Rauchzeichen

Die Nichten legte mir mein Weihnachtsgeschenk in den Postkasten – ich schickte zufällig erst gestern die ihren ab. Wir hatten in den letzten Wochen alle zu viel Wahnsinn ausgefasst, und waren deswegen «Weihnachtsmüde». Ich bin begeistert von meinem GTFO Bracelet. Der Stiefvater des Freundes der älteren Nichte ist im Sicherheitsgeschäft, und so ein EDC Werkzeugnarr wie ich es – in Schüben – bin, und empfahl und besorgte dieses Armband. Auf dem Gummiband ist eine Scheibe aus Wolframkarbid, mit dem man Sicherheitsglas beschädigen kann. Die Verwendung erfolgt dabei wie bei einer Steinschleuder: man spannt das Gummiband mit der Scheibe drwuf zwischen zwei Finger, legt die Scheibe am Glas an, zieht zurück, und lässt die Physik übernehmen.
Bei der Ausführung die sie mir schenkten, ist ein Universalschlüssel für Handschellen dabei.

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Kirby fragte mich, wieso ich zu Hause nicht rauche. Im folgenden Gespräch lernte ich, dass er bisher meinte, alle Erwachsenen würden rauchen, und er glaubte mir nicht, das ich mir zwar einmal eine Packung Zigaretten kaufte, und dann wegwarf – und bis heute rauchfrei bin. Das Gespräch erinnerte mich daran, dass wir auf Andere nicht so wirken, wie wir meinen. Wann er mich wohl fragt, ob ich auch einmal nüchtern sein kann…

Tratscherei

Mir wurde mitgeteilt, dass man im professionellen Alltag Mutmaßungen über mich aufstellte: die Frau wäre mit Kirby ins Frauenhaus geflüchtet, weil ich Choleriker mich in der Wut vergaß, und Hand an sie legte; außerdem sei mein letzter Krankenstand ein sogenannter «e-Card Urlaub» gewesen sein – Urlaub durch Krankenschein. Und die Zeit nutzte ich sogar um zu verreisen. Ich; verreisen. Da dürfte man nach dem ins Hirn scheißen nicht runtergelassen haben.
Da sich niemand daran erinnern will wer diese Behauptungen verbreitete – ich weiß wer es war, aber nach 16 Jahren an der Bühnenkante mit mir, hat er die Chance für eine Rechtfertigung –, ließ mich meinen Anspruch auf Elternteilzeit prüfen. Wenn sich meine Neuberechnung des Gehalts mit der meines Arbeitsmgebers deckt, kann ich dem Herren jeden Tag davon erzählen, dass ich jetzt erst einmal mehr Freizeit habe als er. Man darf ja noch träumen.

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Ich habe so eine Art weiteren Schritt ins Erwachsen-sein unternommen: mein Kredit ist ausbezahlt. Natürlich beginnt genau jetzt die Wohnung und das Inventar zu schwächeln.

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Die Zeit nutze ich momentan, um mich von Dingen zu trennen. Das tut weh. Und nicht nur mir. Ich fragte meine Eltern ob sie noch Interesse an den Super-8 Kameras meines Opas haben. Da schwang eine Enttäuschung in ihren Stimmen … aber es ist wie mit analoger Fotografie: der Aufwand an Geld und Zeit wiegt momentan schwerer, als die Freude.
Beim Spielzeug ist das allerdings nicht so einfach. Comics kann ich am Arbeitsplatz verteilen, dort bin ich momentan eine Art Lexikon, und die Leute freuen sich wenn ich ihnen einen neuen Stapel hinstelle und als Bezahlung um ein Saftl – Getränk – bitte. Habens schlimm genug mit der Gnade der späten Geburt erwischt, da sollte die Unterhaltung billig sein. Aber nur, weil die Leute mein altes Zeug haben möchten, muss ich es ihnen ja nicht gleich vor die Nasen stellen, damit sie sich damit das WG Zimmer verstellen. Die sollen nicht so wie ich werden.

Covid19 erlaubt mir inzwischen längere Phasen in denen ich zu mehr in der Lage bin, als auf einen Schirm zu starren. Zumindest konnte ich dadurch ein paar Sachen nach- und aufholen, und mich darüber wundern, was aus dem Filmgeschmack der Masse wurde. Strange Worlds ist doch ein unterhaltsamer Disney Film, der weder besser, noch schlechter als die Anderen sind. Dann ist da halt eine diverse Sammlung von handelnden Figuren, was interessiert einen, was Disney Figuren wie treiben, wenn die Kameras aus sind?

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Kirby hat einen Autoenthusiasten in seiner Gruppe, der ihm einiges über Autobauer und Marken beibringt. Ich bekam einen «Vortrag» über Enzo Ferarri, in dem er sogar erwähnte, man zahle für den Motor, das Chassis und die Verkleidung sind eine Draufgabe. Anscheinend sind sie gerade bei Bugatti angekommen.