Werkzeugcowboy

Die Frau und ich beschäftigten uns in den letzten Wochen damit, wie man effektiv Gebärdensprache erlernen kann. In Österreich kommt man wohl nicht um einen Kurs herum, was uns aufgrund der aktuellen Pandemie und unserer beruflich bedingten nicht vermeidbaren sozialen Kontakten nicht gefällt.
Bei der deutschen Variante wird man mit Büchern und Ratgebern überschüttet. Unser momentaner Plan ist es, Grundlagen aus Büchern und gemeinsamen Training zu erlernen.

Etwas neues zu erlernen ist momentan ein Problem für mich. Die Information kommt an, ich schaffe es allerdings nicht sie zu festigen. Meine Neuronen sind wohl müde.

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Nach drei Monaten hatte ich wieder Kontakt mit meinem Chef. Und dann eröffnet er gleich mit »Also, ich glaube schon das die Chinesen jedes Jahr eine neue Variante nachreichen.« Ich wünschte ich wäre mutig und unabhängig genug um darauf mit »Und ich glaube du wurdest jeden Tag ein Stück dümmer, und hast jetzt den Punkt erreicht, an dem du von Intelligenz geheilt bist.« antworten zu können.

Aber er ist in guter Gesellschaft; das Unternehmen ging trotz laufender Absagen und Verschiebungen davon aus, dass mit Ersten Ersten alles so weitergeht wie »früher«—und realisierte dann doch, dass wir in einer anderen Gegenwart leben. Nun suchte man wieder um Kurzarbeitsunterstützung an. Kommt der Antrag noch fristgerecht durch? Es wird spannend…
[Update] Als hätte es jemand gerochen, Kurzarbeit ist zurück.
Aber wie geht es weiter? Die Häuser sind durchrenoviert, meine Arbeitsliste ist leer … es wären zwar noch Punkte offen, jedoch nur Dinge die meine Zwangsstörung befrieden; hier und da eine Schraube mit Rundkopf gegen eine mit Flachkopf ausstauschen—und umgekehrt; Farbe ausbessern; Überkartons auf allen Seiten beschriften; Regalbretter auf die gleichen Höhen setzen. Sachen die seit Ewigkeiten herumliegen erledigen.

Einer der neueren Kollegen fragte mich nach meiner kleinen Werkzeugtasche. »Du hast immer alles mit. Was ist dein System?«
Ich kann nicht glauben, dass er dies ernst meint.
Und weil niemand fragte, folgt jetzt eine Auflistung:

  • Gehörschutz von Flare
  • ein Leatherman
  • ein Allzweckmesser
  • Shard Werkzeug von Gerber an einem Karabiner—großartiger Türstopper wenn man schnell einen braucht
  • die Karten die man im Alltag braucht
  • zwei Kugelschreiber; ein BIC der verloren gehen kann; Einer von Tombow, mit dem man auch kopfüber schreiben kann
  • ein Sharpie
  • Notizblock
  • eine Taschenlampe mit einer Ersatzbatterie
  • ein Karabiner
  • ein paar Meter Paracord
  • einen Schlüssel für Einnkaufswagen

Bewährte sich schon »oft«. Jedes Mal wenn man im Alltag schnell etwas braucht, habe ich es zur Hand. Bei der Wohnungsrenovierung meiner Cousine im vergagnenen Sommer hatte ich öfter als einmal die Möglichkeit, schnell etwas aus der Hüfte zu zaubern.
Und bei einem Italiener in der Innenstadt reparierte ich vor Jahren ein paar der Speißekarten, als die Frau die Toilette aufsuchte. Ihr Dessert ging dafür aufs Haus.

Ich machte mich früher über die »Wekrzeugcowboys« lustig, jetzt bin ich einer.

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Ich lernte meinen Neffen kennen. Netter Kerl; sehr ruhig. Ich hielt Abstand, da Kirby und ich zu dem Zeitpunkt wieder mit den Atemwegen rauften. Was mir allerdings gleich auffiel, ist die … Elastizität unseres Gedächtnisses. Ich vergaß, wie klein Babies sind. Wie ich Kirby auf einem Arm trug, während ich mit dem Anderem ein Buch laß oder eine Gurke schnitt. Und es erinnerte mich daran, wie »klein« wir in diese Welt geworfen werden. Pferde und Elefanten stehen auf und gehen spazieren, nachdem sie geboren wurden, bei uns beginnt eine andere Form der Abhängigkeit. Das Elefantenkalb geht jetzt auch nicht gleich los, und macht sich eine Dose Bohnen fürs Abendessen auf, da wird auch erst einmal Muttermilch getrunken und es muss z.B. Sozielverhalten—und auch das eigene Selbst, welches sich dazu auch noch ständig entwickelt, erlernt werden. Aber man kann sich von Beginn an Freiräume durch Spaziergänge schaffen.
Jednfalls wurde ich dem Neffen als »der Onkel für Blödsinn« vorgestellt; eine Rolle, die ich gerne einnehme.

Den Nichten wuchs inzwischen eine emotionale Hornhaut was die Fluidität des Schulaltags angeht. »Low-level dread« nennt die ältere Nichte den »Finger« der sie andauernd zu stubsen scheint. Und langsam denkt man daran, der Schwerkraft nachzugeben—ein Teil von Ihr hat das bereits, und lässt sich von der Strömung führen. Dazu kommt noch eine seltsamer Lehrer. Hatten wir alle—ich war immer Chamelion genug, um nie allzu negativ aufzufallen—, und dieser ist nun der Lehrer, von dem die Nichte Kirby einmal erzählen wird. Ich riet Ihr, mit Ihrem Klassenvorstand darüber zu sprechen, und vielleicht auch noch mit einem Vertrauenslehrer. Ein Gespräch mit einem Vertrauenslehrer erscheint mir sinnvoller, weil dieser—hoffentlich—einen neutralen Blick auf die Lage hat. Am Ende streitet man nur um des Teufels Bart.

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In den letzten Tagen begriff ich erst, dass Kirby Medienkompetenz und Erfahrung fehlt. Das Maulwurfmonster verfolgt Ihn oft. Ich brachte vieles aus Griffreichtweite, aber er ist aufmerksam. Inzwischen kennt er beinahe alle Figuren auf den Buchrücken der Comics. Und er macht sich Gedanken darüber »Green Lantern könnte ein Kleid tragen.« schlug er vor. Er meinte damit kein Kleid im »klassischen« Sinn, sondern eine Tunika, wie sie die Guardians of Universe tragen. Mir gefiel die Idee.

Den Jahreswechsel verschlief er. Die Frau ebenso. Und ich hielt mich mit Bildbearbeitung wach. Um 00:30 folgte ich Kind und Frau. Und trotz der Menschenmassen vor den Feuerwerkshändlern endete das Spekatkel um 01:00. Und vom Hörsagen brannte nur ein Mistkübel in der Gegend ab.

/ 2022-01-3 – 6
/ #journal #vaterfreuden #professioneller alltag #werkzeug

#11jan20

wah! Menschen

Das beste Isolierband, dass ich bisher verwenden habe dürfen, ist nun auch in meiner privaten Werkzeugtasche vorhanden[1]. Besonders zum verbergen unnötiger Lichter–besonders beim Babyphone–ist es besonders gut geeignet.

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Eine Passage aus Christopher Eccelston’s I Love The Bones Of You fasst mein derzeitiges Leben beinahe zusammen:

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Neil Peart’s Tod geht mir näher als die „üblichen Nachrichtentode“. Peart ist als Songschreiber diese Onkelfigur gewesen–der hat einem das erzählt, was man von Familie und Freunden hören wollte, aber nicht zu artikulieren schafften. Und er ist ein botzn Schlagzeuger gewesen.

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Weitere Podcasts, die ich in den letzten Tagen gehört habe:

Ein Exkurs und Diskussion über all die schlimmen Sachen die man in Videospielen begeht und wie sich diese auf die Zeiträume ohne Videospiele auswirken[2].

Rian Johnson’s Knives Out ist einer der besten–wenn nicht sogar der Beste–Film des letzten Jahres, und im Empire Magazin ist ein wenig darüber geredet worden[3]. Rian Johnson hat mit dem Slashfilmcast ein paar Vierterl länger über den Film gesprochen[3a]; und wenn das noch nicht ausreicht, gibt es auch noch einen Kommentar den man–derzeit–mit ins Kino nehmen kann[3b].

Und zum Schluss, ein Interview mit Anthony Daniels zu seinem Buch, I Am C-3PO–das ich in meiner Buchliste vergessen habe[4].


[1] 3M 33+ Scotch Super Elektro Isolierband, Vinyl, 19 mm x 20 m |amazon.de
[2] Runde 248: Andre & Dom: Schwerverbrecher |gamespodcast.de
[3] Empire Podcast: Knives Out Spoiler Special ft. Rian Johnson |empireonline.com
[3a] Rian Johnson Goes Deep on ‘Knives Out’ [/Filmcast Interview] |slashfilm.com
[3b] Knives Out in theatre commentary track |knivesout.move
[4] Empire Podcast: Anthony Daniels — I Am C-3PO Interview Special |empireonline.com

#19-2019

Aus Lunge auslüften ist aufgrund des Einschreiten des inneren Schweinehundes auch heute auf ein Minimum reduziert worden.

Ein Teil der Familie ist zusammengekommen und es war unerwartet schön. Ich denke weil wir uns schon eine weile nicht gesehen haben und die Gegenwart nicht nur geschätzt sondern uns darauf gefreut haben.
Kirby hat währenddessen zu „krabbeln“ begonnen -er zieht sich auf den Knien nach vorne, die Beine bewegt er leicht mit. Außerdem hat er es geschafft sich sein Ärmellatzerl auszuziehen. Zuerst hat er einen Arm ausgefädelt, dann den Knoten geöffnet und das ganze Ding entfernt. Mein Mister Miracle – Super Escape Artist. Außerdem habe ich ihn in Rekordzeit –was für die Frau Normalzeit ist– gefüttert.
Und wir haben immer beide Arme gehoben und „Juhu“ gerufen wenn Kirby es gemacht hat. Und jetzt ist Schluß mit Kindern.
Nein, nicht ganz; einen hab ich noch: Meine Eltern haben mein erstes Werkzeug aufgehoben.

Für den Fußballbegeisterten Kartenspieler habe ich eine Empfehlung: Machi Koro Fußball[1]. Das normale Spiel hat uns schon sehr gut gefallen, nur ist mein Vater vor dieser Edition nicht vollends davon überzeugt gewesen. Es handelt sich im das übliche Spiel in thematisch passender Kleidung; nur statt „Weizenfeld“ rufen wir „Imbisshäuschen“ wenn jemand eine eins würfelt[2]. Kosmos Spiele hat ein Vorstellungsvideo[3] bereitgestellt. Schade das sie es nicht wie IDW Games in den USA vertreiben; die haben sogar eine Spielematte und lenticular cards[4] in einer eigenen Edition.
Ich kann es empfehlen; wir spielen es seit drei Jahren regelmäßig mit den Nichten und noch regelmäßiger als erwachsene Gruppe.

fußnoten

  1. Machi Koro Fußball |Kosmosspiele.de
  2. Weil dann jeder Spieler eine Münze bekommt.
  3. Machi Koro – Kosmos Spiele |youtube.com
  4. Lenticular printing |wikipedia.org