wie man lebt

_ journal _

Ein Liebhaberkollege kündigte nach einem Kommentar eines Kollegen; sein Faß war schon lange knapp vorm bersten.
Ein anderer Liebhaberkollege hatte in kurzer Zeit zwei Herinfarkte—er ist in meinem Alter.
Ein Kollege verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit.

Das gab mir zu denken auf. Wie soll es weitergehen? Wo kann man hingehen?

/ 2022-April-11
#journal  #professioneller alltag

stille Schlacht

[ journal ]

Zum Thema: Es ist ja nur eine Grippe kann ich nur anmerken: Nachdem mein Covid-Verwandter ein paar Tage auf dem Weg der Besserung unterwegs war, fiel er in einer Nacht wieder zurück auf die Beatmungsstrecke. Diese konnte er nach einem Tag wieder verlassen, aber es fasst die Gesamtsituation passend zusammen. Die Medikamente zur Linderung der Symptome schlugen an, und nach deren Absetzung ging es wieder steil bergab.

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Bei uns scheint man die Bevölkerung langsam auf eine Impfpflicht vorbereiten zu wollen. Wenn das Zeug wenigstens schon ein paar Jahre in Entwicklung wäre. Prinzipiell bin ich dafür zu impfen — weniger zu verplfichten —, aber wie können wir es uns leisten z.B. Schwangere und Allergiker vom öffentlichen Leben auszunehmen? Kinder sind ja erst einmal nicht im Impfplan. Und so weit mein Verständnis reicht, hindert der mRNA Impfstoff lediglich die Krankheit daran aufzublühen — als Acker bleibt man zur Verfügung. Es ist, in meinen Augen, eine wichtige und richtige Maßnahme, jedoch fühle ich mich unsicher. Ich werde mich da an das Gesundheitspersonal in der Familie wenden.

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Die Frau und ich sprechen derzeit nur im Beisein von Kirby und wenn es erforderlich ist miteinander.

in the mood for stuff

[ journal ]

Nach… Jahren habe ich die mir geschenkte Calvin and Hobbes Komplettausgabe aus dem Regal gezogen. Den ersten von vier Bänden laß ich über drei Abende verteilt. Ich meine zu verstehen, wieso die Reihe noch immer so beliebt ist.

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Dean schickte mir ein rießiges Carepaket mit Spielzeug aus Japan. Dazu noch ein Set Mission Fleet Figuren für Kirby.
Ich musste beim Auspacken eine Pause machen — die bis jetzt anhält — weil ich es nicht verkrafte, dass er mir so viel Zeug zusammensammelte, und dafür nichts im Gegenzug möchte. Sicher habe ich Ihm ein paar Sachen besorgt, nur warte ich noch auf ein Stück. Da hat der Händler etwas durcheinandergebracht — was andererseits durchaus verständlich ist.
Ich weiß nicht wann ich mir den kompletten Inhalt des Pakets zu gemüte führen kann. Dean weiß, dass es zugestellt wurde; ich erzählte Ihm, dass es bei einem Nachbarn liegt und wir uns bisher versäumten. Der Versand der Kiste hat 70 USD gekostet…

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Kirby stellt gerade auf Winterschalf um. Wenn er einmal wach ist, dann gibt er bis zum letzten Moment Gas; wenn er dann aber vom Gas runtersteigt, ist kompletter Stillstand. Aber wir haben da ein Hörspiel das Ihn zwar nicht instantan aus dem Schlaf holt, aber innerhalb seiner 15 Minuten Spielzeit eine aufweckende Wirkung entfaltet.

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Die neuen M1 MacBooks machen mich nervös. Mein elektronischer Abakus lässt mich sein Alter spüren, seit ich Ihn auf Big Sur aktualisierte; das Gerät macht aber auf dem Gebrauchtmarkt doch noch einen ordentlichen Einschlag.
Auf der anderen Seite steht der immer wahrscheinlich werdende Jobverlust im März.

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Für den Rest des Monats haben wir nichts zu tun. Alles wurde gewartet, poliert, geschmiert und die Kanten mit Seidenpapier gebügelt. Für noch offene Arbeiten stehen momentan keine Ersatzteile zur Verfügung oder es warten andere Firmen auf Ersatzteile um eine Reparatur durchführen zu können.
Aber man gibt uns die allseits belieten Durchalteparolen weiter: Licht am Ende des Tunnels; Das wird schon; Wenn dann der Impfstoff da ist, dann… .

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Über die Schwiegermutter erfuhr ich, dass sich der Pflege- und Gesundheitssektor ein wenig vor der anstehenden Verabreichung der mRNA Impfstoffe. Nicht, weil der Bill einem damit Windows auf die harte Hirnhaut installiert, sondern weil das Personal ohnehin schon auf den Kieferknochen an den Arbeitsplatz kriecht, und man durch die Nebenwirkungen Ausfälle fürchtet. Es ist eine dumme Situation, auf der einen Seite sagt man „Hurra“ und dann „Hoppala“. Wird eine spannende Sache. Seit dem Gespräch ist mir bewusst, welche Opfer hinter den Vorhängen der Medikamentenzulassungstest von Probanden gebracht werden. Und zum Großteil bringen diese Opfer Menschen, die ohnehin schon wenig zu Opfern haben bzw. zwangsrekrutiertes Leben.

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Ich gleite momentan gaaaanz langsam in das Criterion Loch. Die Criterion Collection ist eine wachsende Sammlung von Filmen, welche von der Firma Criterion im Eigenverlag vertrieben werden. Brüderlein fein hatte sich deren Bruce Lee Sammlung geleistet ohne mir Bescheid zu geben, und fragte, ob wir die eventuell einmal miteinander schauen.
Und heute wurde die Wong Ka Wai Box angekündigt…aber da spricht nur der Sammler in mir. Der Mensch hat momentan keine Zeit für Medien, die mehr als eine Stunde dauern.
Und wie oben erwähnt, ich werde mich wahrscheinlich bald mit vielen gleich qualifizierten Menschen auf dem Arbeitsamt treffen.

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Körperlich wird es immer schlimmer.

Schalterrätsel

[ journal ]

Ein Verwandter von mir liegt mit Covid19 in der Vorbereitung für ein Intensivbett, weil man die Sauerstoffsättigung bisher nicht in den Griff bekam. Zwar ist er Ansprechbar, aber nach zehn Tagen mit einer Körpertemperatur um die 40 Grad bekam man interessante Antworten von Ihm.
So wie es ausschaut, steckte er sich bei dem „Einkaufsevent“ am Freitag vor einer Woche an. Laut seiner Aussage war er nur im Lebensmittelhandel für 20 Minuten unterwegs.
Meine Tante ist ebenso positiv getestet worden, Sie leidet „nur“ an Kopfschmerzen — aber die Sorge um Ihren Ehepartner lässt Sie diese gut ausblenden. Das müssen sie auch, denn er ist durch sein fortgeschrittenes Alter und Vorerkrankungen — bedingt durch seine Zeit als leidenschaftlicher Raucher und Alkoholgenießer — mit einer entsprechenden Belastung ins Spital gekommen.

Meine Mutter sag dies als Chance, mir meine Lebensmüdigkeit abzusprechen. „Schau wie der am Leben hängt.“ sagte Sie zu mir.

Natürlich werde ich aus Angst vorm sterben ein Loch in mein Totenbett scheißen. Es gibt da eine Dokumentation über Sterbehilfe mit Terry Pratchett, Choosing To Die, an deren Ende man dem Ableben eines Klienten beiwohnt. Selbst wenn man den Körper „ruhigstellt“, finden beim sterben Abwehrreaktionen statt.
Was ich sagen will, ist nicht das ich unbedingt sterben möchte, aber weiterleben ist auch kein Spaß…

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Kirby tritt mir momentan im Schlaf gerne gegen das linke Stirnbein — ich bilde mir ein, so heißt der Schädelbereich oberhalb des Auges. Bisher waren es keine kräftigen Tritte, lediglich „feste“ Berührungen.

Inzwischen kann man sich mit Ihm unterhalten bzw. beginnt er Gespräche. Und seine Vorstellungskraft wächst. Er spielt so, wie mein Bruder und ich spielten. Die Gesten und Themen sind unseren ähnlich. Und er mag meine Vinylfiguren.
Komischerweiße mag Er Skeletor lieber als He-Man.

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Der jungen Nichte konnten wir noch einen Rechner zusammenbauen. Dem alten Rechner meiner Eltern konnte ich ein paar neue Eingeweide einpflanzen. Im Fundus fand sich Arbeitsspeicher — in einem Kuvert, welches in den Deckel einer Kleinteilekiste geklebt war — und aus der Playstation verpflanzte ich die einst nachgerüstete SSD in den Rechner. Die benötigte Software hustet manchmal, bleibt dazu aber nicht stehen.

Die Geschichte mit dem Router meiner Eltern war…mir peinlich. Vater drückte den Resetknopf anstatt des Ein/Aus Schalters. Wie wir da draufkamen? Weil ich dasselbe tat…ist leider keiner von den Druckknöpfen, die im Gehäuse versenkt, und nur mit einem Stift oder ähnlichem zu betätigen sind. Als ich dem älteren Schwager am Telefon davon erzählte, konnte ich hören, wie er sich auf die Zunge biss.

135 :: permanenter Zustand

Wie gestern angekündigt, bin ich mit einem feineren Kamm durch meine Bücherregale gegangen. Bei 200 Büchern habe ich es fürs erste sein lassen. Bis auf fünf, möchte das Internet alle haben.

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Kirby hat schlecht geträumt. Er ist mogens aufgewacht, und hat erst einmal ein paar Brüller hören lassen.

Bis auf die Zwillinge, kann er alle Figuren aus „Die Weihnachtsmaus“ benennen. Die Frau sagte, das kann er schon lange, ich habe es zum ersten Mal erlebt.

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Eine Nachbarin habe ich gefragt, wie Sie anderen Ihren Zustand erklärt. „Morbus Crohn[1] ist wie Tinitus—es ist ein permanenter Zustand. Manchmal leiser, manchmal lauter, aber permanent störend.“


[1] Morbus Crohn —de.wikipedia.org

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