, dessen Disziplin und Ästhetik wie eine Limbostange jeden Tag aufs Neue zu passieren ist; von ihm selbst, den Musikern, der Crew und dem Publikum. Aber in den Pausen zwischen der ewigen Prüfung/ Bewährung/ Hören, tummelt sich das Leben. Dort kocht die Motivation, Dankbarkeit, Unzufriedenheit, Stolz, Krankheit, gekränkte Egos, Liebe, Verzweiflung, Resignation und Hoffnung, welche den Hof seit 50 Jahren nährt.

jetzt hab ichs verstanden

/// Kritik / Film / Aftersun

Die Filmkritik überschlägt sich momentan mit Lob für Aftersun, und neugierig wie ich bin, legte ich meine üblichen Sehgewohnheiten beiseite, und schaute selbst.

Stimmt alles.
Wir begleiten Sophie bei einem Urlaub mit ihrem Vater, Callum. Sie bemerkt, dass sie dabei ist, sich zu verändern, und auch wenn sich der junge und frisch von Sophie’s Mutter getrennte Papa Mühe gibt, ist der dabei seine Lebensveränderungen zu integrieren. Darin liegt der Spannungsbogen des Films: Sophie’s beginnenden Aufbruch in eine Zeit, in die Callum zurückkehren möchte. Er gibt sich die größte Mühe, ein Vater zu sein, wirkt aber wie ein prall gefülltes Gepäckstück, dass beim verladen aufplatzen könnte. Und Sophie spürt diesen Druck ebenfalls, und wird Jahre später die Videos durchschauen, in der Hoffnung Versöhnung zu finden.
Die Bilder sind langsam, getaucht in die Farben der 90er, traumhaft und weich, aber präzise.
Bei mir traf der Film eine gute Stelle, meine Eltern waren ebenfalls sehr jung, und bis heute frage ich mich, ob ich sie überhaupt kenne — und ob ich die Menschen hinter diesen idealisierten Versionen jemals kennenlernen werde.

Und weil es noch nicht genug war …

Wer kennt es nicht: man kommt aus der Dusche, und wird vom eigenen Bruder angerufen. Der erzählt einem, dass er die letzten Monate die Schwangerschaft einer Frau, die er kurz nach der Trennung von der ex-ex-Schwägerin kennenlernte, geheimhielt, und man sei seit ein paar Stunden Onkel eines weiteren Kindes. Willkommen James Hopkins—du armer Mensch. Ein Vater, der ohne Promillespiegel sein Leben nicht mehr ordnen kann; ein Onkel der seine Lebenslust an der Garderobe abgab; eine Weltgemeinschaft, die sich einen Dreck um seinen nächsten Schert.