nichts gutes

:: journal ::

Kirby wird am Gehör operiert. Es kann gerettet werden, die Frage ist nur wie viel. Es heißt, bis zum Ende des Jahres wird sich schon alles einspielen.

Momentan ist es so, dass wir Musik und Hörspiele—je nach Titel—unangenehm laut abspielen müssen, um Kirby zu ermöglichen, es auch zu hören.
Im Straßenverkehr nehmen wir ihn »an die kurze Leine«. Es muss komisch wirken, wenn wir ihn manches Mal wegen Nichtigkeiten anschreien.

Es war vor ein paar Wochen noch sehr dringend, Kirbys Arzt meine Krankengeschichte zur Verfügung zu stellen, um den weiteren Behandlungsverlauf einer anderen Baustelle zu planen. Es kam bisher keine Antwort.
Ich sehe das—noch—als gutes Zeichen.

Von Weltraum und Biber Videos, änderte sich Kirbys Fokus auf das Tauchen—Apnoetauchen interessiert ihn besonders. Vielleicht weil es fliegen am ähnlichsten ist? Beim spielen mit Figuren fragt er meist danach, ob jemand fliegen kann; »Die können was wir wollen.« antworte ich dann.

Als Vater finde ich mich noch immer nicht zurecht. Vor allem, weil man Vätern zu jedem Scheiß den sie mit ihren Kindern machen gratuliert, während man es von den Müttern verlangt.

Es stehen noch ein paar Elternabende zu den Themen »Gewaltprävention« und »Umgang mit Medien« an; beides wichtig und richtig, nur bin ich mir unsicher, ob mich das Vorgetragene »ungefärbt« erreichen wird. Ich wurde mit Medien alleine gelassen, und mein Zugang dazu ist dadurch verzerrt, und ich empfinde viele Ratschläge und Analysen als Tadel an meiner Person. Die Frau spricht herblassend darüber, dass ich lieber vor dem Fernseher oder einem Buch saß, was für mich eine Entwertung meiner Kindheit bedeutet.

+++

Ich ging—berufsbedingt—wieder unter die Uhrenträger. eine Casio G-Shock. Ich trug vor Jahren eine einfache Casio Uhr, welche beim arbeiten beschädigt wurde; aber noch als Stoppuhr für die Filmentwicklung perfekt war—bis ich Massive Dev entdeckte. Die Frau schlug eine Casio G-Shock vor. Aus meiner Kindheit kannte ich diese nur als überdimensioniertes Gimmick, dabei sind das stabil gebaute Zeiteisen. Ich entschied mich für das Basismodel mit Solarpanel zur Akkuladung; welche mich an eine Uhr aus meiner Kindheit erinnerte, welche man mit Wasser betrieb.

+++

Der professionelle Alltag ist momentan irrer als je zuvor. Ein Liebhaberkollege verließ das Unternehmen, ein zweiter erholt sich von zwei Herzinfarkten—und wird wohl seiner Gesundheit wegen eine berufliche Veränderung anstreben.
Xenophobie, Misogynie und die inzwischen aus der Mode gekommenen Arbeitsbedingungen halten die Zahl an Interessierten niedrig.
Das Kollegium reagierte darauf »Wir müssen halt reinbeißen.« Ja eh; aber wie lange? Auf mich ist man derzeit schlecht zu sprechen—dumme Sache, wenn man Scheiße über einen Kollegen erzählt, ohne dessen Abwesenheit zu verifizieren—, weil ich meine Freizeit nicht freiwillig aufgebe. Meine Argumente: ich bin keine 20 mehr und brauche die Regenerationszeit; mein Kind ist nur einmal in dem Alter, und ich will mich nicht wie die »Schönwetter Papas« bei uns fragen, was denn alles falsch lief bzw. sagen »Hätte ich mir doch damals mehr Zeit genommen.«

Mir lief eine interessante Lehrstelle über den Weg, aber natürlich einem Tag nach Annahmeschluß. Schickte trotzdem meine Unterlagen ab.

+++

Meiner Mutter geht es schlecht. Sie meint, ihrer Mutter am Ende ihres Lebens nicht gut genug geholfen zu haben. Und das ihre beiden Kinder Probleme mit Alkohol und Depressionen haben, lässt sie an mancher Entscheidung zweifeln, welche sie für uns traf.

+++

Ich bin wieder an dem Punkt, an dem mich der Gedanke daran einmal zu sterben, und dies sogar durch mein Wirken veranlassen zu können, beim einschlafen hilft.
Die Tage haben kein Ende mehr—manchmal nicht einmal Schlaf. Es scheint nurmehr Momente zu geben, in denen man meint Anwesender zu sein, als in dem zuvor.
Und egal wo man ist, es sind laute Menschen dort, die alle irgendetwas von einem wollen—oder gar fordern.

gegrummelte Flüche

Mein Arbeitgeber hätte gerne eine Bestätigung über die Quarantäne von Kirby. Das Amt stellt keine aus, weil der Kindergarten die Gruppe aufgrund geltender Verordnungen schloss. Das versteht mein Arbeitgeber, aber der muss wegen der geltenden Kurzarbeitsbestimmungen ein gültiges Dokument auf Lager haben, damit das Spice die Förderungen auch weiterhin fließen. Beim Amt gibt man mir eine Nummer, welche die Verrechnung anrufen kann, um von einem Beamten eine Bestätigung zu erhalten. Der Arbeitgeber meint ich solle mit mehr Nachdruck um die Bestätigung bitten… »Hören sie einmal, bei allem Respekt, wenn sie mir dieses Dokument nicht freundlicherweise umgehend ausstellen, dann werde ich, respektvoll und voller Verständnis … jemanden schicken der euch die Kreuzworträtsel falsch ausfüllt, ich weiß wie man ‚Darkweb‘ stenografiert, ich treib da schon jemand auf.«
Wir sind mit dem Wahnsinn nicht alleine; drei Parteien im Haus teilen sich die Geschichte mit uns.

Im letzten Jahr hatten wir eine ähnliche Situation, allerdings im März, da wurde der Absonderungsbescheid als Papierflieger durchs geöffnete Fenster zugestellt während wir Kirby abholten … es war eine e-Mail. Aber sie kam noch am selben Tag an.

Wenn mir dann Leute wie meine Cousine— die ihren Job auf jedem Klo erledigen könnte, solange es dort eine Internetverbindung für ihren Computer gibt—erzählt, dass wir ja auf einer Insel der Seeligen leben, wo man ja eh für jeden Schaß der einem quersteht[1] freigestellt wird, möchte ich meinen Kopf so lange auf die Tischplatte fallen lassen, bis die süße Ohnmacht mich für ein paar Stunden der Realität raubt.

Wenigstens konnten wir Kirby’s Bett umbauen. Jetzt sitzt da ein »Dachstuhl« auf dem Bettgestell, den wir mit Lichterketten umwickelten, und auf dem noch zwei Stoffbahnen liegen. So entfällt der Umbau für sein Zelt, es wirkt angenehmer und die Luft zirkuliert besser. Wer einmal in unserer Deckenkonstruktion schlief, dessen Geruchssinn kann ein Lied von verbrauchter Luft singen.

[1] wenn ein Schaß quersteht = schmerzhafte Blähungen

/ 2022-01-28
/ #journal #vaterfreuden #comics #die allgemeinheit #die liebe familie

die Cloud isst Scheiße

Hat die Cloud den letzten Eintrag gefressen … und ich kann jetzt nur abwarten ob er hinten wieder rausfällt. Der war bereits scheiße als er in den Untiefen der Serverprobleme verschwand…

+++

Die Kurzform: Kirby liest zu viele Comics; wir warten auf weitere Befunde; Kirby ist in Quarantäne, der Kindergarten scherte sich einen Dreck im Maßnahmen und innerhalb von zwei Tagen wurde das halbe Haus abgesondert, wir warten nun was die Tests sagen oder ob er Symptome zeigt, juhu… ; ich gab Therapie auf; unser Auto gab auf; ich brach den Kontakt zu meinen Eltern ab; ein Arbeitskollege kennt eine Wienerin, welche als Wrestlerin in Japan arbeitet; The Book of Boba Fett überzeugte mich davon: Star Wars ist vorbei; ich lernte den ersten Ultraman Darateller »kennen«.

Werkzeugcowboy

Die Frau und ich beschäftigten uns in den letzten Wochen damit, wie man effektiv Gebärdensprache erlernen kann. In Österreich kommt man wohl nicht um einen Kurs herum, was uns aufgrund der aktuellen Pandemie und unserer beruflich bedingten nicht vermeidbaren sozialen Kontakten nicht gefällt.
Bei der deutschen Variante wird man mit Büchern und Ratgebern überschüttet. Unser momentaner Plan ist es, Grundlagen aus Büchern und gemeinsamen Training zu erlernen.

Etwas neues zu erlernen ist momentan ein Problem für mich. Die Information kommt an, ich schaffe es allerdings nicht sie zu festigen. Meine Neuronen sind wohl müde.

+++

Nach drei Monaten hatte ich wieder Kontakt mit meinem Chef. Und dann eröffnet er gleich mit »Also, ich glaube schon das die Chinesen jedes Jahr eine neue Variante nachreichen.« Ich wünschte ich wäre mutig und unabhängig genug um darauf mit »Und ich glaube du wurdest jeden Tag ein Stück dümmer, und hast jetzt den Punkt erreicht, an dem du von Intelligenz geheilt bist.« antworten zu können.

Aber er ist in guter Gesellschaft; das Unternehmen ging trotz laufender Absagen und Verschiebungen davon aus, dass mit Ersten Ersten alles so weitergeht wie »früher«—und realisierte dann doch, dass wir in einer anderen Gegenwart leben. Nun suchte man wieder um Kurzarbeitsunterstützung an. Kommt der Antrag noch fristgerecht durch? Es wird spannend…
[Update] Als hätte es jemand gerochen, Kurzarbeit ist zurück.
Aber wie geht es weiter? Die Häuser sind durchrenoviert, meine Arbeitsliste ist leer … es wären zwar noch Punkte offen, jedoch nur Dinge die meine Zwangsstörung befrieden; hier und da eine Schraube mit Rundkopf gegen eine mit Flachkopf ausstauschen—und umgekehrt; Farbe ausbessern; Überkartons auf allen Seiten beschriften; Regalbretter auf die gleichen Höhen setzen. Sachen die seit Ewigkeiten herumliegen erledigen.

Einer der neueren Kollegen fragte mich nach meiner kleinen Werkzeugtasche. »Du hast immer alles mit. Was ist dein System?«
Ich kann nicht glauben, dass er dies ernst meint.
Und weil niemand fragte, folgt jetzt eine Auflistung:

  • Gehörschutz von Flare
  • ein Leatherman
  • ein Allzweckmesser
  • Shard Werkzeug von Gerber an einem Karabiner—großartiger Türstopper wenn man schnell einen braucht
  • die Karten die man im Alltag braucht
  • zwei Kugelschreiber; ein BIC der verloren gehen kann; Einer von Tombow, mit dem man auch kopfüber schreiben kann
  • ein Sharpie
  • Notizblock
  • eine Taschenlampe mit einer Ersatzbatterie
  • ein Karabiner
  • ein paar Meter Paracord
  • einen Schlüssel für Einnkaufswagen

Bewährte sich schon »oft«. Jedes Mal wenn man im Alltag schnell etwas braucht, habe ich es zur Hand. Bei der Wohnungsrenovierung meiner Cousine im vergagnenen Sommer hatte ich öfter als einmal die Möglichkeit, schnell etwas aus der Hüfte zu zaubern.
Und bei einem Italiener in der Innenstadt reparierte ich vor Jahren ein paar der Speißekarten, als die Frau die Toilette aufsuchte. Ihr Dessert ging dafür aufs Haus.

Ich machte mich früher über die »Wekrzeugcowboys« lustig, jetzt bin ich einer.

+++

Ich lernte meinen Neffen kennen. Netter Kerl; sehr ruhig. Ich hielt Abstand, da Kirby und ich zu dem Zeitpunkt wieder mit den Atemwegen rauften. Was mir allerdings gleich auffiel, ist die … Elastizität unseres Gedächtnisses. Ich vergaß, wie klein Babies sind. Wie ich Kirby auf einem Arm trug, während ich mit dem Anderem ein Buch laß oder eine Gurke schnitt. Und es erinnerte mich daran, wie »klein« wir in diese Welt geworfen werden. Pferde und Elefanten stehen auf und gehen spazieren, nachdem sie geboren wurden, bei uns beginnt eine andere Form der Abhängigkeit. Das Elefantenkalb geht jetzt auch nicht gleich los, und macht sich eine Dose Bohnen fürs Abendessen auf, da wird auch erst einmal Muttermilch getrunken und es muss z.B. Sozielverhalten—und auch das eigene Selbst, welches sich dazu auch noch ständig entwickelt, erlernt werden. Aber man kann sich von Beginn an Freiräume durch Spaziergänge schaffen.
Jednfalls wurde ich dem Neffen als »der Onkel für Blödsinn« vorgestellt; eine Rolle, die ich gerne einnehme.

Den Nichten wuchs inzwischen eine emotionale Hornhaut was die Fluidität des Schulaltags angeht. »Low-level dread« nennt die ältere Nichte den »Finger« der sie andauernd zu stubsen scheint. Und langsam denkt man daran, der Schwerkraft nachzugeben—ein Teil von Ihr hat das bereits, und lässt sich von der Strömung führen. Dazu kommt noch eine seltsamer Lehrer. Hatten wir alle—ich war immer Chamelion genug, um nie allzu negativ aufzufallen—, und dieser ist nun der Lehrer, von dem die Nichte Kirby einmal erzählen wird. Ich riet Ihr, mit Ihrem Klassenvorstand darüber zu sprechen, und vielleicht auch noch mit einem Vertrauenslehrer. Ein Gespräch mit einem Vertrauenslehrer erscheint mir sinnvoller, weil dieser—hoffentlich—einen neutralen Blick auf die Lage hat. Am Ende streitet man nur um des Teufels Bart.

+++

In den letzten Tagen begriff ich erst, dass Kirby Medienkompetenz und Erfahrung fehlt. Das Maulwurfmonster verfolgt Ihn oft. Ich brachte vieles aus Griffreichtweite, aber er ist aufmerksam. Inzwischen kennt er beinahe alle Figuren auf den Buchrücken der Comics. Und er macht sich Gedanken darüber »Green Lantern könnte ein Kleid tragen.« schlug er vor. Er meinte damit kein Kleid im »klassischen« Sinn, sondern eine Tunika, wie sie die Guardians of Universe tragen. Mir gefiel die Idee.

Den Jahreswechsel verschlief er. Die Frau ebenso. Und ich hielt mich mit Bildbearbeitung wach. Um 00:30 folgte ich Kind und Frau. Und trotz der Menschenmassen vor den Feuerwerkshändlern endete das Spekatkel um 01:00. Und vom Hörsagen brannte nur ein Mistkübel in der Gegend ab.

/ 2022-01-3 – 6
/ #journal #vaterfreuden #professioneller alltag #werkzeug

die nächste Generation

Die große Nichte entdeckte die Fotografie. Und sie machte den Fehler mir davon zu erzählen, denn im Hinterkopf—meinem—wird nach Buchempfehlungen gesucht, und die Frage gestellt ob Technik zu Beginn im Vordergrund stehen sollte.
Sie hat «ein Auge» für Motive, und sagte mir, dass Sie versucht Fotos zu machen, welche sie glücklich machen. Das ist ein guter Grund dafür, eine Kamera zur Hand zu nehmen bzw. die entsprechende App zu benutzen, und ich möchte Ihr dies erhalten anstatt Sie mit Komposition, Technik usw. zu überfordern.

/ 2021-11-16
/ #journal #fotografie #die liebe familie