12 vom 12. – Februar 2022

Dachte, ich nehme auch einmal an 12 von 12 teil. Wurden keine zwölf Fotos weil Filmborn—Fotografie App die Kodaks Tri-X 400 Film sehr nah am best immitiert—nurmehr Daten schreibt, wenn es will.

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Bin einer von den Grausbertln[1], welche den Tee auch einmal eine halbe Stunde ziehen lassen.

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Kirby zeichnete, um sein Werk danach zu zerknüllen, und um dessen Entsorgung zu bitten.

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Wir lasen ein paar der Hilda Bücher. Gefühlt hundert Mal, es waren wohl zehn Mal.

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Dazwischen schauten wir in den ersten Band Ariol—der manch Weisheit enthält.

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Nachdem Gerhard Roth vergangene Woche starb dachte ich mir »Kannst dir ja vielleicht einmal einen Überblick verschaffen.«

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Kirby entdeckte die Metal Men.

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Und fand gefallen an Takkong.

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Füllte Tinte nach—Pilot standard schwarz in eine Sailor Sapporo; Noodlers Heart Of Darkness in eine Platinum 3776.

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Vor dem zu Bett gehen fragte Kirby noch danach, was Green Lantern alles kann.

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Das Abendprogramm.

[1] Grausbertl = Widerlicher Mensch

/ 2022-02-13
#journal  #fotos  #12vom12.

aufglegt

Die Serverpanne beim Cloudanbieter wurde geklärt, alle Daten landeten wieder bei mir. Es folgt ein großer Haufen … Worte:

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Nach einer Nachtschicht, stellte ich mich zum Abschluss dieser ans Pissoir. Durch die Fenster sah ich in ein paar Zimmer des Hotels auf der anderen Straßenseite. In allen hing dasselbe großformatige Gemälde an derselben Wand, eine unruhig wirkende Anordnung grober Pinselstriche. Nur im obersten Stock hing ein kleinformatiger Fernseher an der Wand. Bewertete ich zu dem Zeitpunkt als witziges Detail und unbewussten Kommentar zum Status der Kunst bzw. Technologie[1].

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Momentan kocht in meinem Hinterkopf eine Kurzgeschichte … so wie viele Andere. Von Zeit zu Zeit tritt eine Idee oder die Reste an Erinnerungen an eine Idee in den Vordergrund, und dann verbringe ich die … Stand-By Zeiten—in der Schlange stehen; vor dem Einschlafen; den Plafond hypnotisieren, so sagt man bei uns wenn man einfach herumsitzt—damit, dass ich die Ideen weiterspinne oder sie »niederschreibe«. Den Prozess muss man sich wie einen Film vorstellen, der sich im Schnitt befindet und bei dem die Erklärung für Sehbeeinträchtigte eingeschaltet ist. Ich habe eine Kulisse, setzte die Figuren hinein, und dann lasse ich diese halt tun, spule vor und zurück, tausche die Dialoge aus und verändere die Kulisse
Wenn ich dann »zufrieden« mit einer Szene bin, setzte ich mich hin und versuche sie niederzuschreiben. Da hört der Spaß dann auf. Momentan erlebe ich Wortfindungsstörungen—es ist immer schön, sich noch dümmer zu fühlen, als man ohnehin ist, weil man mitten im Satz vor dem Gegenüber verkrampft weil das Wort in meinem Kopf »greifbar« ist, aber ich die Sprache vergaß oder nicht mehr in der Lage bin, die Laute zu formen—, und genau dasselbe passiert mir seit Jahren, wenn ich versuche die Szenen aus meinem Kopf in geschriebene Worte zu übersetzen.
»Dann mach doch was mit Film.« wurde mir gesagt. Aber ich mache Beleuchtung schon beruflich; wenn ich dazu noch Ton und Regie addiere, möchte ich mich in eine Grube legen… Selbst der schlechteste Film brauchte einen Haufen Arbeit um so auszusehen.
Ich predige immer, dass Übersetzungen in andere Medien Flexibilität voraussetzen. Man kann den Würfel in das Loch stecken, wenn man bereit dazu ist die Ecken abzurunden. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass ich einfach kein guter Autor bin, und vielleicht mit jemanden kollaborieren könnte, der sich in der Hitze der Wortschmiede wohler fühlt als ich.

… Wortschmiede ist so ein harter Begriff für schreiben. Ok, man schmiedet die Buchstaben vielleicht, aber die Anordnung könnte … weicher sein, man will ja die Vorstellungskraft eines Lesers nutzen; da darf man nicht zu exakt sein um den Raum auch zu nutzen.
Ein Ausflug noch:
Lesen ist ein spannender Prozess. Man sieht sich einen Zeichensatz an, den interpretiert man, filtert dies durch die Gesamtheit der eigenen Lebenserfahrung und der erlernten aus anderen Büchern, Gesprächen usw., und dadurch entsteht »Leben« in einem »Inneren«, welches es so nicht gibt, in dem aber so viel Platz ist, wie wir brauchen. Und aus diesem Raum, können wir Dinge herausholen.
Und dazu noch: Bücher und Comics »kochen« Raumzeit. Sieht man das Werk als eigenständiges Universum, welche Rolle nehmen wir dann für dessen »Bewohner« ein? Wir können durch deren Zeit springen, den Text verändern und gegebenenfalls verändern.

Jetzt ziehe ich die Hose wieder hoch. Vom Hirnwichsen wachsen einem Haare auf der Netzhaut … oder werden die Handrücken blind? Kenne mich da nicht mehr aus…

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Kirby’s Begeisterung für Comics nahm in den letzten Wochen ein unheimliches Ausmaß an. Ich freue mich darüber, dass er sich für den grafischen Aspekt begeistert. Es überraschte mich, wie gut »lesbar« die Präsentation der Figuren ist, denn Kirby erkennt das »moralische Spektrum« der meisten Figuren bereits durchs Design.
Ein Beispiel: Letztens nahm er Ghost Rider bewusst auf einem Gruppenbild wahr; ein »klassischer« Motorradfahrer auf dessen Schultern ein brennender Schädel sitzt.
»Ist der böse?« fragte er mich.
»Er schaut wild aus, kümmert sich aber darum…«
Wie erklärt man einem Dreijährigen das er Leute rächt…
»Er kümmert sich um die Dinge die ein, Spider-Man nicht verhindern kann.«
»Aha.«
Gestern bekam ich die Rechnung.
»Ich möchte einmal wie der sein.« sagte mir Kirby, während er auf Ghost Rider zeigte. »Aber der Coole, der auf dem Elefanten reitet.« Anscheinend schaute er sich den History of the Marvel Universe Sammelband zu genau an … Ghost Rider 1.000.000BC reitet außerdem ein Mammut.
»Glaub mir, das möchtest Du nicht. Gibt es eine andere Figur die du gerne sein möchtest?«
»Der.«
Kirby zeigte auf Daredevil. Wer die Figur kennt, weiß wieso man nicht Daredevil sein möchte. Und es hat nichts damit zu tun, dass er zwar blind ist, aber einen „Radarsinn“ besitzt.
Ich werde meine Erziehungsberechtigungskarte wohl freiwillig abgeben…

Momentan versuche ich, ihm Comics abzugewöhnen.
Dabei hilft mir Spielzeug. Kirby fragte mich danach, ob ich auch Actionfiguren der Fantastic Four habe. Wir schauten also in unser Kellerabteil, und als er meine Sammlung sah, gingen die Pferde mit ihm durch Wir konnten uns darauf einigen, nur die Fantastic Four und verwandte Charaktere mitzunehmen; aber ich werde regelmäßig gefragt, ob wir denn wieder einmal ins Lager schauen könnten.
Noch akzeptiert er ein »Nein«.
Die Sache hatte allerdings auch etwas positives: Kirby begann mit dem »kleine-Welt-Spiel«; allerdings … umgekehrt. Nicht er versucht mit den Spielsachen seine Welt zu bauen, sondern umgekehrt, er erklärt den Figuren die Welt. Inzwischen bauen wir aus seinem Bett ein Kasperltheater und benutzen Handpuppen und was uns sonst zur Verfügung steht; die Drachen Handpuppe ist sein liebster »Schüler«.

Damit kann ich eine gute Brücke zu unserem letzten Termin im Spital schlagen.
Als wir die Einladung auf die Station vom leitenden Arzt bekamen dachte ich mir schon »Das hört sich alles zu gut an.« So war es dann auch, denn als wir dort—bereits zwei Stunden nüchtern—antraten, wusste man erst nicht was man mit uns anfangen solle. Man erreichte niemanden von der Stationsleitung, und mit Sars-Cov2 fährt man ohnehin momentan auf Sicht—im Nebel, und nur das Abblendlicht funktioniert. In den zwei Stunden, die wir warteten, bekam man einiges mit. Auch wenn die Pfleger, Ärzte und Patienten—viele davon Stammkunden—alle versuchten es zu überspielen, es ist jeder müde. Den Leuten geht der Schmäh aus[2].
Im Wartebereich waren Fernseher angebracht auf denen der KiKa lief, was der Frau und mir zwar nicht sonderlich recht ist, aber Kirby war abgelenkt. Außerdem ist er noch nicht so verstrahlt, dass er vor dem Fernseher zum reinen Konsumenten wird, sondern besprach das Gesehene mit mir.
Als wir drankamen, klärte sich die Verwirrung um unsere Anwesenheit auf: als wäre nicht alles schon schlimm genug, gab es ein paar Notoperationen garniert mit einem saftigen Personalausfall. Beim einfachen beobachten, hätte man davon nichts mitbekommen.
Der Arzt, der die Vertretung machte, war großartig. Sehr geduldig im Umgang mit Kirby, der erst sehr schüchtern war und sich bei mir versteckte. Ich holte ihm zur Ablenkung eine Figur aus dem Rucksack, Ben Grimm, und damit bracht das Eis; denn der Arzt hat ein älteres Kind das Comics ließt, und zufällig auch die aktuelle Fantastic Four Reihe. Selbst bei der Blutabnahme hielt sich Kirby’s Widerstand in Grenzen; was wohl auch den betäubenden Pflastern geschuldet war, welche uns die Kinderärztin empfahl. Er war sehr begeistert davon, dass wir drei Stuhlproben mitbrachten.
Nun warten wir auf die Ergebnisse, und die Schlüsse, welche daraus gezogen werden.

Mit Kirby’s Gehör geht es auf und ab. Ich fürchte den Tag, an dem wir das abschwellende Nasenspray absetzen … bis zum Kontrolltermin beim HNO dauert es dann noch einen Monat. Was, wenn sein Zustand in der Zeit nicht mehr die Auf Route beschreitet? Das wird man dann mit der Kinderärztin abklären, aber es frustriert mich, dass unser ach so tolle Gesundheitssystem—es ist besser als andere, ähnliche System, ich weiß—für Kinder noch zerschossener ist, als für Erwachsene. Liegt wahrscheinlich an den faulen Antikapitalisten…
Wir begannen damit, Gebärdensprache per App—Danke an Kopfklinik!—und einem Buch zu erlernen. Die Frau ist da sehr schnell unterwegs, ich merke mir alles für einen Tag … aber ich denke ich werde einfach länger brauchen, damit meine Neuronen die entsprechenden Furchen in meinem Gehirn ziehen können.

Nachdem ich Kirby im Spital begleitete—was für mich in erster Linie eine logische Entscheidung war, ich bin nun einmal der Veteran der Familie bin, wenn es um invasiver Diagnostik geht[3]—verbachte ich nun auch ein paar Tage »allein« mit ihm. Ich bin nicht gerne mit Kindern alleine. Ich bin kein guter Tröster, und blind wenn es darum geht Personen zu »lesen«. Dazu bin ich extra angeschissen im Umgang mit Kirby, seit er mir vom Esstisch fiel. Und da ist die Sache mit dem essen. Kochen und essen fällt mir schwer; nicht weil ich meine »Echte Männer kochen nicht.« oder sonstiger Scheiß, ich fürchte es schlecht zuzubereiten bzw. verdorbene Zutaten nicht zu erkennen—außer es wächst bereits ein Pilz ‚drauf, der mich bittet ihn nicht zu ermorden—oder »Därme sind Scheiße.« sagt. Dazu kommt noch die Furcht davor, das Kind zu überfüttern. Die Frau beruhigt mich immer damit, dass Kirby bereits ein sehr gut ausgeprägtes Sättigungsgefühl hat, ich habe da eine unfertige Baustelle aus meiner Kindheit, welche die Information abfängt und im Fundament versteckt. Ich sagte der Frau, dass ich Kirby zu viel Bananenkuchen gab, worauf sie mir später sagte, das zwei bis drei Millimeter dicke Scheiben als »zu viel« zu bezeichnen eine Beleidigung sei.
Kirby unterstützt mich dabei, ihn zu unterstützen, dafür bin ich ihm bis ans Ende dankbar, es ist die Einforderung von Nähe, die mich stört. Aber ich verstehe auch, dass er diese braucht, und sie gut für ihn ist.

Und wir haben wieder viel Nähe, weil sich in seinem Kindergarten der Schlendrian einschlich, und sich auch nach ein paar Infektionen mit Sars-Cov2 munter der Betrieb auf Kosten der Isolationsbestimmungen aufrechterhalten wurde. Mir ist bewusst: wir werden Kirby nicht vor dem Virus schützen können und wahrscheinlich hatte er durch das entfallen der Maskenpflicht und mangels Impfung schon öfter Kontakt mit dem Virus als seine Eltern … aber man möchte sein Kind beschützen…
Vor einiger Zeit träumte ich, Kirby starb. Die Ärzte gestatteten uns Abschied zu nehmen, und ich legte ihn dazu auf meine Brust—so wie er oft heute noch auf einschläft. In mein »Körpergedächtnis« prägte sich sein Gewicht ein. Er war plötzlich so schwer, und es war so schwer, ihn loszulassen.

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Und nun der obligatorische »nur gestörte—und ich—am Arbeitsplatz« Teil…
Ein Kollege kam unangemeldet vorbei. In der momentanen Situation, wo dokumentiert werden sollte, im Beisein von wem man wo einen Schaß[4] ließ. Die Dokumente konnten nicht bis zum nächsten Tag warten, an dem er mit seiner Partie Dienst hätte—ich kann das Verhalten aber nachvollziehen, ich bin bei sowas auch unruhig. Aber anstatt das er nur im Büro vorbeischaut, kam er erst einmal zu uns in die Werkstatt, drückte sich einen Kaffee herunter, und schilderte das irgendwer auf irgendwas seine Vermutung bestätigte: mRNA Impfstoffe verursachen Thrombosen. Natürlich wurde der ganze Vortrag mit den Worten »Ich bin ja geimpft, aber… « eingeleitet. Die Person hatte einen Grund, skeptisch gegenüber Impfungen zu sein—wobei ich an der Stabilität der Kausalitätskette zweifle—, aber ich kann und will es nicht mehr hören.
Als von mir eine Antwort erwartet wurde, erhielt ich einen Anruf, der mir die Flucht ermöglichte.
Das Problem der emotionale Mistkübel am Arbeitsplatz zu sein bleibt. Aber auch, dass mir die Empathie fehlt bzw. die notwendige Distanz um mich abzugrenzen.

Nein, nicht alles ist mies; ein Kollege erzählte mir davon, dass er sein Hobby zu einer Nebentätigkeit machen konnte, und er sich schon lange nicht mehr so erfüllt fühlte. Ich freue mich für Ihn.

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Dieser Tage dachte ich an den Tod meiner Oma; der jährte sich zum ersten Mal. Und ich kam zu einem überraschen kalten Ergebnis: Es passt schon. Mit der Verschlechterung ihres Zustandes stieg auch ihr Wunsch nach Ruhe. Es macht mich traurig, dass sie Kirby nur so kurz kannte, weil die Beiden sich mochten; aber wieso hätte sie, die für jeden—auch für den Nachbarn der davon seinen Drogenkonsum subventionierte—ihr letztes Hemd hergab, noch länger leiden sollen? Nur damit wir uns nicht schlecht fühlen? Die Rederei vom endlich einschlafen mag vielleicht nur ein unglücklich formulierter Wunsch, nach Linderung gewesen sein, aber sie könnte es auch todernst gemeint haben.
Und auch wenn man es aus den Zeilen vielleicht nicht herauslesen könnte: Sie fehlt mir.

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Covid19 rückt immer näher. Inzwischen erwischte es ehemalige Nachbarn mit denen wir Kontakt halten zum zweiten Mal. Die fragten, ob wir Winden für eines der Kinder vorbeibringen können. Spoiler: Wir brachten ihnen welche.
Meine Cousine samt Familie erkrankten an Covid19, und fielen zwei Tage nach der Genesung beim Routinetest wieder positiv auf—bisher symptomlos.
Und milder Verlauf? Wenn die Schilderungen meiner Cousine ein milder Verlauf sind, dann hat man den Menschen ins Hirn geschissen. Das war eine kurze, aber schwere Grippe, mit deren Nachwirkungen sie bis heute noch eine Freude haben.

Nach den Bildern aus Brüssel und den komischen Ansichten, welche mein Vater von meiner Ex-Ex-Schwägerin übernahm, fürchte ich, dass man auch bei uns an der Gewaltspirale drehen wird. Die Lunte scheint—subjektiv—immer kürzer zu werden. Wie bereits erwähnt, es fehlt mir momentan and Empathie.

Die Impfpflicht in Österreich … der Zeitpunkt dafür wurde schlecht gewählt. Es noch nicht genug Zeit vergangen, und die bisherig entwickelten Impfstoffe sind Wunder der Wissenschaft, aber nicht die Mauer, an der die Pandemie zerschellt. Gebremst wurde sie, ohne Impfung würden wir schlechter dastehen als vor einem Jahr. Es braucht allerdings noch Forschung, und Entwicklung des Virus selbst, bis dahin müssen wir unser Leben entsprechend führen. Mit den steigenden Energie- und Rohstoffkosten, sowie den anstehenden Zinserhöhungen wird Maske tragen wohl zum kleinsten gesellschaftliche Problem werden. Da denke ich noch gar nicht über den Klimawandel nach; gegen den werden auch Demonstrationen nicht helfen.
Man kann der Menschheit offensichtlich keinen verantwortlichen Umgang mit sich zutrauen. Das ist nicht bösartig gemeint, ich muss die Frau regelmäßig daran erinnern, dass Kirby noch nicht impfbar ist und eventuell zur gefährdeten Gruppe gehört, wenn wir etwas planen. Meine Eltern wollen nicht wahrhaben, dass sie in einem Alter sind, in denen sich all die gesundheitlichen Baustellen die sie für ihren Glauben an den Sinn der Produktivität ignorierten, sich nun bemerkbar machen. Ich sehe meine Oma, wenn ich meine Mutter ansehe: eine Frau die einst mit Bären jonglierte, und nun zwei Mal darüber nachdenkt, ein frisches Glas Marmelade zu öffnen wenn niemand anderer im Haus ist. Mein Vater ist inzwischen Chronisch erkältet, aber Arzt braucht er keinen, ist ja nur ein Schnupfen.
Gut, ich müsste auch zum Arzt … ich habe nur noch keinen gefunden, dem ich vertraue. Dazu noch die Lebensmüdigkeit.
Apropos Lebensmüde, mit der Therapie hörte ich auf. Ich verstehe den Sinn, und nehme Therapie als Behandlungsform ernst, nur ist mir der Preis dafür zu hoch—sowohl der Monetäre als auch der, der Veränderung.
Und damit schließt sich der Kreis zum Thema Eigenverantwortung.

Den Kontakt zu meinen Eltern stellte ich ein. Mir flog der Deckel vom Kopf, als ich meinen Vater nur kurz von Kirby’s Absonderungsanordnung berichtete, und zum Testen und beobachten von Mutters und Seiner Gesundheit auffordern wollte, holte er zu einem Vortrag über die Impfung aus. »Wenn man es halt hat, dann hat man es halt.« wiederholte er, und sah nicht ein, dass ich in dem Moment mitten in der Arbeit stand und gerade keinen Kopf für einen Vortrag hatte. Auch ein fest ausgesprochenes »Bitte los mi mitn Schaß von da Exex in rua.«[5] erklärte meine Absicht nicht klar genug, also legte ich auf.

[1] Kunst braucht Raum, auch in unseren Köpfen, während wir Unterhaltung immer weiter verkleinern/verdummen, und die Geräte gleich mit dazu.
[2] Der Schmäh ausgehen = Man kann die Dinge nicht mehr mit Humor nehmen./Es geht einem das Wissen/die Ideen aus.
[3] Und nachdem ich den Absatz schrieb erfuhr ich: eine Blutabnahme zählt nicht zu invasiven Untersuchungen…
[4] Schaß = Furz
[5] Bitte verschone mich vor den Weisheiten der Ex-Ex-Schwägerin.

/ 2022-01-23 – 27
/ #journal #vaterfreuden #comics #die allgemeinheit #die liebe familie

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[ journal ]

Da ich wieder keinen Befund erhielt, wurde ich von der Covid Befundhotline an deren–festhalten–Second Level Support verwiesen. Da redet allerdings keiner mehr mit einem, sondern man schickt seine Daten hin, und setzt sich wieder ins Wartezimmer.

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Ansonsten ärgere ich mich mit der Bucherstellung. Man optimiert eine Textstelle, arbeitete an etwas anderem, und plötzlich kommt eine Idee, welche den vorher beendeten Text—für mich—besser wirken lässt, und dann passt das Layout wieder nicht weil es ein paar Worte mehr oder weniger im Textblock sind.
Das Cover schaue ich mir gar nicht mehr an…