die Ruhe

Die letzten Tage verbrachte ich alleine—wenn ich zu Hause war. Die Ruhe war befreiend. Ich genoß die Einsamkeit, die Unerreichbarkeit.
Am Arbeitsplatz hatte ich Dienst mit einem Liebhaberkollegen. Nach zwei Tagen störte mich seine Präsenz. Beim Atmen klickt dessen … da klickt etwas; und dauernd muss er etwas essen das knirscht oder kracht.

Mein Bruder ist inzwischen in seiner letzten Entwicklungsstufe angekommen: er spricht jetzt nurmehr davon, das alle Anderen deppat sind, und er ja der Edelste ist, weil er sein Unternehmen am Laufen hält. Sonst wäre er ja schon Kalif an Stelle des Kalifen.

Was ist so schwer daran zu verstehen, dass es Menschen gibt die gerne alleine sind? Wieso meint man, Menschen wie mich »zu ihrem Glück zwingen« zu müssen?

/ 2022-Mai-9
#journal

nichts gutes

:: journal ::

Kirby wird am Gehör operiert. Es kann gerettet werden, die Frage ist nur wie viel. Es heißt, bis zum Ende des Jahres wird sich schon alles einspielen.

Momentan ist es so, dass wir Musik und Hörspiele—je nach Titel—unangenehm laut abspielen müssen, um Kirby zu ermöglichen, es auch zu hören.
Im Straßenverkehr nehmen wir ihn »an die kurze Leine«. Es muss komisch wirken, wenn wir ihn manches Mal wegen Nichtigkeiten anschreien.

Es war vor ein paar Wochen noch sehr dringend, Kirbys Arzt meine Krankengeschichte zur Verfügung zu stellen, um den weiteren Behandlungsverlauf einer anderen Baustelle zu planen. Es kam bisher keine Antwort.
Ich sehe das—noch—als gutes Zeichen.

Von Weltraum und Biber Videos, änderte sich Kirbys Fokus auf das Tauchen—Apnoetauchen interessiert ihn besonders. Vielleicht weil es fliegen am ähnlichsten ist? Beim spielen mit Figuren fragt er meist danach, ob jemand fliegen kann; »Die können was wir wollen.« antworte ich dann.

Als Vater finde ich mich noch immer nicht zurecht. Vor allem, weil man Vätern zu jedem Scheiß den sie mit ihren Kindern machen gratuliert, während man es von den Müttern verlangt.

Es stehen noch ein paar Elternabende zu den Themen »Gewaltprävention« und »Umgang mit Medien« an; beides wichtig und richtig, nur bin ich mir unsicher, ob mich das Vorgetragene »ungefärbt« erreichen wird. Ich wurde mit Medien alleine gelassen, und mein Zugang dazu ist dadurch verzerrt, und ich empfinde viele Ratschläge und Analysen als Tadel an meiner Person. Die Frau spricht herblassend darüber, dass ich lieber vor dem Fernseher oder einem Buch saß, was für mich eine Entwertung meiner Kindheit bedeutet.

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Ich ging—berufsbedingt—wieder unter die Uhrenträger. eine Casio G-Shock. Ich trug vor Jahren eine einfache Casio Uhr, welche beim arbeiten beschädigt wurde; aber noch als Stoppuhr für die Filmentwicklung perfekt war—bis ich Massive Dev entdeckte. Die Frau schlug eine Casio G-Shock vor. Aus meiner Kindheit kannte ich diese nur als überdimensioniertes Gimmick, dabei sind das stabil gebaute Zeiteisen. Ich entschied mich für das Basismodel mit Solarpanel zur Akkuladung; welche mich an eine Uhr aus meiner Kindheit erinnerte, welche man mit Wasser betrieb.

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Der professionelle Alltag ist momentan irrer als je zuvor. Ein Liebhaberkollege verließ das Unternehmen, ein zweiter erholt sich von zwei Herzinfarkten—und wird wohl seiner Gesundheit wegen eine berufliche Veränderung anstreben.
Xenophobie, Misogynie und die inzwischen aus der Mode gekommenen Arbeitsbedingungen halten die Zahl an Interessierten niedrig.
Das Kollegium reagierte darauf »Wir müssen halt reinbeißen.« Ja eh; aber wie lange? Auf mich ist man derzeit schlecht zu sprechen—dumme Sache, wenn man Scheiße über einen Kollegen erzählt, ohne dessen Abwesenheit zu verifizieren—, weil ich meine Freizeit nicht freiwillig aufgebe. Meine Argumente: ich bin keine 20 mehr und brauche die Regenerationszeit; mein Kind ist nur einmal in dem Alter, und ich will mich nicht wie die »Schönwetter Papas« bei uns fragen, was denn alles falsch lief bzw. sagen »Hätte ich mir doch damals mehr Zeit genommen.«

Mir lief eine interessante Lehrstelle über den Weg, aber natürlich einem Tag nach Annahmeschluß. Schickte trotzdem meine Unterlagen ab.

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Meiner Mutter geht es schlecht. Sie meint, ihrer Mutter am Ende ihres Lebens nicht gut genug geholfen zu haben. Und das ihre beiden Kinder Probleme mit Alkohol und Depressionen haben, lässt sie an mancher Entscheidung zweifeln, welche sie für uns traf.

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Ich bin wieder an dem Punkt, an dem mich der Gedanke daran einmal zu sterben, und dies sogar durch mein Wirken veranlassen zu können, beim einschlafen hilft.
Die Tage haben kein Ende mehr—manchmal nicht einmal Schlaf. Es scheint nurmehr Momente zu geben, in denen man meint Anwesender zu sein, als in dem zuvor.
Und egal wo man ist, es sind laute Menschen dort, die alle irgendetwas von einem wollen—oder gar fordern.

die Pesto Monologe

Sehe nur ich es, oder könnte Matt Berry Bud Spencer spielen?

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Im Moment klopfen die negativen Gedanken stärker an die Tür zum Bewusstsein als sonst. Mit den steigenden Neuansteckungen an an COVID19 Erkranten, den Plänen mit diesen Umzugehen und der inzwischen—subjektiv—bewiesenen Abnahme des Impfschutzes, wurde im professionellen Alltag hinter dem Backstagebereich wieder mit Knochen und Runen gewürfelt. Es herrscht diese … Stimmung—als würden nurmehr mit Borderlinesyndrom Diognostizierte bei uns werken. Keiner weiß, wie es dem Schiff geht, aber ein Teil läuft schreiend zu den Rettungsbooten, während der Rest die nächste Runde bestellt während die erste noch halbvoll auf dem Tisch steht.
Ich sitze derweil im Krankenstand, und bin nicht gut genug beieinander um mehr als ein Beobachter zu sein.

Schwitzen lässt mich momentan noch ein Termin beim Finanzamt. Das forderte Geld von mir, aus guten Grund wie sich herrausstellte. Ich habe zwei Gründe, die Forderung auszuschlagen. Einer davon ist Unwillen, aber das werden sie mir nicht akzeptieren. Der Andere Grund entlastet mich zwar, könnte jedoch eine Steuerprüfung nach sich ziehen. Da wird nichts dabei herauskommen—hoffentlich—, aber man muss die Unterlagen zusammensuchen, und abgeben, und das Paragraphen-Blabla fühlt sich an, als würde einem das Hirn rasiert werden.
Z.B. dauerte es eine Zeit bis ich begriff, dass es nicht ausreicht Einspruch gegen die Abänderung meiner Steuererklärung einzulegen, es muss ebenso Einspruch gegen die damit verbundene Zahlungsaufforderung eingelegt werden, sonst gilt diese trotz einer weiteren Prüfung der Abänderung.

Dann wäre da noch die Inflation und die ohnehin gestiegenen Warwasser- und Stromkosten, die noch weiter steigen werden.

Ok, es gibt etwas gutes vom Erwachsenenspielplatz:
Ein ehemaliger Kollege schrieb mir, dass man in seiner Firma jemanden mit meinem Lebenslauf zur Nachbesetzung einer Stelle sucht. Und es wäre ein Spaß, wieder mit Ihm zu arbeiten, ich müsste mich aber auch erst wieder auf knapp 20 Jahre Betriebserfahrung hinarbeiten…

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Als Familien teilen wir uns seit ein paar Wochen wieder eine Adresse, die alten Spannungen sind aber ebenfalls wieder da.

Viele Erziehungsentscheidungen der Frau empfinde ich als … «bösartig» ist das erste Wort, das mir einfällt, aber es ist wohl eher die Phrase «über den Kopf des Kindes hinweg» passender. Und das spürt Kirby, und trotzt. Und in diesem Mörser der Befindlichkeiten möchte ich nicht mehr aufgerieben werden.

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Der Therapeut wurde mir unsymphatisch. In der letzten Sitzung wurde sich etwas mehr Freiheit herausgenommen, als mir Recht ist. Es ist wohl das Beste, die Sache zu beenden.
Es ist allerdings spannend zu beobachten, wie selbst Fachpersonal meine Grenzen ignoriert.

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Als Absacker:
Nach einer langen Zeit hörte ich wieder eine Episode des Podcast 301 Permanently Moved. Der Titel The light is a headlight hätte eine Warnlampe sein können, ich hätte wohl nicht reagiert.

/  2021-10-24
/  #journal #die liebe familie #depression #professioneller alltag

wieso? weshalb? warum?

Fangen wir mit etwas guten an: Die neue Marvel Legends Figur zur «klassischen» Version, der Comicfigur von Hercules ist großartig.

marvel-legends-retro-collection-hercules
aus der Besprechung bei The Fwoosh
Bildrechte liegen beim Inhaber

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Die Bekannten in den USA sind derzeit begeistert von Sober Activities. Für mich war das schockierend, dass man sich hinsetzt, und darüber nachdenkt was man denn tun kann, ohne dabei Alkohol zu trinken… Wie bin ich bisher durch mein Leben gekommen?

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«Dante Alighieri, der alte Höllologe.»
Kommentierte einer der Liebhaberkollegen den 700ten Todestag des Dichters.
Und das war schon alles Gute, das man vom professionellen Alltag erzählen könnte.

Zum Thema «Einhaltung des Rauchverbots» tat sich … es gibt nun einen Aushang auf dem vermerkt ist, dass bei Nichteinhaltung zu dienstrechtlichen Konsequenzen anstehen. Derselbe Zettel, der bereits seit drei Jahren auf dem schwarzen Brett hängt, geschliffener forumliert.

Alles und Jeder ist am durchdrehen. Arbeitszeitgesetze und Dienstverträge wurden anscheinend ausgesetzt, es wird angenommen, wir kündigten unserem Privatleben die Freundschaft. Das Wort Loyalität wurde geäussert—zwar von Menschen, die ihrem Handeln nach nicht wissen, dass man auch anderen gegenüber Loyal sein kann—, zusammen mit Vertrauen, Neustart und abwerfen von Altlasten. Letzteres wirkte wie ein schlechter Scherz für uns, als wir die Altmetallcontainer nach Aluminiumprofilverschnitt durchsuchten, weil die im Handel nicht zu bekommen sind.

«Neustart» ist ein noch schlechterer Scherz. Die Situation in der Branche ist unsicher, weswegen ich verstehe, wieso das Unternehmen die Kurzarbeit bis zum Ende reitet. Nur steigen die Erhaltungskosten der Mitarbeiter, ohne Bezahlung der Zulagen.
Dazu fallen Kollegen aus dem «aktiven» Dienst, weil sie die Covid19 Sicherheitsbestimmungen nicht erfüllen (wollen). Deren Arbeitspensum darf man nun mitnehmen, was es mir schwer macht, kollegial zu handeln.

Die Frau meint, ich könnte mich beruflich verändern, und ich gebe Ihr Recht. Nur weiß ich momentan nicht, was ich machen sollte, wer dazu bereit ist mir mein momentanes Gehalt zu bezahlen und wie wir uns die Zeit einer Umschulung leisten können.
Oder spricht nur die Faulheit aus mir?

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Eine Kollegin der Frau hatte eine Buchveröffentlichung geplant, welches vorerst nur in digitaler Form erscheint, weil Papier anscheinend von den Kartonagenherstellern «verbraucht» wurde.
Muss man neben Klo- auch Druckerpapier zu den Nudeln legen?
Unser Kinderbuchhändler gab uns den Tipp, etwaige für Weihnachten geplante Buchkäufe alsbaldig zu tätigen. Ein Spielzeughändler ließ seine Kunden wissen, man solle noch vorbestellen was einer unbedingt haben will, denn es werde Preiserhöhungen und kürzere Produktionsfenster geben.

Mein Computer zeigt seit ein paar Monaten bereits an, dass er an seine Grenzen stößt. Und wir sollten auch an der Wohnung schrauben. Dagegen halten Kurzarbeitsentschädigung und gestiegene Erhaltungskosten. Die Aussagen über die temporär hohe Inflation gelten anscheinend nicht mehr, außer man definiert «temporär» als «bis zum Ende aller Tage».
Ich weiß, «alles Luxus», Sorgen mache ich mir trotzdem.

Ich möchte nicht mehr zur Therapie gehen. Fliegen wäre mir lieber…
Die Preise dort mussten ebenfalls angepasst werden, und wir einigten uns auf halber Strecke—was ich dem Therapeuten hoch anrechne—, aber ich frage: Was bringt es? Mir fehlt die Einsicht dafür, warum es mir besser gehen soll. Am Arbeitsplatz bin ich der pedantische Arsch, der einem das Rauchen madig machen will; zu Hause bin ich der Störfaktor in der Erziehung.

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Ein Beispiel für meine These, nicht genug zu leiden:
«Wieso Kirby wohl nicht beim Tanzkurs mitmachte?» fragte ich.
«Er ist es nicht gewohnt, dich bei solchen Aktivitäten dabei zu haben.» war die Antwort der Frau.
Was soll ich davon halten? Man reißt sich zusammen, um in einer sozialen Situation zu funktionieren, zu dessen Teilnahme mich Kirby bat, und dann liegt es erst wieder an mir, dass es nicht funktionierte. Wir sprachen darüber, und Sie beteuerte, es nicht so gemeint zu haben.
Ich kann es einfach nicht glauben.
Bleibe ich im Bett liegen, ist es schlecht dass ich nichts tue. Wenn ich etwas tue, ist es schlecht.

Ich würde gerne wieder mehr schreiben.
Aber wozu? Es kommt mir vor, als bekäme ich ohnehin keinen geraden Satz zusammen, oder verfasse Falschaussagen…

/ 2021-10-10
/ #journal #professioneller alltag #depression