geistig ausgestiegen

Kirbys Gesundheit bereitet uns Sorgen. Das Kind zog anscheinend meine Nieten in der genetischen Lotterie, und deren Auswirkungen manifestieren sich momentan. Der Gastroentologe eröffnete seine Sprechstunde mit »Ich bin ehrlich, ich denke Sie kommen wegen eines eingewachsenen Zehennagels. Aber gehen wir trotzdem auf Nummer sicher; Herr Hopkins, erzählen sie mir bitte ihre Krankengeschichte.«
Und ich betete meine Liste hinunter, woraufhin wir einen Termin in einer Spezialambulanz für gastroentologische Brösel bei Kindern bekamen, und dürfen allabendlich ein Medikament reichen, welches den »riecht nach Chemie« wohl definiert. Kirby will es allerdings auch nicht verdünnt zu sich nehmen … dabei experimentierten wir an uns selbst, und Kokosmilch reduziert den chemischen Geschmack auf eine unnatürliche Süße die man erträgt … Kirby mag süßes nicht.
Vor dem Termin in der Ambulanz zittern mir die Knie. Blutabnahme … ich wünschte es hätte in meiner Kindheit bereits diese betäubenden Pflaster gegeben, ich sah damals nicht ein, warum ich mehrmals im Jahr ohne Frühstück zu jemanden gebracht wurde, der meine Haut mit einer Nadel durchstieß, um an mein Blut zu kommen.

Er steckt außerdem in einem großen Entwicklungsschritt, der mich an meiner Vaterschaft zweifeln lässt. Wer hat dem Kind Sprache vermittelt? Er strickt solch eloquente Sätze, und setzt Redewendungen ein, als wäre er 60 Jahre älter.
Dieser kognitiver Sprung kam allerdings mit einem Preis: schlechter Schlaf. Und das zermürbt die Frau und mich. Es ist komisch, vier Stunden Schlaf, und dann einfach aufstehen und tun ist weniger anstrengend als vier Stunden Schlaf und dann seinem Kind die Hand halten, damit es schlafen kann. Aber dann hört man Ihm dabei zu, wie er aus dem Gedächtnis Geschichten nacherzählt, und nach und nach die gehörten Worte mit seiner Auslegung ergänzt oder ersetzt und schaltet in den »Hach« Modus.

Beim lesen löste Kirby etwas in mir aus, dass ich nie für möglich hielt: ich »hasse« Comics—für ein paar Minuten. Er entdeckte die Taschen Bücher über The Fantastic Four, Batman und Wonder Woman, die recht nieder im Bücherregal standen, und blätterte sie einmal durch; woraufhin er mich bat, sie zu erklären. Das wiederholten wir bisher um die 40 Mal, und es wird immer ermüdender. Kirby erklärt sie inzwischen uns. Zum Glück vielen mir ein paar kindgerechte Erklärungen für das Material ein, auch wenn ich der Meinung bin, Kirby durchschaute die »Ernsthaftigkeit« der Bilder, »Das hast du ganz super gemacht Papa.« dachte er sich wahrscheinlich zu meinen kreativen Auslegungen.
Inzwischen hat er einen anderen Favoriten: das erste Kiste Comic, und einen Band von Ariol.
Kindlicher Enthusiasmus, was will man tun … die Zeit in der man mit solch einer Freude in der Welt herumstochern kann, endet ohnehin viel zu früh. In ein paar Jahren wird er sich nicht mehr mit seiner Decke und einem Buch zu mir setzen, um mit mir zusammen etwas zu erleben.
Hoffentlich träumt er dann nicht mehr davon, von Doctor Doom gekitzelt zu werden.

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Weihnachten war … »erwachsen«. Heuer fiel mir der Lärm um das Fest nur selten auf; jedoch kochte ich vor Ärger wenn ich den Lärm hörte—besonders in Form der neuen zum Thema passenden Musik der Frau. Und die Dekoration…
Ich hörte letztens die Theorie, man sei alt, wenn man 16 jährigen unterstellt, wegen ihres Alters nicht geeignet für die Teilnahme an politischen Wahlen zu sein. Meine Antwort auf die Frage, zusammen mit meiner Weihnachtsmüdigkeit würde mich als »am verwesen« einstufen.
Am 24ten war der erste Satz, den ich nach »Guten Morgen« zur Frau sagte war »Wenn Du ein Überraschungsgeschenk für mich hast, bin ich angeschissen.« Wir hielten uns zum Glück Beide daran, uns mit einem ruhigen Abend miteinander zu beschenken.
Und gleich darauf vergaß ich darauf, dass Kirbys Geschenke bereits fertig waren; ich denke das waren die Nachwirkungen vom Vortag, an dem ich den Eiskasten falsch einräumte, und dann in Panik nach den Frankfurtern suchte.
Kirby bekam dieses Mal nur »wenig«: Bausteine und ein Buch. Er freute sich trotzdem einen Haxn aus. Wenn ich hörte was anderen Kindern so geschenkt wird, wurde mir anders … wenn ich daran denke was uns geschenkt wurde ebenso. Momentan ist Kirby der Typ Kind, der Wünsche äussert, aber mit dem zufrieden ist was er hat. Im stationären Buchhandel sagte er erst »Ich möchte das, aber ich brauche es nicht.« Beim Finanzberater gegenüber hörte man die Belegschaft beinah gleichzeitig auf dem Boden aufschlagen.

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Jemand versuchte unser Kellerabteil zu öffnen. Neben der Meldung bei der Polizei und der Hausverwaltung, fürchtete ich den Termin mit dem Handwerker, der den Schaden beurteilen und beheben sollte. So »viel« war da nicht kaputt; Jemand meinte das Schloss samt Bügel abreißen zu können, schaffte dies nicht, und trat aus Frust gegen die Tür. Eine andere These wäre, dass Jemand ein großes und schweres Stück in sein Abteil brachte, und bei einem Wendemanöver—es liegt alles sehr eng beieinander—den Schaden verursachte.
Wie es auch immer passierte—und Ja, es hält mich wach—, ein Schlosser rief mich an, fragte nach meiner Einschätzung der Lage und ob ich ein paar Fotos schicken könnte—allerdings vom Schloss, und nicht meinen Füßen1—wenn möglich mit einem Maßstab zusammen damit er eventuell etwas vorbereiten kann. Da wurde ich nervös. Passt der Winkel; sieht man den Grad der Verbiegung; ist die Dicke des Blechs erahnbar; usw.? Dann stand der Schlosser zum Termin da, und sagte die Fotos seien sehr hilfreich gewesen. Wir klopften die Türe gerade, montierten neue Bügel für das Schloss, und tratschten eine Stunde lang über die möglichen Fehler bei einer elektrischen Schließanlage. Nach einer Zeit stieg ich dabei geistig aus, weil mein Fachwissen erschöpft war, und es in dem Moment wichtiger war eine Art lebende Wand als Gesprächspartner zu haben. Kenne dies von mir; manchmal muss man es einem Gesicht erzählen. Ich hoffe es half, der Fehler klang nach einer kleinen Ursache, auf die sich in Folge ein Defekt nach dem Anderem stapelte.
Inzwischen mache ich nurmehr einen täglichen Kontrollgang durch den Keller…

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Im professionellen Alltag bewegte sich zwar einiges, aber nichts zum guten. Ein Kollege bekam eine Lebens bedrohliche Diagnose gestellt, einer ging nach einem Unfall aus Mangel an Intensivbetten beinahe drauf, und ein ehemaliger Kollege verstarb.
Und niemand von der Belegschaft weiß, wie es mit der Kurzarbeitsregelung weitergeht. Denn so wie die Verschiebungen und Absagen bei uns ankommen, gibt es nicht mehr als Inventar putzen auf dem Plan. Dazu fielen wir um Geld um, egal welche Entscheidung getroffen wird.

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Die »schlaflosen« Nächte vertrieb ich mit alten Videospielen. Es gibt da ein paar Firmen die Konsolen für den Zweck bauen entweder alte Module oder ROMs darauf zu spielen, und weil sich mein Schwager eine Pocket 2+ zulegte, bekam ich zum Testen seinen … RG351MP. Indiana Jones and The Fate of Atlantis läuft darauf. Und Turtles in Time. Mein Bruder legte mit einem gemeinsamen Bekannten eine ROM Sammlung von all unseren Modulen an, ich werde da einmal nachfragen, ob es die noch gibt.

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Die Frau und ich holten ein paar Filme nach, die uns interessierten:

Encanto (2021)
Der neue Pixar Film. Da ist die Luft und Magie auch draussen. Technisch ist der Film ein Wahnsinn. Die Texturen zusammen mit den Lichtstimmungen ließen mich manchmal an Stop Motion Filme denken. Von der Geschichte her… Die Geschichte ist wichtig für die Darstellung südamerikanischer Kultur, ist aber leider eine hatscherte Geschichte über Millenials und deren Vorgängergenerationen. Mit Superkräften. Und den immer gleich klingenden Lin Manuel Miranda Nummern … ich fürchte mich deswegen davor In the heights zu schauen; vielleicht bin ich auch nur taub für gute Musik.
Trailer

Mulan (2020)
Die Realiverfilmung. Schaut gut aus, hat keine Längen, setzt Chi mit der Macht aus Star Wars gleich und … es gibt bessere Filme.
Trailer

C’mon C’mon (2021)
Genau meines: Onkel kümmert sich um Neffen in schwarz/weiß gedreht. Unaufgeregt zieht die Handlung an einem vorbei; exotisch und vertraut zugleich. Als würde man die Schuhe eines Fremden tragen. Der Frau war er zu langweilig. Dürfte unser neuer Paterson sein. Den wird Sie mir niemals verzeihen.
Trailer

/ 2021-12-25
/ 1.. Wäre nicht das erste Mal, dass Fotografieinteressierte mich danach fragen…
/ #journal #vaterfreuden #professioneller alltag #videospiele #comics #film

viel Kake

Welche Krankheit auch immer durch den Kindergarten marschierte, sie ließ uns mit unerwarteten Langzeitsymptomen zurück: Geschmacks- und Geruchsverwirrungen. In unregelmäßigen Abständen habe ich den süßlichen Verwesungsgeruch in der Nase. Jede Mahlzeit und Flüssigkeit schmeckte bisher vorverdaut. Bei den Kindern ist es ähnlich. Kirby und Andere klagen darüber, dass Ihnen das Essen nicht schmeckt, und über komische Gerüche. »Hast du ein Butschi gelassen?« fragte man öfter.
Dazu spinnt mein Darm; was er ja ohnehin Krankheitsbedingt macht, dieses Mal in neuen Variatonen. In meinem Zustand ist es nicht unüblich, oft zu viel Gas im Darm zu haben, das einem Quer steht. Mit der Zeit lernte man zu interpretieren, wie es um Menge, Lautstärke und Geruch stand. Diese Regeln wurden ausgesetzt. Momentan ist jede kleinste Flatulenz in der Lage dazu, Demonstrationen aufzulösen. Dazu lässt sich das permanente Gefühl, kaken zu müssen, nicht durch Ablenkung ausblenden.

Apropos Kaken: Der Hippie-Cousin behandelte sich im vergangenen Jahr mit Ivermectin gegen eine mögliche Covid19 Infektion. Ergebnis: Ebenfalls Kotdrang, ohne Erleichterungsmöglichkeit. Testen kam nicht in Frage, denn selbst bei den hier erhältlichen Gurgeltest werden irgendwelche Gnome in den Körper eingeschleust die … was weiß ich; in seinem Weltbild bin ich als geimpfter schon gestorben—zuerst am ersten, dann am 15ten September, inzwischen soll Nebel den Tod auslösen.

Und angesichts des momentanen Umgangs mit dem Thema Covid19 und den Erzählungen der Verwandtschaft, die im Gesundheitsbereich arbeitet … ich mag nicht mehr. Ich will keine Meinungen mehr hören—egal zu welchen Themen. Ist das ein Weltweites Problem, dass jeder meint, Experte für Alles zu sein?
Ein Kollege sagte erst:
»Oft denke ich, ich wäre der dümmste Mensch auf Erden; und dann erzählt mir einer, die Erde sei flach, und es passt wieder für fünf Minuten.«
Vor Wochen erzählte er mir, die Regierung plant die Errichtung von Arbeitslagern für Ungeimpfte.

Apropos Verschwörungen: An einem Standort verabschiedete sich 2019 der Rechner für die Hauslichtsteuerung. Seinen Dienst trat dieser zu Windows XP Zeiten an, und die ansässige EDV Abteilung tauschte das Gerät gegen eines, auf dem Windows 10 läuft. Kein Problem, läuft die alte Software eben in der in Windows enthalteten Emulation.
Seit kurzem meint das Hauslicht, die Kollegen dort auf deren Photosensibilität testen zu müssen, indem es unangekündigt wild zu blinken beginnt. In einem Gespräch erfuhr ich, die Abstände in denen diese Störung auftritt, wurde seit der Inbetriebnahme der zweiten Steuermöglichkeit kürzer. Moment, welche zweite Steuerung? Es wurde ein zweites Terminal für die Portiere installiert; identische Hardware. Nun war ein Kollege mit dem ich mich darüber ausstauschen wollte der Meinung, die Rechner ziehen ständig Updates, was die Flakereien verursacht. Darüber unterhielt ich mich mit den örtlichen Diskettenlutschern, die mir erklärten, dass beide Rechner keinen Zugang nach draussen haben. Ich warf einen Blick auf die Systemeinstellungen sowie die Verkabelung, und wahrlich, die Rechner reden nur mit einem Signalmerger, welcher dem Dimmer erzählt, was Sache ist.»Du kennst ja Windows, wer weiß schon, was das WLan macht.« war die Antwort meines Kollegen. Das war wieder ein Fachgespräch. Ich fragte dann nicht mehr nach, ob die Speicherverwaltung sich in der Emulation ein Bein stellt, und die Rechner beim Synchronisieren der Werte darüber stolpern könnten; diese Frage schickte ich an die ansässige EDV.

Einen hab‘ ich noch! An einer Arbeitsstätte steht ein Besuch der Behörden an. Dort ist man nervös, und versucht das Haus in den Urzustand zurückzuversetzen, was zu einer faschingswürdigen Nachricht an uns führte: Wir sollen es nach Möglichkeit unterlassen, die Sitzmöglichkeiten in den Technikräumen zu bewegen. Zum Glück muss ich—vorerst— dort nicht Platz nehmen.

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Durch Zufall fanden wir ein Geburtstagsgeschenk für meinen Vater. Der erzählte Kirby, dass er gerne wieder einmal mit einer Slotbahn spielen möchte. Kirby erzählte mir davon, und ich besorgte eine von den kleineren Carerra Bahnen, und machte mich darüber schlau, ob es »bei uns« Vereinsstrecken oder Rennvereine gibt. Siehe da, alles—sogar in der Nähe—vorhanden. Wieder ein Hasenbau, in dem man sich verlaufen kann.

/ 2021-11-12
/ Butschi = Furz
– Ich nenne Ihn den »Hippie Cousin«, weil er immer wieder in irgendwelchen Kommunen abtaucht, und wieder auftaucht wenn das Geld verbraucht wurde.
– Ivermectin
/ #journal #professioneller alltag #die liebe familie

Nestflucht

Es enzieht sich meinem Verständnis, wieso ich mir seit Jahrzehnten nicht merke, mich nach dem Duschen nicht zu rasieren. Der Schnitt ist dann einfach nicht gründlich.
Gibts ja nicht.

«Wie gefällt dir die neue Doom Patrol Staffel?», fragte ein Liebhaberkollege.
«Das kann ich Dir sagen wenn sie angelaufen ist.»
«Du, die rennt seit sieben Wochen…»
«Geh‘ Scheißn‘, des häd i glesn. Des rennt net ohne mi.»
Woraufhin mir der Kollege seine HBOmax Playlist zeigte, und ich wahrnahm, dass ich inzwischen auch mit dem Finger am Puls der Zeit schlief.

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Bei irgendeiner—schrecklichen—aktuellen Pop Nummer hörte ich «I’ve been swimming through the feces you left.» Da der Radiosender jedes Lied gefühlt zehn Mal pro Stunde wiederholt, fand ich heraus das die «Feces» eigentlich «Pieces» sind.
Aber mein Radiotag steht bald wieder an, wenn ich dann in der Werkstatt bin, gibts tibetanischen Gurgelgesang oder Schalenmusik.

Der Liebhaberkollege, der mir die … Nachricht über die Rückkehr der Doom Patrol überbrachte, wurde in eine leitende Position befördert. Ich bin sehr stolz auf Ihn, ist er doch einer «meiner» Auszubildenden gewesen. Und bald ist er mein Vorgesetzter.
Wird unsere Freundschaft das aushalten? Wir kultivierten über die Jahre einen … Spruch, der Zuhörenden meist die Zornes-/Schamesröte oder die Blässe ins Gesicht treibt. Das wird dann wohl nicht mehr möglich sein. Ebenso wird man wohl auch private Dinge nicht mehr mit der bisherigen Freiheit bereden, um keine Befangenheiten zu schaffen. Schade, aber ich bin stolz darauf, dass er die Herausforderung annahm.

Der ehrmalige Lehrling drängte mich dazu, endlich eine Bewerbung an seinen Arbeitgeber zu schicken. Das macht es mir nicht leichter. Es sprechen viele Faktoren gegen einen Berufswechsel. Bezahlung—ich kenne den Gehaltsschlüssel des Unternehmens, da fallen im Idealfall 500€ netto weg—; betriebsinterner Status; und die in der Ausschreiung angeführten «verwandten Arbeiten»—die ganzen Spezialisierungen legte ich mir nicht zu, um erst wieder als Maler anzufangen. Mir ist bewusst, dass man sich erst seine Sporen verdienen muss, aber dessen bin ich müde.
Außerdem bin ich ein beschissener Installateur/Lüftungstechniker und Maler.
Die Bewerbung werde ich trotzdem abschicken. Ich hoffe nur, der ehemalige Lehrling hört auf mich, und macht keine Werbung. Dabei ensteht nur unnötiger Druck für uns Beide.

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Bei einer Zusammenkunft «junger» Eltern wurde Neueodiveristät diskutiert. Eines der Kinder wird wohl Autismus diagnostiziert bekommen, und das Gespräch drehte sich darum, ob wir z.B. Autisten als ambulante Diagnose wahrnehmen anstatt als Menschen. War ein angenehmes Gespräch, in dem die betroffenen Eltern ihre Furcht vor der gesellschaftlichen Ausgrenzung ihres Kindes äusserten, und wie man dem vorbeugen kann. Sie stehen finanziell besser da, damit ließe sich schon einmal vieles abfedern, aber dem Kind ein «Disneyland» schaffen funktioniert wahrscheinlich nicht bis zum Holzpyjama.

«Bewusstsein schaffen» klingt immer gut, aber das muss man auch erst schaffen. Die Leute im Betroffenheitsfilm sind immer arm dran, und da muss man etwas machen und was sind wir nicht böse. Der Nachbar mit dem gleichen Problem, der soll sich zusammenreißen; denn wie ich da einmal starke «Symptom» hatte, habe ich mich durch den Tag gewurschtelt und gut wars bzw. wenn ich alles bekommen würde was ich im Fernsehen sehe… Kenne ich von meiner Darmsache.
Und auf der andere Seite stehen so Witzfiguren wie der Typ aus … The Big Bang Theory. Dem schrieb man einfach an, dass er weniger Autist ist, weil die Geschichte das verlangte. Wenn man erst X oder Y macht oder findet, wird da schon.

Es wird wohl darauf zurückfallen, dem Kind so viel Sicherheit wie möglich zu vermitteln.
Aja, Neurodiversität: mit dem Begriff raufe ich. Der Gedanke gefällt mir, aber ich fürchte, nicht direkt oder indirekt Betroffene könnten da schnell in eine Verklärung des Zustandes rutschen, und dann erst «Na die sollen sich zusammenreißen, denn…» sagen.

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Kirbys Gehör wurde schlechter, was Ihm ein paar panische Momente bescherte. Die von der Frau geplante Reise wurde damit zu einer noch schlechteren Idee—für mich.

/  2021-10-28
/  Holzpyjama = Sarg
/  #journal #profesioneller Alltag #die Allgemeinheit #tv #vaterfreuden

die Pesto Monologe

Sehe nur ich es, oder könnte Matt Berry Bud Spencer spielen?

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Im Moment klopfen die negativen Gedanken stärker an die Tür zum Bewusstsein als sonst. Mit den steigenden Neuansteckungen an an COVID19 Erkranten, den Plänen mit diesen Umzugehen und der inzwischen—subjektiv—bewiesenen Abnahme des Impfschutzes, wurde im professionellen Alltag hinter dem Backstagebereich wieder mit Knochen und Runen gewürfelt. Es herrscht diese … Stimmung—als würden nurmehr mit Borderlinesyndrom Diognostizierte bei uns werken. Keiner weiß, wie es dem Schiff geht, aber ein Teil läuft schreiend zu den Rettungsbooten, während der Rest die nächste Runde bestellt während die erste noch halbvoll auf dem Tisch steht.
Ich sitze derweil im Krankenstand, und bin nicht gut genug beieinander um mehr als ein Beobachter zu sein.

Schwitzen lässt mich momentan noch ein Termin beim Finanzamt. Das forderte Geld von mir, aus guten Grund wie sich herrausstellte. Ich habe zwei Gründe, die Forderung auszuschlagen. Einer davon ist Unwillen, aber das werden sie mir nicht akzeptieren. Der Andere Grund entlastet mich zwar, könnte jedoch eine Steuerprüfung nach sich ziehen. Da wird nichts dabei herauskommen—hoffentlich—, aber man muss die Unterlagen zusammensuchen, und abgeben, und das Paragraphen-Blabla fühlt sich an, als würde einem das Hirn rasiert werden.
Z.B. dauerte es eine Zeit bis ich begriff, dass es nicht ausreicht Einspruch gegen die Abänderung meiner Steuererklärung einzulegen, es muss ebenso Einspruch gegen die damit verbundene Zahlungsaufforderung eingelegt werden, sonst gilt diese trotz einer weiteren Prüfung der Abänderung.

Dann wäre da noch die Inflation und die ohnehin gestiegenen Warwasser- und Stromkosten, die noch weiter steigen werden.

Ok, es gibt etwas gutes vom Erwachsenenspielplatz:
Ein ehemaliger Kollege schrieb mir, dass man in seiner Firma jemanden mit meinem Lebenslauf zur Nachbesetzung einer Stelle sucht. Und es wäre ein Spaß, wieder mit Ihm zu arbeiten, ich müsste mich aber auch erst wieder auf knapp 20 Jahre Betriebserfahrung hinarbeiten…

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Als Familien teilen wir uns seit ein paar Wochen wieder eine Adresse, die alten Spannungen sind aber ebenfalls wieder da.

Viele Erziehungsentscheidungen der Frau empfinde ich als … «bösartig» ist das erste Wort, das mir einfällt, aber es ist wohl eher die Phrase «über den Kopf des Kindes hinweg» passender. Und das spürt Kirby, und trotzt. Und in diesem Mörser der Befindlichkeiten möchte ich nicht mehr aufgerieben werden.

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Der Therapeut wurde mir unsymphatisch. In der letzten Sitzung wurde sich etwas mehr Freiheit herausgenommen, als mir Recht ist. Es ist wohl das Beste, die Sache zu beenden.
Es ist allerdings spannend zu beobachten, wie selbst Fachpersonal meine Grenzen ignoriert.

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Als Absacker:
Nach einer langen Zeit hörte ich wieder eine Episode des Podcast 301 Permanently Moved. Der Titel The light is a headlight hätte eine Warnlampe sein können, ich hätte wohl nicht reagiert.

/  2021-10-24
/  #journal #die liebe familie #depression #professioneller alltag

wieso? weshalb? warum?

Fangen wir mit etwas guten an: Die neue Marvel Legends Figur zur «klassischen» Version, der Comicfigur von Hercules ist großartig.

marvel-legends-retro-collection-hercules
aus der Besprechung bei The Fwoosh
Bildrechte liegen beim Inhaber

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Die Bekannten in den USA sind derzeit begeistert von Sober Activities. Für mich war das schockierend, dass man sich hinsetzt, und darüber nachdenkt was man denn tun kann, ohne dabei Alkohol zu trinken… Wie bin ich bisher durch mein Leben gekommen?

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«Dante Alighieri, der alte Höllologe.»
Kommentierte einer der Liebhaberkollegen den 700ten Todestag des Dichters.
Und das war schon alles Gute, das man vom professionellen Alltag erzählen könnte.

Zum Thema «Einhaltung des Rauchverbots» tat sich … es gibt nun einen Aushang auf dem vermerkt ist, dass bei Nichteinhaltung zu dienstrechtlichen Konsequenzen anstehen. Derselbe Zettel, der bereits seit drei Jahren auf dem schwarzen Brett hängt, geschliffener forumliert.

Alles und Jeder ist am durchdrehen. Arbeitszeitgesetze und Dienstverträge wurden anscheinend ausgesetzt, es wird angenommen, wir kündigten unserem Privatleben die Freundschaft. Das Wort Loyalität wurde geäussert—zwar von Menschen, die ihrem Handeln nach nicht wissen, dass man auch anderen gegenüber Loyal sein kann—, zusammen mit Vertrauen, Neustart und abwerfen von Altlasten. Letzteres wirkte wie ein schlechter Scherz für uns, als wir die Altmetallcontainer nach Aluminiumprofilverschnitt durchsuchten, weil die im Handel nicht zu bekommen sind.

«Neustart» ist ein noch schlechterer Scherz. Die Situation in der Branche ist unsicher, weswegen ich verstehe, wieso das Unternehmen die Kurzarbeit bis zum Ende reitet. Nur steigen die Erhaltungskosten der Mitarbeiter, ohne Bezahlung der Zulagen.
Dazu fallen Kollegen aus dem «aktiven» Dienst, weil sie die Covid19 Sicherheitsbestimmungen nicht erfüllen (wollen). Deren Arbeitspensum darf man nun mitnehmen, was es mir schwer macht, kollegial zu handeln.

Die Frau meint, ich könnte mich beruflich verändern, und ich gebe Ihr Recht. Nur weiß ich momentan nicht, was ich machen sollte, wer dazu bereit ist mir mein momentanes Gehalt zu bezahlen und wie wir uns die Zeit einer Umschulung leisten können.
Oder spricht nur die Faulheit aus mir?

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Eine Kollegin der Frau hatte eine Buchveröffentlichung geplant, welches vorerst nur in digitaler Form erscheint, weil Papier anscheinend von den Kartonagenherstellern «verbraucht» wurde.
Muss man neben Klo- auch Druckerpapier zu den Nudeln legen?
Unser Kinderbuchhändler gab uns den Tipp, etwaige für Weihnachten geplante Buchkäufe alsbaldig zu tätigen. Ein Spielzeughändler ließ seine Kunden wissen, man solle noch vorbestellen was einer unbedingt haben will, denn es werde Preiserhöhungen und kürzere Produktionsfenster geben.

Mein Computer zeigt seit ein paar Monaten bereits an, dass er an seine Grenzen stößt. Und wir sollten auch an der Wohnung schrauben. Dagegen halten Kurzarbeitsentschädigung und gestiegene Erhaltungskosten. Die Aussagen über die temporär hohe Inflation gelten anscheinend nicht mehr, außer man definiert «temporär» als «bis zum Ende aller Tage».
Ich weiß, «alles Luxus», Sorgen mache ich mir trotzdem.

Ich möchte nicht mehr zur Therapie gehen. Fliegen wäre mir lieber…
Die Preise dort mussten ebenfalls angepasst werden, und wir einigten uns auf halber Strecke—was ich dem Therapeuten hoch anrechne—, aber ich frage: Was bringt es? Mir fehlt die Einsicht dafür, warum es mir besser gehen soll. Am Arbeitsplatz bin ich der pedantische Arsch, der einem das Rauchen madig machen will; zu Hause bin ich der Störfaktor in der Erziehung.

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Ein Beispiel für meine These, nicht genug zu leiden:
«Wieso Kirby wohl nicht beim Tanzkurs mitmachte?» fragte ich.
«Er ist es nicht gewohnt, dich bei solchen Aktivitäten dabei zu haben.» war die Antwort der Frau.
Was soll ich davon halten? Man reißt sich zusammen, um in einer sozialen Situation zu funktionieren, zu dessen Teilnahme mich Kirby bat, und dann liegt es erst wieder an mir, dass es nicht funktionierte. Wir sprachen darüber, und Sie beteuerte, es nicht so gemeint zu haben.
Ich kann es einfach nicht glauben.
Bleibe ich im Bett liegen, ist es schlecht dass ich nichts tue. Wenn ich etwas tue, ist es schlecht.

Ich würde gerne wieder mehr schreiben.
Aber wozu? Es kommt mir vor, als bekäme ich ohnehin keinen geraden Satz zusammen, oder verfasse Falschaussagen…

/ 2021-10-10
/ #journal #professioneller alltag #depression