ausgeschlüpft

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Die Familie ist momentan im Krankenhaus Modus. Kirby brachte uns etwas aus dem Kindergarten mit. Nur damit es jeder weiß: Man kann sich auch als Erwachsener Kinderkrankheiten einfangen. Unser Hausarzt scherzte darüber, dass er sich mit 50 noch die Feuchtblattern — Windpocken — abholte.
Aber wir hatten dadurch die Zeit, den Distelfaltern beim schlüpfen zuzuschauen.

/ 22.Mai.29
#journal #foto

nichts gutes

:: journal ::

Kirby wird am Gehör operiert. Es kann gerettet werden, die Frage ist nur wie viel. Es heißt, bis zum Ende des Jahres wird sich schon alles einspielen.

Momentan ist es so, dass wir Musik und Hörspiele—je nach Titel—unangenehm laut abspielen müssen, um Kirby zu ermöglichen, es auch zu hören.
Im Straßenverkehr nehmen wir ihn »an die kurze Leine«. Es muss komisch wirken, wenn wir ihn manches Mal wegen Nichtigkeiten anschreien.

Es war vor ein paar Wochen noch sehr dringend, Kirbys Arzt meine Krankengeschichte zur Verfügung zu stellen, um den weiteren Behandlungsverlauf einer anderen Baustelle zu planen. Es kam bisher keine Antwort.
Ich sehe das—noch—als gutes Zeichen.

Von Weltraum und Biber Videos, änderte sich Kirbys Fokus auf das Tauchen—Apnoetauchen interessiert ihn besonders. Vielleicht weil es fliegen am ähnlichsten ist? Beim spielen mit Figuren fragt er meist danach, ob jemand fliegen kann; »Die können was wir wollen.« antworte ich dann.

Als Vater finde ich mich noch immer nicht zurecht. Vor allem, weil man Vätern zu jedem Scheiß den sie mit ihren Kindern machen gratuliert, während man es von den Müttern verlangt.

Es stehen noch ein paar Elternabende zu den Themen »Gewaltprävention« und »Umgang mit Medien« an; beides wichtig und richtig, nur bin ich mir unsicher, ob mich das Vorgetragene »ungefärbt« erreichen wird. Ich wurde mit Medien alleine gelassen, und mein Zugang dazu ist dadurch verzerrt, und ich empfinde viele Ratschläge und Analysen als Tadel an meiner Person. Die Frau spricht herblassend darüber, dass ich lieber vor dem Fernseher oder einem Buch saß, was für mich eine Entwertung meiner Kindheit bedeutet.

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Ich ging—berufsbedingt—wieder unter die Uhrenträger. eine Casio G-Shock. Ich trug vor Jahren eine einfache Casio Uhr, welche beim arbeiten beschädigt wurde; aber noch als Stoppuhr für die Filmentwicklung perfekt war—bis ich Massive Dev entdeckte. Die Frau schlug eine Casio G-Shock vor. Aus meiner Kindheit kannte ich diese nur als überdimensioniertes Gimmick, dabei sind das stabil gebaute Zeiteisen. Ich entschied mich für das Basismodel mit Solarpanel zur Akkuladung; welche mich an eine Uhr aus meiner Kindheit erinnerte, welche man mit Wasser betrieb.

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Der professionelle Alltag ist momentan irrer als je zuvor. Ein Liebhaberkollege verließ das Unternehmen, ein zweiter erholt sich von zwei Herzinfarkten—und wird wohl seiner Gesundheit wegen eine berufliche Veränderung anstreben.
Xenophobie, Misogynie und die inzwischen aus der Mode gekommenen Arbeitsbedingungen halten die Zahl an Interessierten niedrig.
Das Kollegium reagierte darauf »Wir müssen halt reinbeißen.« Ja eh; aber wie lange? Auf mich ist man derzeit schlecht zu sprechen—dumme Sache, wenn man Scheiße über einen Kollegen erzählt, ohne dessen Abwesenheit zu verifizieren—, weil ich meine Freizeit nicht freiwillig aufgebe. Meine Argumente: ich bin keine 20 mehr und brauche die Regenerationszeit; mein Kind ist nur einmal in dem Alter, und ich will mich nicht wie die »Schönwetter Papas« bei uns fragen, was denn alles falsch lief bzw. sagen »Hätte ich mir doch damals mehr Zeit genommen.«

Mir lief eine interessante Lehrstelle über den Weg, aber natürlich einem Tag nach Annahmeschluß. Schickte trotzdem meine Unterlagen ab.

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Meiner Mutter geht es schlecht. Sie meint, ihrer Mutter am Ende ihres Lebens nicht gut genug geholfen zu haben. Und das ihre beiden Kinder Probleme mit Alkohol und Depressionen haben, lässt sie an mancher Entscheidung zweifeln, welche sie für uns traf.

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Ich bin wieder an dem Punkt, an dem mich der Gedanke daran einmal zu sterben, und dies sogar durch mein Wirken veranlassen zu können, beim einschlafen hilft.
Die Tage haben kein Ende mehr—manchmal nicht einmal Schlaf. Es scheint nurmehr Momente zu geben, in denen man meint Anwesender zu sein, als in dem zuvor.
Und egal wo man ist, es sind laute Menschen dort, die alle irgendetwas von einem wollen—oder gar fordern.

Rauschkugel

Als Vater versagte ich auf der funamendalsten Ebene: mein Erbgut. Kirby wird wegen seines Gehöhrs operiert—ein Jahr früher als es bei mir gemacht wurde. Ich hoffe, der Prozess ist heute ein wenig »menschlicher« als damals, als man mich in die Erwachsenenststion steckte, zu einer Frau, die auf dem Zimmer durch das Loch in ihrem Hals rauchte und meine Eltern mich nich zum Operationssaal begleiten durften.

Bei einem kurzen Familientreffen kam mein Bruder natürlich wieder mit einem Huterl* an; welches er im Lauf des Tages ausbaute. Ich habe den Mann seit Jahren nicht mehr nüchtern erlebt… Ich darf nicht mehr nachgeben, wenn meine Eltern mir ein schlechtes Gewissen einreden, weil ich meinen Bruder nicht mehr sehen möchte. Und wir dürfen dann erklären, wieso sein Onkel sich noch komischer verhält, als sein Vater.

* Huterl aufhaben = leicht rauschig sein

/ 2022-Mar-6
#journal  #vaterfreuden

»Papa, erklär mir…«

Kirby fragte »Wieso bin ich hier geboren worden?«
Das ist einer der Momente in denen man es wie im Film machen möchte: in die Weite hinter dem Gesprächspartner zeigen und »Erkläre ich Dir gerne; aber WAS IST DAS?!« sagten, und die Verwirrung zur Flucht zu nutzen.
»Uhm, ahn, ähhhhh, öhhhhh … also, es ist wie beim spielen. Man würfelt, und dann kommt man wohin.«
Er akzeptierte diese Antwort. Aber bis zur Bestätigung—der Beginn einer anderen Tätigkeit—verging mehr Zeit als üblich. Ich wartete darauf, dass etwas wie »Aber was haben ungeborene Menschen getan, um z.B. in einem indischen Steinbruch geboren zu werden, um die Schulden des Urstrumpfonkels zu tilgen; was auch zu deren Lebenszeiten nicht geschen wird?« als Bonusfrage nachkommen würde.
Da könnte ich mir in der Wartezeit Gedanken darüber machen.

/ 2022-03-1
#journal  #vaterfreuden