144 :: geraderücken

Covid19 hat die Küste der Familie Hopkins erreicht—am Arbeitsplatz der Frau gibt es einen Verdachtsfall. Das Testergebniss soll am Donnerstag vorliegen. Bis dahin heist es „Same procedure as every year.“

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Kirby hat noch immer Panik beim Haare waschen—aber ich denke ich habe einen Kompromiss gefunden. Er kuschelt einfach währenddessen mit mir. Hat mich zwar auch durchgeweicht, aber ich habe seit einer Operation in meiner Kindheit auch Angst vor Wasser, da nehm ich das in Kauf wenn ich Kirby die Sache vereinfachen kann.

Andre Peschke hat in der aktuellen Weltherrschaftsepisode von Auf ein Bier über seinen verstorbenen Vater geredet. ich wünsche mir, dass Kirby mich als Freund bezeichnet, nachdem ich Ihn verlassen habe.

Es war auch nicht besser , dass ich davor noch Jiro Taniguchis Vertraute Fremde gelesen habe, in dem es unter anderem um einen Vater geht, der seine Familie erlässt, um die Kontrolle über sein leben zurückzuerlangen.

Die fünfte Staffel von She-Ra and The Princesses of Power hat mir eine Bekannte geraderücken müssen. ich habe mich über die fehlenden Konsequenzen des Endes beschwert, worauf Sie mich daran erinnert hat, wie viele fehlende Konsequenzen ich bisher in meiner Unterhaltung erlebt habe, und jetzt haben halt ein paar queere Figuren eine gute Zeit.
ich habe auf eine New Adventures ähnliche Fortsetzung gehofft, und bin wahrscheinlich deswegen ein wenig mürrisch.

144-2019 | 144-2018

[manga] Der spazierende Mann

Autor/Zeichner: Jiro Taniguchi
Neuauflage 2012, Carlsen Verlag (1995, „Aruko Hito“)

Bildrechte liegen beim Inhaber

Beim lesen des Vorworts hat sich eine innere Blockade aufgebaut – zu viel Lobhudelei für meinen Geschmack. Doch muss ich auch zugeben, den Manga in einem Moment unsteter Emotionen aufgeschlagen zu haben. Nach der Beendigung habe ich verstanden, woher die gute Meinung kommt.
Der spazierende Mann ist etwas, dass ich mit fortschreitendem Alter immer mehr zu schätzen lerne: ein lauter Schrei aus einem geschlossenen Mund.
Der Leser begleitet einen namenlosen Japaner durch ein paar Augenblicke in seinem Leben in denen er – no na – spaziert. Manchmal hat der Namenlose ein Ziel, oft improvisiert er. Während er durch die Vorstadt einer ungenannten Stadt flaniert, teilt er seine Wahrnehmung mit dem Leser. Worte werden dabei nur wenn es notwendig ist genutzt, und dann nur im Dialog mit anderen Figuren – die Leser bleiben die ganze Zeit Beobachter, welche sich selbst „ein Bild machen müssen.“

Die scheinbare Hypersensibilität der namenlosen Spaziergängers könnte auch dem Umstand entspringen, dass seine Frau und er vor kurzem in die Vorstadt gezogen sind, und er nun ein Gefühl für die neue Umgebung bekommen möchte – eingebettet in das Klischee, welches wir von den Bewohnern Japans haben: Menschen, die bei jeder Handlung mit Geist und Körper voll anwesend sind. Für die Dauer des Lesens könnte man eine Idee davon bekommen, wie dieser Zustand für einen Selbst sein könnte.

Ein großer Kritikpunkt liegt beim Verlag: da prangert „Graphic Novel“ gut lesbar auf dem Cover. Und wenn es Leute dazu bringt, den Band zu kaufen – Juhuu. Gleichzeitig geht es mir das Buzzword auf die Nerven.

16mar20

Es sind weniger Menschen auf der Straße – zum Großteil Ältere.
Es wird weniger, aber es wird gehamstert. Viele der vollen Einkaufstauschen sind jedoch nicht nur für die Träger, sondern andere Menschen bestimmt.
Man sieht viele Schutzmaksken – keine davon sitzt richtig, manche werden unter der Nase getragen. Manchmal sieht man Handschuhe, aber keine Disziplin – man greift sich ins Gesicht, telefoniert, und nimmt die Handschuhe durch ziehen an den Fingerspitzen ab.
Wenn die Studien über die Länge der Pandemie stimmen, sollten die Menschen aufgeklärt werden – aber wieso sollte es bei dieser Verhütung anders laufen?

Yashica Electro 35
Ilford hp5 400 +1

In der Nacht lässt Kirby einen Plärer hören, der die Frau und mich im Bett stehen lässt. Als wir neben seinem Bett stehen, wirkt er ebenso erschrocken wie wir. Zehn Minuten später schläft er wieder.

Nachmittags führt die Frau Ihn aus.
Ich versuche mich in der Zeit zu beruhigen – ich habe kein Problem damit nicht aus der Wohnung zu gehen, ich habe ein Problem damit, anderen Menschen und deren Emissionen nicht entkommen zu können. Beim Mittagsessen trage ich meinen Gehörschutz. In der Zeit lese ich Der spazierende Mann[1]. Es hilft; den Manga muss ich gesondert besprechen.

Für den Rest der Woche bin ich freigestellt. Zu welchen Bedingungen wird noch geklärt.
Die Frau ist einberufen worden, es fehlt an Personal.

Um 18h ist geplant, den Menschen zu applaudieren, die sich darum kümmern, dass sich die Welt halbwegs stabil weiterwuzelt. Die Aktion läuft besser ab, als der gestrige Aufruf dazu, die Bundeshymne zu singen. Im einsehbaren Radius unseres Grätzls[2] sind es drei Parteien die klatschen. Kirby ist auch dabei.

Machine Sentai Kiramager[3], die aktuelle Super Sentai Serie ist überraschend brutal – da wird der gute König von einer Gruppe feindlicher Soldaten noch zusammengetreten nachdem er schon auf dem Boden liegt, während sich dessen Tochter eine Ecke weiter versteckt – und es enthält das verstörendste Kostüm, das ich in meiner Tätigkeit als Zuschauer dieser Sendungen bisher gesehen habe.


fußnoten

[1] Der spazierende Mann
–carlsen.de
[2] Grätzl = Umgebung des Wohnorts.
[3] Machine Sentai Kiramager
–powerrangers.fandom.com