Comics

Superman – Red and Blue no.1 (2021)
Seit der … dritten oder vierten Wiederholung der Anthologiereihe Batman – Black and White ist der Regalplatz für farbreduzierte Comics kleiner geworden. Nach Wolverine und Carnage dachte ich, mit Superman’s Eintritt würde es in dem Bereich weniger dramatisch werden, und auch wenn nicht jede Geschichte in dem Heft der des Vorschaubilds ähnelt, es ist „realistisch ernster“ als in den regulären Geschichten des »Mann von Morgen«. Ein überraschender Blick über den Tellerrand, die restlichen Hefte stehen auf meiner Liste—muss ich allerdings noch abholen. Und lesen.

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aus Superman – Red and Blue no.1 (2021)

Lehrjahre (2021, dt. Ausgabe)

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Guy Deslisle erzählt von den drei Jahren in denen er die Sommer in der Papierfabrik arbeitete, in der sein Vater als technischer Zeichner arbeitete. Es ist ein Job der Flexibilität fordert—oft wird man kurzfristig zu einer der 12 Stunden Schichten gerufen—, und einen auch passiv körperlich fordert; hohe Temperaturen und konstanter Lärm sind ständig im Dienst. Solch ein Platz produziert—verlangt sogar—nach »Charakteren« die ihn am Laufen halten. Es war dieser Aspekt der mich zur Lektüre des Comics führte, arbeite ich doch selbst mit Menschen zusammen von denen man meinte, es gäbe sie nur in Drehbüchern. Deslise nimmt aber abstand davor, die Menschen zu karikieren, selbst, wenn sie seinem Lebenswandel gegenüber negativ eingestellt waren.
Es ist eine Geschichte, wie wir sie alle kennen—der Übergang von einer Lebensphase in eine andere, zu einer Zeit, in der man die Welt roher wahrnimmt—, aber aus einem Umfeld, dass wir weniger oft gezeigt bekommen.

Der Reprodukt Verlag bietet hier eine Leseprobe an.

Lucky Luke Band 99: Fackeln im Baumwollfeld (2021)

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Lucky Luke erbt eine Baumwollplantage in den Südstaaten. Er ist nicht davon begeistert, seine Nachbarn ebenso, denn Luke plant, seinen Besitz in die Hände der Sklaven zu legen, welche ihn bewirtschafteten. Man rückt also aus, um Luke und die Sklaven von deren Vorhaben abzubringen.
In vielen Rezensionen laß ich, der Band sei den Lesern zu modern, zu sehr auf ein bestimmtes Publikum zugeschnitten und das Ende ein ungeschickter Akt des entkommens aus der Ecke, in die man sich hart hineinarbeitete. Was mein Interesse daran weckte.
Ich kann die Kritik verstehen, teilen kann ich sie nicht. Ja, wir lesen Comics primär, um dem Alltag zu entkommen; besonders Reihen wie Lucky Luke. Ihnen wohnt eine Vertrautheit inne die Halt gibt und einen in seinem Sein bestätigt. Bei neunundneunzig Bänden kann einer dabei sein, welcher einen Hauch von unangenehmer Realität durch die Cowboyromantik wehen lässt. Die größte Lüge in der Geschichte ist ohnehin Luke selbst, der Cowboy der kein Interesse am Wohlstand zeigt. Das Ende ist das konsequente Fortsetzen des Kurses. Auch jemand der schneller als sein Schatten schießt, stünde der Institution Sklaverei schutzlos gegenüber, würde er sich dafür entscheiden dagegen vorzugehen.
Was mich allerdings störten, sind die Bezüge zum realen Geschehen, diese rauben der Geschichte die Zeitlosigkeit, diese wohnt dem Band nämlich inne.

Ariol no.8 (2018/dt. Ausgabe)

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So, dann hätte ich das auch einmal gelesen.
Und ich verstehe wieso Ariol mir von anderen Comic lesenden Eltern empfohlen wurde; es ist so wie man es in enem der Werbesätze auf dem Buchrücken ließt:

»Ariol, das ließt man erst so und dann passiert’s einem plötzlich voll selbst.«
-ein kleiner Leser

Und als älterer Leser kann ich bestätigen, dass man im Laufe seines Lebens durchaus einen Großteil des gelesenen in der einen oder anderen Form selbst erlebt, allerdings–und verständlich–fehlte einem damals die Erfahrung, Empathie und der Überblick, die man im Laufe des Lebens »gewinnt«.
Durch die Darstellung der Figuren als antropomorphe Tiere, entsteht der notwendige Abstand, um die Geschichten für Kinder interessant zu machen, denn am Ende sind es–wie bereits erwähnt–Szenen aus dem Alltag die unter eine Lupe gelegt werden.

Leseprobe

Crossover no.7 (2021)
Ich mag die Reihe nicht; aber ich mag die Idee: Was wäre wenn Comics plötzlich in unserem Leben stattfänden?
Und dann kommt Chip Zdarsky daher, und nutzt diese Idee um uns mehr zu zeigen als Superman-analogie oder Panzer, wer gewinnt? Er nutzt die Idee um die Frage zu stellen, wie eine Persona, die man für seine Arbeit kultiverte, wohl mit einem umgeht und umgekehrt?

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aus Crossover no.7 (2021)

The Six Sidekicks of Trigger Keaton no.1 (2021)
Kyle Starks hat ein neues Commics in den Regalen? Ich bin da.
Trigger Keaton war einmal einer der bekanntesten Namen im Actiongenre auf den großen und kleinen Schirmen. Doch seine Art hinterließ bei jeder Produktion verbrannte Erde, besonders bei seinen Co-Stars. Wie im Titel finden im Laufe der Geschichte sechs davon zusammen um die dubiosen Umstände seins Ablenes aufzuklären–was nicht einfach ist, denn die gesamte Industrie hätte Trigger gerne ein Messer in die Brust gerammt.
Kyle Starks schafft es wieder, seine eher absurde Prämisse–Stunman War!–mit Figuren zu erzählen, welche ihr die Ernsthaftigkeit verleihen, die sie braucht um zu funktionieren. Zwar zeichnet er dieses Mal nicht, aber Chris Schweitzer übernimmt Stark’s Stil, lässt die Figuren aber weniger »flexibel« wirken.
Ich freue mich auf mehr.

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aus The Six Sidekicks of Trigger Keaton no.1 (2021)

Kaijumax season six no.2 (2021)
Die Invasion der Erde geht weiter, und ein paar der Gefängnisinsassen hat den Deal der Regierung angenommen, und hilft bei der Verteidigung der Erde–natürlich nicht uneigennützig. Und wie immer schafft es Autor/Zeichner Zander Cannon, da keine gute Tat unbestraft bleibt. Und das macht dieses Comic so großartig: nach jedem Heft meine ich »Noch einmal halte ich das nicht aus.«, führt man einen Freudentanz auf das wenn neue Heft erscheint, und denkt sich danach wieder »Noch einmal halte ich das nicht aus.«

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aus Kaijumax season six no.2 (2021)

Fantastic Four: Life Story no.2 (2021)
Wieso lässt man die 616er Version der Fantastic Four vor sich hin plätschern–in 30 Heften gab es einen guten, allerdings sehr guten Kniff–, wenn hier Gold gewaschen wird? Die Geschichte ist in den 70er Jahren des letzten Jahrunderts angekommen. Reed schafft den Spagat zwischen Familienleben und seinen Vorbereitungen für Galatus‘ Eintreffen nicht, und die Rechnung dafür ist hoch.
Ob beabsichtigt oder nicht, das zitieren und umdrehen der Reaktion auf Behandlung von Susan Storm durch ihren Ehemann, Reed Richards, ist etwas, was den aktuellen FF gut stehen würde.
Ich freue mich auf die 80er.

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aus Fantastic Four: Life Story no.2 (2021)

Ultramega no.4 (2021)
Nach zwei unterhaltssamen Heften, die nach dem großartigen Auftakt … schwach wirkten, fährt man hier wieder alles auf. Bumm Zack Brack–bis zum Ende. GEzeigt in James Harren’s wundervollen Zeichnungen die eine Art … Tokusatsu Disneyland zeigen. Schade, dass fürs erste eine Schaffenspause auf dem Programm steht.

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aus Ultramega no.4 (2021)

Star Trek: Year Five no.21 (2021)
Die vulkanische Geschichtsstunde geht weiter. Mir persönlich ist Spock’s Reise zur Findung seiner Selbst eine der liebsten Facetten von Star Trek, aber wenn man erst einmal den ersten Film gesehen hat, kennt man das Ziel. Hier allerdings hat man es mit dem B-Kanon–oder schon C-Kanon–zu tun, und es ist eine gute Idee, Spock direkt an den Punkt zu setzten, an dem sich die Bevölkerung Vulkans zum Teil endtgültig zur Logik hinwandten, und aus welchem Chaos diese Entscheidung entsprungen ist.

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aus Star Trek: Year Five no.21 (2021)

Justice League: Last Ride no.1/.2 (2021)
Habe mir von der Reihe nicht viel erwartet, und jetzt bin ich natürlich wieder überrascht darüber, dass der Chip Zdarsky ein guter Superheldencomic Autor ist. Er zeigt eine Justice League, die nach einem Kampf mit Darkseid schwer gebeutelt ist. Ein Teammitglied verlor dabei sein Leben, das Green Lantern Chor traf es so hart, dass man den Mond als neues Oa auserkoren hat, Superman’s Selbstkontrolle ist gefordererter denn je und Batman stimmte seine Arschgeige neu. Und als wäare es nicht schwer genug, bringen die verbleibenden Lanterns Lobo zur Liga, um sie um dessen sichere Verfahrung zu bitten. Der hat unter anderem die New Gods auf dem Gewissen, und man möchte ihn dafür vor Gericht stellen.
Es ist wieder so ein Fall von »Hach, wieso kann dass nicht Kanon sein?« Es liegt wohl an den inneren Konflikten, welche die Liga im Kanon durch das Überwinden der aktuellen Schwierigkeiten abschwächt, aber nicht löst. Hier sieht die Sache anders aus. Die Schnitte sind tief und die Wunden wollen nicht reicht heilen. Zwar gibt es eine Aufgabe, welche die Figuren zum gemeinsamen Handeln animiert, aber Lobo der Justiz zu überreichen, wird den Kollegen auch nicht aus dem Sarg holen. Und wie lange wird es wohl dauern, bis Batman den Druck nicht mehr stand hält?

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aus Justice Leage: Last Ride no.2 (2021)

Space Pirate Captain Harlock no.1 (2021)
Leiji Matsumoto erzählt einmal wieder die Geschichte seiner Bekanntesten Kreation, dem Piraten Captain Harlock. Ich bilde mir ein, dass ist das vierte Mal–die Originale sind inzwischen in drei Sammelbänden erhältlich–und die Geschichte wurde wieder angepasst und Co-Autor/Zeichner Jerome Alquie versucht in seiner Interpretation Matsumoto’s Designs mit denen modernen Animes zu verbinden. Man könnte beinahe meinen, der Computeranimierte Film wäre nie passiert.
Ich klinge jetzt wenig begeistert, aber mein inneres Kind jubelte beim lesen.

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aus Space Pirate Captain Harlock no.1 (2021)

Supergirl: Women of Tomorrow no.1 (2021)
Supergirl ist eine Figur, bei der ich immer denke »Schade, da hätte man mehr ‚draus machen können.« Hier ist mehr. Losgelöst von Ihrem Cousin und dem Planet Erde, darf die Figur eigenständiger handeln.
Bilquis Evely’s Zeichnungen erinnern dabei an klassische Sci-Fi Comics wie Flash Gordon, ist aber dynamischer.
Ich freue mich auf mehr.

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aus Supergirl: Women of Tomorrow no.1 (2021)

Rorschach no.1-.9 (2020-2021)
Wieso muss man noch etwas zu Watchmen sagen? Es ist doch eines der Superheldencomics, welches eine Art Geschichtsbuch und Vorhersage für das Genre darstellt. Als man 2012 Before Watchmen, eine Prequelreihe, in die Regale stellte, wirkte das Publizierte deswegen auf mich wie Papierverschwendung. Geoff Johns versuchte beim … vorletzten Reboot des DC Universums, die Figuren aus Watchmen in die Vorgänge des primären DC Universums zu ziehen, was mit Doomsday Clock zu einem mäandernden Versuch wurde, das Original zu adaptieren. Dementsprechend dachte ich auch über die Ankündigung eines Rorschach Comics: Muss das sein?
Wie man sich irren kann. Rorschach suhlt sich mit Genuss in Watchmen, ohne dabei zu sehr darauf aufmerksam zu machen. Er ist nicht der Zugführer der Nostalgieeisenbahn, sondern der Filter durch den die Figuren deren Zeit betrachten. Und dabei unternehmen wir einen Spaziergang durch die Geschichte der Popkultur in Watchmen—welche natürlich eng mit der unsrigen verbunden ist—, aber betrachten auch die—auch nach Trump noch immer vorhandene—politische Stimmung in den USA, welche ja in Teilen der Welt eine Ähnliche ist.
Rorschach stellt die Frage »Warum überquerte das Huhn die Straße?«, und folgt konsequent der Kausalitätskette. Genau meins.

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aus Rorschach no.2 (2020)

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Bonus:

Planetary Bias.

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aus Guardians of the Galaxy no.13 (2021)

Batman fasst sich zusammen.

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aus Justice League no.60 (2021)
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aus Batman: The Detective no.2 (2021)

Infinte Frontier no.1 (2021) referenziert aktuelle Ereignisse. Es ist ja nur ein Universum.

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aus Infinite Frontier no.1 (2021)

Das Cover zu Superman Red and Blue no.6 (2021) ist–Doc Shaner bringt die Figur auf den Punkt: »Willst Du mitkommen?«; genau das macht Superman aus.

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aus Infinite Frontier no.1 (2021)

Man vergisst gerne, was der Flash–es handelt sich hier um Wally West’s Geist im Körper des Reverse Flash–mit einem anrichten kann, wenn er einen schlechten Tag hat.

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aus The Flash no.771 (2021)

Titania und Crusher Creel, mein Traumpaar der Comics nach Big Barda und Scott Free.

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aus Gamma Flight no.1 (2021)

Klingt besser als »Vor Freude mit den Arschbacken klatschen.«

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aus Ultramega no.4 (2021)

Auch wenn die Zeichnungen großartig sind, die aktuelle Beta Ray Bill Serie mäandert mir ein wenig zu sehr. Aber wie gesagt: Danniel Warren Johnson ist großartig!

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aus Beta Ray Bill no.4 (2021)

Beim durchblättern von Marvelocity–ein Buch über Zeichner Alex Ross‘ Arbeiten für Marvel Comics–stieß ich über Designvorschläge für einen X-Men Neustart–und natürlich schaut Nightcrawler am besten aus.

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aus Marvelocity (2021)

Die aktuelle Eternals Reihe bewegt sich nicht besonders schnell, aber was Autor Kieron Gillen der World Machine in den Mund legt, ist sehr unterhaltsam.

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aus Eternals no.5 (2021)

Der alte »Lass den Arm nachwachsen« Trick ist eine Glanzleistung in »kreative Wege um Personen zu beschäftigen«, welche meine Psyche noch lange beschäftigen wird.

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aus The immortal Hulk no.47 (2021)

Ich erwähnte das Cover von The Marvels no.3 beim letzten Mal, jetzt wo ich eine bessere Version sah, wäre es interessant dem Vorschlag des Covers zu folgen, und George Clooney Reed Richards in dem kommenden Fantastic Four Film spielen zu lassen.
Und man bekommt einen besseren Blick auf das Kirby Design in seinen Händen. Waffe, Analysegerät oder Kaffeemaschine?

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ausschnitt aus dem Cover von
The Marvels no.3 (2021)

Auch wenn mir die Reihe nicht besonders gefällt, das Cover zu Crossover no.1 (2020) und dessen ersten Sammelband fasst die erste Erfahrung des lesens von Comics perfect zusammen.

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Cover von
Crossover vol.1 (2021)

Die Cover von X-Corps. gefallen mir.

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Cover von
X-Corps no.2 (2021)

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Bildrechte liegen bei deren Inhabern

:: comics ::

die–nicht die–Fliege

Ein Liebhaberkollege schickte mir den folgenden Trailer–wohl wissend um meine Aversion dem französischen Kino gegenüber–, mit den Worten »Es fühlt sich Streckenweiße so an, als hätten wir das gemacht.«

Der Regiesseur, Quentin Dupieux, hat davor Rubber gedreht; einen Film über einen Autoreifen der ein Bewusstsein entwickelt–und Menschen den Kopf sprengen kann.
Es wird Zeit, dass wir Liebhaber etwas auf die Beine stellen.

:: film ::

Lemon

Regte mich gestern darüber auf, dass man nurmehr eine Nummer aus U2’s 90er Phase im Radio serviert bekommt. Das ließ mich nicht los, und ich arbeitete mich weiter durch die Alben.
Eine Neuauflage von ZooTV wäre interessant anzusehen. Aber es würde auch wieder spannende Musikvideos geben.

:: musik ::

dressed up like a carcrash

Fersenpflaster sind eine großartige Erfindung. Ohne diese, hätten mir meine Arbeitsschuhe—mit denen sich meine Füße schon arrangiert haben sollten—die Füße, welche es zu schützen gilt, schon abgefressen haben. Aber es war notwendig sie zu tragen, bestand der professionelle Alltag in letzter Zeit daraus, aufgeschobene und neuentdeckte Hoppalas und Fehler zu bereinigen. In einem Haus wurde die Führungsriege getauscht, und die neuen Besen wollen kehren. Genauer gesagt: Sie schafften uns das kehren an. »Lampenreinigen wird nicht so schlimm sein.« dachte ich mir zuerst. Dann fanden wir ein Lager voll von mit in Staub panierten Scheinwerfern. Selbst mit Mikrofasertüchern und Putzmittel war es, als ob man die Reflektoren mit Schleifpapier behandelte. Dazu die wildverlegten Kabel—viele von unseren Vorgängern verlegt—, die bereinigt werden mussten. Das wäre alles nicht so … schlimm gewesen, wenn nicht alle paar Minuten einer der neuen Besen hinter uns gestanden hätte, um uns zu überprüfen.
Hätten meine Arbeitssandalen suchen können.
Und auch gleich den Tunichtgut, der unsere 12er Leitern versteckte. In einem Maschinenkeller mit einer 14er Leiter zu arbeiten—vier Meter Arbeitshöhe—ist … ein Krampf.

Ein Kollege war über die letzten paar Tage nicht erreichbar. Ich ging davon aus, er sei in Freizeit, dabei galt er als abgängig. Seine Gattin rief nicht Wolf, weil er in den letzten Monaten des öfteren für ein paar Tage verschwand, um dann mit einer Erinnerungslücke zurückzukehren. Durch Zufall fand man Ihn dieses Mal in seinem Auto, welches auf einem Parkplatz in der Nähe eines Einkaufszentrums.
Ich grub gar nicht weiter nach, aber spannend wird die Situation noch. Neben der Gesundheit des Kollegen, werden die geplanten Urlaube dadurch wohl nicht haltbar werden, deren stattfinden aber notwendig ist, um die staatliche Unterstützung für die Kurzarbeit zu bekommen. Es wird aber hoffentlich endlich die Debatte beginnen, wieso wir das erbringen konstanter Leistung trotz Überarbeitung, persönlicher Probleme und angeschlagener Gesundheit als Orden behandeln, anstatt—wie es vertraglich geregelt wäre—eine Meldung beim Sozialpartner der Firma zu machen, der einen dabei unterstützt Hilfe zu bekommen. Das muss dann aber der Vorgesetzte in die Wege leiten—mit Abnicken des Betroffenen natürlich—, unserer hatte uns in dem Fall angewiesen den Mund zu halten, weil das auf uns alle zurückfällt. Deswegen hielt ich in den letzten Tagen »die Ohren offen« und bekam bestätigt: die Freude des betroffenen Kollegen am Alkoholgenuss ist seit Jahren bekannt.

Das brachte mich dazu, mich dafür zu entscheiden nachzufragen, ob ich meine Arbeitszeit reduzieren kann. Wenn meine Rechnung stimmt, verdiene ich mit sechs Stunden weniger in der Woche ähnlich »wenig« wie momentan, und ermöglicht mir einen dritten freien Tag in der Woche. Der Antrag liegt erst einmal auf dem Tisch, ich rechne damit, entweder belächelt zu werden oder mit einem »Wie stellst du dir das vor?« begrüßt zu werden.

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Inzwischen holte ich mir die erste Impfung gegen SARS-CoV2 ab. Dabei begann ich zu verstehen, wieso der Prozess—bis man die Nadel in die Schulter bekommt—manchen Menschen unheimlich erscheint: die geschaffene Infrastruktur ist einschüchternd. Ich konnte mich durch die Prüfung der Notausgänge, der Trassen- und Containererdungen und der lokalen Infrastruktur davon ablenken. Im Austria Center hat man z.B. Vorhangschienen rund um die im Raum verteilten Säulen montiert, und auf die auch noch LED Scheinwerfer gehängt, um die Säulen zu dekorieren und zu verzieren.
Aber es ist auch ein Ort, an dem einen die Realität einholt. Egal, wie weit man sich bisher von der Pandemie ablenken konnte, hier steht man wieder—mit gegebenen Abstand—nebeneinander auf derselben Ebene.
Der Arzt bei dem ich mein Vorgespräch hatte, vermerkte ein paar Zeilen auf meinem Anmeldungsbogen, in einer Weise, die ich da zum ersten Mal sah: die Finger zu klauen gekrümmt, den Kugelschreiber zwischen dem ersten Zeige- und Mittelfingerglied.
In der Impfkabine laß die impfungsverabeichende Person den Vermerk durch, bestätigte dies mit einem »Mhm«, und ergänzte es mit »Ich kann das nicht lesen.«

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In den letzten Tagen dachte ich viel über Geschlechteridentität nach. Es kommt mir vor, als würden wir zwar versuchen die Schubladen abzuschaffen, bauen dafür aber neue Schreibtische.
Darauf kam ich, als eine Verwandte bemerkten, ich bringe ungewöhnlich viel feminine Aspekte in Kirbys Erziehung ein—u.a. weil ich mit Ihm Bücher lese und kuschle. Darauf folgte ein Ausflug in die Welt der Mutterenergie und Vaterenergie usw.. Kann man ja machen, aber könnten wir nicht aufhören in feminin und maskulin zu unterteilen? Zumindest im Verhalten. Damit fing der ganze Scheiß doch an. Wir sind Menschen, wir haben ein Geschlecht—welches man inzwischen anpassen lassen kann, wenn man sich darin nicht wohl fühlt—, aber das abstrakte Konstrukt, das unsere Körper bewohnt wird—auch—durch Erlebnisse geformt. Und dieses Erleben sollte—meiner Meinung nach—nicht mehr gegendert werden. Sehe ich die Lage zu einfach? Solange im Supermarkt Schokolade für Mädchen steht, wird sich da wohl nichts bewegen. Muss ich wohl meine feminine Energie einsetzen—oder die erwähnte Schokolade kaufen.

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Puh, ich bin nicht der einzige Mensch auf dem Erdenrund, der Ice Pirates öfter als zwei Mal sah. Nichts, was man in irgendwelchen Bestenlisten finden wird, aber perfekt geeignet, wenn man jemanden braucht, der im Hintergrund Blödsinn redet. Der lief ständig auf TNT nebst 2001 und The Wizard of Oz.

In den letzten Wochen holte ich »überraschende viele« Animes nach: SSSS. Gridman, SSSS.Dynazenon und Godzilla: Singular Point. Die hatten alle recht gute Intros—sehr eingängig. Gridman und Dynazenon begeisterten mich—bis auf den »Fanservice« bei Gridman, die Schulmädchenfantasien sind mir inzwischen zu viel. Zu Dynazenon habe ich mir zwei Acrylaufsteller geholt.
Singular Point ist … bei mir besser angeschrieben als es das sein sollte, weil Jet Jaguar darin vorkommt. Die »hard sci-fi« Elemente sind zwar interessant, aber in dem Fall … oft hatte ich das Gefühl, die Leute würden schneller sprechen um den Textblock noch unterzubringen—als würde man eilig ein Auto tanken um eine lange Fahrt fortzusetzen. Davon kann man sich bei Netflix selbst ein Bild machen.

Wieso spielt man im Radio meist nur One von U2? Für das kuscheln im Büro findet sich im Spätwerk Stay. Und wenn’s etwas von Achtung Baby sein muss, kann man auch etwas flotteres auflegen.

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Mich »freut« es momentan nicht zu schreiben. Sobald mir ein Stift oder eine Tastatur unter die Finger kommt, ist mein Kopf leer—also vorher schon. Der Text saß auch schon länger im Wartezimmer, neben einem Eintrag über Comics, der vielleicht kommt. Bin mir unsicher darüber, ob ich im Rezensieren vermitteln kann, was mich begeistert.
Ok, ich will ehrlich sein, ich schrieb ein paar Seiten kreativ, und beim nachlesen wirkte es auf mich, als hätte ich mir mit dem Papier den Hintern abgewischt.

:: journal ::

wie funktioniert Film?

Das folgende Video geht darauf ein, und zeigt den Alltag eines US amerikanischen Filmlabors.
Und es vergeht wie im Flug und erinnerte mich wieder daran, dass ich diese verdammten Nachtsichtgeräte zusammen mit den Kosmonautenhelmen hätte kaufen sollen. Erstens wegen der Dunkelkammer; zweitens weil die Helme noch die Mikrofonie enthielten und damit beibahe tragbare Aufnahmeräume waren.
Youth is wasted on the young …

Die Jugend verschwendet ihre Jugend.

:: fotografie ::