vorwärts in die Vergangenheit

_ journal _

Auf dem Weg zum Arbeitsplatz sah ich zwei Personen an einer Haltestelle stehen, welche als Avatare für den aktuellen Zeitgeist stehen könnten: eine war in Sandalen, kurzen Hosen und T-Shirt bekleidet; die Andere mit Stiefel und Winterjacke mit Fellfutter. Und da es drei Uhr früh war, Nieselrefen fiel, und man durch die Dunkelheit die Temperatur nicht einschätzen konnte, wirkten Beide passend gekleidet.

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Momentan finden meine Arbeitszeiten meißt in den frühen Morgenstunden statt, was meinen Schlafrhytmus … Ich schlafe wenn ich kann — Mittagspausen, Stehzeiten und wenn es sich nachts ergibt.

Es wird interessant, wie es im professionellen Alltag mit dem Personalmangel weitergeht. Die Besucherzahlen sind nieder, bleiben aber konstant und die Künstler wollen wieder auf die Bühnen. Hinter den Kulissen fehlen allerdings die Leute. Über die Gründe dafür braucht man kein Wort mehr zu verlieren — schlecht bezahlt, scheiß Arbeitszeiten — aber man darf den Künstlern auf den Hintern schauen. Nun begann vor zwei Wochen eine neue Technikerin bei uns. Ich hatte noch nicht viel mehr mit ihr zu tun als die typischen Grußformeln abzuspulen, aber das Verhalten der Kollegen machte mir bisher mehr Sorgen, als dass sie eventuell ein Ungustl* ist. »Gestan woar i mim Hosn ala.« — »Gestern war ich mit dem Hasen alleine.« — war eine der Aussagen eines Kollegen zum Dienst mit ihr. Wieso redet man so? Ich weiß ja von welchen Charakteren es kommt — wenn da die Frau anruft stehen sie salutierrnd vor dem Telefon —, und wie diese sozialisiert wurden, nur besteht hier eine professionelle Beziehung, 30 Jahre zwischen den Geburtstagen und Töchter auf Seiten des Kollegen.
Ich musste auch erst lernen, dass man manche Worte im Kopf aussprechen könnte, bevor man sie in die Welt setzt. Auf die Frage, wie sie sich bei der Arbeit tat, kam bur ein »Ja, eh.«; obwohl das ja die wichtige Frage war. Gerade bei der Leistung junger Kollegen muss man sich bewusst machen, dass da nicht genug Zeit war um Erfahrung zu sammeln. Aber das sind die Sachen die mich interessieren. Es reagierte niemand auf die geäusserte Tatsache, dass der Kollege mit dem Hasen Dienst hatte; auch nicht nach einer zweiten Erwähnung.
Im Zuge des Schreibens und überarbeiteten dieses Textes habe ich ein paar Arbeiten mit ihr erledigt und ihr ein paar Sachen erklärt, und ich bin gespannt ob sie bleibt. Nicht weil sie ungeeignet ist, sondern weil sie geistig überqualifiziert ist. Sie nimmt alles auf, verarbeitet die Information in Ruhe, und wendet das neue Wissen auch in abgewandelter Form an, wenn die Situation es verlangt.

Beim schreiben des vorherigen Absatzes fiel mir ein weiteres Menschheitsproblem ein: Alles muss so bleiben wie es ist –aber besser. Dazu wird gerne »die gute alte Zeit« beschworen. Wenn man jemanden aus der Antike dazu befragen könnte, würde der einem sagen, dass ein Klo in der Wohneinheit schon super ist, aber Kathargo zu Zeit der punischen Kriege unschlagbar ist?
Wie Kirby das wohl sehen wird …
In der österreichischen Politik drückt sich dies man — meiner Meinung — sehr schön anhand der Politik. Da ist die Zeit stehengeblieben bzw. scheint es, als würde das Land der Kanzlerdiktatur nachtrauern. Als Projekt Ballhausplatz** im Laufen war, meinte man wohl, diese Chance auf eine Zeitreise nutzen zu müssen. Da ist jemand, der mein Leben nicht verändert — außer der Kürzung von Sozialleistungen und der Aufweichung der Arbeitnehmerrechte, was von den gleichgeschalteten Medien als Errungenschaft verkauft wurde –, sondern mich sogar darin bestärkt, in einer Vergangenheit zu leben, die es nie gab; und den bösen Anderen endlich das gibt, was sie verdienen.
Ich würde auch gerne vieles Festhalten, aber es gibt ein paar Dinge, die man am besten am Wegesrand lässt. Oder überarbeitet. Ich möchte nicht mehr das eifersüchtige Arschloch von früher sein — das einfühlsame Arschloch steht mir besser.

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Ghost ließ ich arbeitsbedingt aus. Am Konzerttag startete ich meinen Dienst um vier, und der Kollege der dort Dienst hatte, sagte es wäre erst kurz vor Mitternacht vorbei gewesen.
Dafür hatte ich an dem Tag ein »Erfolgserlebnis«, nach vier Jahren verlief in dem Haus eine Routinekontrolle ohne Probleme.
Ein Kollege erwähnte, dass er gerne wieder Peter Gabriel auf der Bühne sehen möchte. Wird ein Wunsch bleiben, erinnerte mich aber daran, dass ich die DVDs mit seinen Auftritten ausgraben könnte. Überraschenderweiße fand ich eine Kopie von David Lynchs Elephant Man, die ich besagtem Kollegen auf Anfrage lieh, da werden meine alten Konzert DVDs auch noch dabei sein.

* Ungustl = unsymphatischer Mensch
** Projekt Ballhausplatz

/ 2022.Mai.9-19
/ #journal

die Ruhe

Die letzten Tage verbrachte ich alleine—wenn ich zu Hause war. Die Ruhe war befreiend. Ich genoß die Einsamkeit, die Unerreichbarkeit.
Am Arbeitsplatz hatte ich Dienst mit einem Liebhaberkollegen. Nach zwei Tagen störte mich seine Präsenz. Beim Atmen klickt dessen … da klickt etwas; und dauernd muss er etwas essen das knirscht oder kracht.

Mein Bruder ist inzwischen in seiner letzten Entwicklungsstufe angekommen: er spricht jetzt nurmehr davon, das alle Anderen deppat sind, und er ja der Edelste ist, weil er sein Unternehmen am Laufen hält. Sonst wäre er ja schon Kalif an Stelle des Kalifen.

Was ist so schwer daran zu verstehen, dass es Menschen gibt die gerne alleine sind? Wieso meint man, Menschen wie mich »zu ihrem Glück zwingen« zu müssen?

/ 2022-Mai-9
#journal

Leuchtstoffröhrenumbau

_wer bastelt mit?_

Vielleicht hilft es jemanden, wenn ich das Wissen, welches ich mir im Laufe der Umrüstung von Gasentladungslampen auf LED Röhren, aneignete.

Wenn man die Leuchtstoffröhren in seinem Haushalt mit LED Versionen ersetzen möchte, muss man einiges bedenken: Leistungsersparnis hat man ohnehin, aber Abstrahlwinkel und Bauart des Vorschaltgerätes muss in betracht gezogen werden.
Wir haben in zwei Räumen Leuchtstoffröhren, die beinah direkt über den Türen des Raumens angebracht sind, und brauchen keine breite Lichtstreuung. Wenn man z.B. einen Arbeitsplatz beleuchtet muss man in betracht ziehen, man nicht die gesamte Leuchte inkl. Leuchtenkörper gegen eine mehrflammige Ausführung ersetzt bzw. eine zweite Leuchte anbringt.
Wenn man einen vorhandenen Leuchtenkörper nachrüstet, muss man wissen, welches Vorschaltgerät im Leuchtenkörper verbaut wurde: KVG oder EVG.

KVG steht für »konventionellen Vorschaltgerät«, eine Drossel gepaart mit einem Kondensator und einem Starter. In dem Fall liegt der LED Röhre ein Starter bei, nach dessen einsetzen die neue Röhre einsatzbereit ist.

KVG Drossel | Foto von D-Kuru/Wikimedia Commons
Relais Starter | Foto von Tympanus/Wikimedia Commons

EVG steht für »elektronisches Vorschaltgerät«, in dem Fall ist nur ein Gerät im Leuchtenkörper verbaut. Hier muss man darauf achten HF geeignete LED Leuchten zu kaufen.

Wenn man es sich zutraut—und die LED Röhre dafür geeignet ist; aber bitte vorher abklären—, kann man die meisten Produkte direkt an die 230Volt Anspeißung anklemmen. Dies stellt dann allerdings einen Eingriff in eine bestehende Anlage dar, und wenn etwas deswegen schiefgeht, kann man sich nicht mehr auf die diversen Zertifizierungen des Gerätes ausreden.

In unserem Fall war es so, dass ich annahm die Leuchtenkörper seien mit einem EVG ausgestattet; wurde aber stutzig, weil die Leuchten sich nicht rührten. Beim zerlegen der Leuchtenkörper stellte ich fest, dass der Starter unter dem Gehäusedeckel »versteckt« angebracht wurde—aus Gewohnheit schlußfolgerte ich, da kein Starter sichtbar war, ist ein EVG verbaut worden.
Die LED Röhren konnte ich bei meinen Eltern verbauen und mit den sogenannten HO Ausführungen funktionierte es problemlos.

Weitere Informationen und Funktionserklärungen gibts—nona—im Wikipedia Eintrag dazu.

/ 2022-Mai-4
#basteln

nichts gutes

:: journal ::

Kirby wird am Gehör operiert. Es kann gerettet werden, die Frage ist nur wie viel. Es heißt, bis zum Ende des Jahres wird sich schon alles einspielen.

Momentan ist es so, dass wir Musik und Hörspiele—je nach Titel—unangenehm laut abspielen müssen, um Kirby zu ermöglichen, es auch zu hören.
Im Straßenverkehr nehmen wir ihn »an die kurze Leine«. Es muss komisch wirken, wenn wir ihn manches Mal wegen Nichtigkeiten anschreien.

Es war vor ein paar Wochen noch sehr dringend, Kirbys Arzt meine Krankengeschichte zur Verfügung zu stellen, um den weiteren Behandlungsverlauf einer anderen Baustelle zu planen. Es kam bisher keine Antwort.
Ich sehe das—noch—als gutes Zeichen.

Von Weltraum und Biber Videos, änderte sich Kirbys Fokus auf das Tauchen—Apnoetauchen interessiert ihn besonders. Vielleicht weil es fliegen am ähnlichsten ist? Beim spielen mit Figuren fragt er meist danach, ob jemand fliegen kann; »Die können was wir wollen.« antworte ich dann.

Als Vater finde ich mich noch immer nicht zurecht. Vor allem, weil man Vätern zu jedem Scheiß den sie mit ihren Kindern machen gratuliert, während man es von den Müttern verlangt.

Es stehen noch ein paar Elternabende zu den Themen »Gewaltprävention« und »Umgang mit Medien« an; beides wichtig und richtig, nur bin ich mir unsicher, ob mich das Vorgetragene »ungefärbt« erreichen wird. Ich wurde mit Medien alleine gelassen, und mein Zugang dazu ist dadurch verzerrt, und ich empfinde viele Ratschläge und Analysen als Tadel an meiner Person. Die Frau spricht herblassend darüber, dass ich lieber vor dem Fernseher oder einem Buch saß, was für mich eine Entwertung meiner Kindheit bedeutet.

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Ich ging—berufsbedingt—wieder unter die Uhrenträger. eine Casio G-Shock. Ich trug vor Jahren eine einfache Casio Uhr, welche beim arbeiten beschädigt wurde; aber noch als Stoppuhr für die Filmentwicklung perfekt war—bis ich Massive Dev entdeckte. Die Frau schlug eine Casio G-Shock vor. Aus meiner Kindheit kannte ich diese nur als überdimensioniertes Gimmick, dabei sind das stabil gebaute Zeiteisen. Ich entschied mich für das Basismodel mit Solarpanel zur Akkuladung; welche mich an eine Uhr aus meiner Kindheit erinnerte, welche man mit Wasser betrieb.

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Der professionelle Alltag ist momentan irrer als je zuvor. Ein Liebhaberkollege verließ das Unternehmen, ein zweiter erholt sich von zwei Herzinfarkten—und wird wohl seiner Gesundheit wegen eine berufliche Veränderung anstreben.
Xenophobie, Misogynie und die inzwischen aus der Mode gekommenen Arbeitsbedingungen halten die Zahl an Interessierten niedrig.
Das Kollegium reagierte darauf »Wir müssen halt reinbeißen.« Ja eh; aber wie lange? Auf mich ist man derzeit schlecht zu sprechen—dumme Sache, wenn man Scheiße über einen Kollegen erzählt, ohne dessen Abwesenheit zu verifizieren—, weil ich meine Freizeit nicht freiwillig aufgebe. Meine Argumente: ich bin keine 20 mehr und brauche die Regenerationszeit; mein Kind ist nur einmal in dem Alter, und ich will mich nicht wie die »Schönwetter Papas« bei uns fragen, was denn alles falsch lief bzw. sagen »Hätte ich mir doch damals mehr Zeit genommen.«

Mir lief eine interessante Lehrstelle über den Weg, aber natürlich einem Tag nach Annahmeschluß. Schickte trotzdem meine Unterlagen ab.

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Meiner Mutter geht es schlecht. Sie meint, ihrer Mutter am Ende ihres Lebens nicht gut genug geholfen zu haben. Und das ihre beiden Kinder Probleme mit Alkohol und Depressionen haben, lässt sie an mancher Entscheidung zweifeln, welche sie für uns traf.

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Ich bin wieder an dem Punkt, an dem mich der Gedanke daran einmal zu sterben, und dies sogar durch mein Wirken veranlassen zu können, beim einschlafen hilft.
Die Tage haben kein Ende mehr—manchmal nicht einmal Schlaf. Es scheint nurmehr Momente zu geben, in denen man meint Anwesender zu sein, als in dem zuvor.
Und egal wo man ist, es sind laute Menschen dort, die alle irgendetwas von einem wollen—oder gar fordern.