139 :: Höhlenmalereien löschen

ich habe „den Kamm“ durch die Comicregale gezogen.
Das war nicht einfach.
Druckwerk sind Goldbarren für mich. Meine Eltern hatten/haben nicht viele Bücher—obwohl meine Mutter Bücher „frisst“ wenn man Ihr eines schenkt. Die Frau hat mir geraten, alles wegzugeben, an das ich nicht einmal mehr denke.
Das sind 80% der Comics.
Aber bis ich z.B. alle Hellblazer1 Bände zusammengesammelt hatte, sind einige Vierterl vergangen2…es ist, als würde man Höhlenmalereien von der Wand putzen, und damit die Leistung der Bewohner endgültig aus der Geschichte zu löschen. Im konkreten Fall mit Hellblazer habe ich die Comics sicher zehn bis zwanzig Mal gelesen—ich kann sie nicht aus dem Gedächtnis rezitieren, aber sie sind ein Teil der Neujustierung meiner Geschmacksknospen gewesen, als ich um die Jahrtausendwende wieder damit begonnen habe, regelmäßig Comics zu lesen.
Und es ist nur eine Reihe, die einen beachtlichen Teil Regalplatz einnimmt, ausschaut, als wäre sie beinahe ungelesen und sicher vor Jahren das letzte Mal beäugt worden ist.
Manche Sachen möchte ich weggeben, obwohl ich sie eigentlich behalten möchte—es geht dabei um ein altes Problem von mir: das Werk vom Handwerker trennen können. Viele Menschen können das—ich denke nur an z.B. Roman Polanski. In meinem Fall ist es Paul Pope im speziellen. ich mag seine Zeichnungen, da steckt Dynamik und Energie drin, und das ganze steckt in Figuren, die oft bis an die Grenzen verbogen werden. Aber dann kenne ich auch einen Zeichner der die Geschichten durch Belästigung von Herrn Pope bestätigen kann. Battling Boy3 wäre z.B. etwas, dass ich gerne mit Kirby würde lesen wollen.

Am Ende des Tages sind es 210 Bücher gewesen die ich aussortiert habe.

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Kirby lässt sich die Haare mit einem Waschlappen waschen.
„Lässt“ bedeutet das er dabei weniger laut und wehrhaft ist als sonst beim Haare waschen.


[1] Hellblazer —en.wikipedia.org
[2] „Es sind einige Viertel vergangen“ ist eine Redewendung, die angibt das eine lange Zeit vergangen ist. Man deutet dabei an, dass viel Alkohol geflossen ist, bis man fertig war. Alternativ sagt man auch: Ist viel Wasser die Donau heruntergeflossen.
[3] Battling Boy —battlingboy.com

139-2019 | 139-2018

136 :: Meeresduft

Die Bücher sind bereit für ihre Reise in neue Regale. Kirby hat mich beim vorbereiten der Pakete beobachtet—allerdings erst nachdem ich meinen Rhythmus beim verkleben der Schachteln gefunden hatte. Im Kopf war ich dabei wieder zurück in meinen Tagen als Teilzeitlogistiker—da habe ich Dienstag und Mittwoch Vormittag die Sendungen für Vorbereitet. Das war eine unglaublich entspannende Tätigkeit.
Außer das finden einer geeigneten Verpackung, das hat einen manchmal verzweifeln lassen. Zwei Mal hat eine Schachtel sogar ihren Weg zurück zu mir gefunden—belegbar durch die von mir angebrachte Markierung.

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Im Kindergarten hat es Fisch gegeben. Und das heißt, dass Kirby den ganzen Tag nach Fisch riechen wird.
Besonders sein Urin.
ich muss mich bei Gelegenheit einmal schlau machen, woran das liegen könnte. Das kann ja nicht normal sein. ?

Kirby hat uns mit seiner Ausgeglichenheit beeindruckt. Auch wenn man lange in der Warteschlange an der Kasse steht, und ein paar Kinder rundherum laut werden, weil die Eltern ihnen die Mitnahme von Ware aus der für sie kaufrelevanten Zone verweigerten, bleibt er gut gelaunt und „tratscht“ mit uns.

Kirby vermisst die Frau…ich habe mir meine Dienste so eingeteilt, dass ich die Nachmittage mit Ihm verbringen kann, um die Frau dann auch für den Job freizuspielen. Und seit ein paar Tage mist er traurig darüber, dass sie nicht zu Hause ist bzw. arbeiten muss. Er beschwert sich nicht laut oder wird ungut, aber sein Blick bei der Erkenntnis, dass Sie nicht da ist, erschüttert mich bis in den Astralkörper.

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ich verliere meine Begeisterung für die Fuji x100f. Das Farbmanagment stört mich, weil ich nie zufrieden mit einem Bild bin. Die ständigen Kompromisse stören mich. Bei den Einstellungsprofilen, wird der Weißabgleich nicht einzeln, sondern global gespeichert.
Aber ich finde keine Alternative. Seit der Staubsache mit der Ricoh GR fürchte ich mich davor, die GRIII zu benutzen. Auch wenn es mit einem Filter vor dem Objektiv ein kleineres Problem sein sollte.
Fotografie ist im Moment frustrierend—ich denke, ich verkompliziere es in meinem Kopf…

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Achtung! Unreflektierte Beschwerde:
ich bin zwei Mal für Besorgungen ausgerückt, beide Male hat mich die „neue Normaliät“ überrascht.
Beim Baumarkt hat der Mitarbeiter der Sicherheitsfirma ein Lied mit einem anderen Kunden gesungen, während alle ankommenden Kunden ohne Einkaufswagen—der Zollstab zur Einhaltung des Anstandsabstands—den Markt betreten haben.
Im Supermarkt habe ich in einer halben Stunde nur einmal die Aufforderung zur Einhaltung des Anstandsabstands gehört—und nebenbei wieder Leute ohne Einkaufswagen gesehen und nicht nur einmal mitbekommen, dass andere Kunden sich die Maske vom Gesicht ziehen um sich zu kratzen, und danach vergessen, sie wieder ins Gesicht zu ziehen.
Der Einkaufstempel rund um den Supermarkt war befüllt wie zu seinen Glanzzeiten, gepaart mit dem Auftritt unseres Kanzlers im Kleinwalsertal[1][2] und dem Druck der gerade mein professionellen Leben prägt—wir sind fertig mit reparieren, das Theater kann wieder beginnen—beginne ich zu verzweifeln. Mir ist schon klar das wir aufpassen müssen, aber man könnte mir auch helfen eine Perspektive zu finden.
Mir ist auch klar: das passt nicht in die neoliberale Normalität…


[1] Westösterreich-Besuch von Kanzler Kurz wirft Fragen auf —derstandard.at
[2] Kurz appelliert nach Kleinwalsertal-Besuch an Eigenverantwortung und gibt Medien Mitschuld —derstandard.at

136-2019 | 136-2018

135 :: permanenter Zustand

Wie gestern angekündigt, bin ich mit einem feineren Kamm durch meine Bücherregale gegangen. Bei 200 Büchern habe ich es fürs erste sein lassen. Bis auf fünf, möchte das Internet alle haben.

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Kirby hat schlecht geträumt. Er ist mogens aufgewacht, und hat erst einmal ein paar Brüller hören lassen.

Bis auf die Zwillinge, kann er alle Figuren aus „Die Weihnachtsmaus“ benennen. Die Frau sagte, das kann er schon lange, ich habe es zum ersten Mal erlebt.

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Eine Nachbarin habe ich gefragt, wie Sie anderen Ihren Zustand erklärt. „Morbus Crohn[1] ist wie Tinitus—es ist ein permanenter Zustand. Manchmal leiser, manchmal lauter, aber permanent störend.“


[1] Morbus Crohn —de.wikipedia.org

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