ein paar Monate

Nach ein paar Monaten—60—griff ich wieder einmal zu Yoga um etwas für mich zu tun.
Dazu kann ich nur raten: Wenn man meint man sei aufgewärmt, wärmt man am besten noch ein wenig länger auf. Dabei sollte ich das noch aus der Anfangszeit wissen: es fährt mehr ein, als man denkt.

Am Ende des Tages schmerzten nur die Bänder in der Kniekehle–wie auch schon die Tage zuvor, weil ich, wieso auch immer, im Schlaf die Beine in den Halblotus bringe.
Aber es fühlte sich gut an, wieder etwas zu tun. Beim Laufen verlor ich zu viel Gewicht, gewann allerdings an Koniditon; Yoga und „klassische Übungen“ stellten einen guten Kompromiss dar. Die durch die Arbeitslosigkeit Kurzarbeit „gewonnene Freizeit“ könnte ich ja nun dazu nutzen wieder…einzusteigen. Ich denke, dass ich meine frühere Form wohl nie wieder erreichen werde. Macht nichts, ich mag es ohnehin nicht, mit nacktem Oberkörper in der Öffentlichkeit herumzulaufen.

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Ich hatte Zeit, um Comics zu lesen:

Dan Larson verlieh den Frust vieler Spielzeugsammler eine Stimme.2 Es ist nur ein Hobby und unwichtig…aber es half dabei durchzuhalten.

Kann bei uns nicht passieren, dass man  versucht Journalsiten einzuschüchtern…3

Musik: No rest for the weary – Batman: The Brave and the Boold OST2
Der Soundtrack ist immernoch etwas, für das sich die Schaffenden auf die Schulter klopfen können.
Die Serie war auch gut, aber der Soundtrack beschallt öfter den Warteraum meiner Erinnerung.

1– wikipedia.org
2– youtube.com
3– zackzack.at

28mar20

die „der Wiener“ Asana[1]

Nicht alle Bankfilialen stellen im Moment Personal hinter deren Schalter, sondern überlassen die Abwicklung der Geldgeschäfte den Maschinen im Foyer – ein Horrorszenario für die Senioren Österreichs, darunter auch meine Großmutter. Die hat sich bei mir über den Umstand beschwert, dass Sie mit der Situation alleine gelassen wird. Als Risikopatientin hat sie auf der Bank nur im Notfall etwas zu suchen, und ich habe schon vor 25 Jahren gepredigt: Bitte freundet Euch mit den Maschinen an, denn die werden die Menschen ablösen. Damals habe ich dasselbe gehört wie heute – ein Satz, der in der DNA und dem Weg der Österreicher steht –: Ich bin schon so alt, was geht mich das an. Sogar meine Eltern haben mir das zu dem Zeitpunkt gesagt.
Das Familientelefonat ist allerdings im Verlauf besser geworden. Wieso die Arbeitslosen eigentlich nicht für wichtige Arbeiten zwangsverpflichtet werden, hat man sich gewundert. Da bin ich aus der Unterhaltung ausgestiegen. Ich bin im Moment enttäuscht von diesen Menschen, die ständig die Sozialdemokratie beschwören, und dann solche Ideen äussern.

Die Verweigerungshaltung ist auch die Grundstellung bei den älteren Kollegen im professionellen Alltag. „Der Jugend fallen die neuen Sachen leichter.“ Ja, nur ist meine Jugend auch schon 20 Jahre her. Vor der Quarantäne haben wir ein neues Lichtpult zur Ansicht bekommen. Das Prinzip der Bedienung ist dem unserer jetzigen Konsolen ähnlich – trotzdem werden wir uns bei einer Umstellung die Handbücher gegen die Schädel schlagen und hoffentlich einen externen mit der Besorgung von Biervorräten zu einem Crashkurs überreden können. Vor zwanzig Jahren hätte ich mir das alles erspart, da hätte eine Geistesverschmelzung gereicht.

Und wo andere sich wehren, nörgle ich…es steckt in im Erbmaterial.

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Kirby hat ein Synonym für Nudeln: Bombroy. Auch wenn ich es nicht schaffen werde, möchte ich versuchen dieses Wort in den Duden zu bringen.
Oder zumindest ins Urban Dictionary.


[1] Asana
–de.wikipedia.org

6mar20

Wieso behandeln wir Frauen und deren Leistungen mit zu wenig Anerkennung? Jeder Mann hat Geschichten, in denen er davon erzählt worauf seine Mutter oder Großmutter nicht alles verzichtet, und welche Hindernisse Sie für einen Überwunden und Lasten auf sich genommen hat. Also wieso lassen wir alleinerziehende Mütter—und natürlich auch Väter—allein Erziehen? Wieso lassen wir die Verbale und optische Herabwürdigung und Reduzierung der Frau in der Popkultur in dererlei Ausmaß zu?
Scheiße, das heißt ich müsste aufhören Superheldencomics aus den USA zu lesen…

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Die Gründe für die Frau, mir Kirby ganztags zu überlassen sind momentan nicht so schlimm wie angenommen.


Gedankenpfad zu Vaterschaft

Beim reinigen des Geschirrs ist mir Captain Fantastic[1] eingefallen. Der Film hat mir klar gemacht, in welcher beschissenen Verfassung ich und die Gesellschaft eigentlich sind—den er hat keinen Protagonisten. Hmm, die Kinder vielleicht, aber die sind ja nur der Spielball der beiden Parteien, die in Konflikt stehen. Jedenfalls ist es egal wie wir Leben, es ist eine Grauzone.
In dem Film spiel Frank Langella mit, und als ich dessen Filmographie durchgedacht habe, bin ich auf Superman Returns gestossen. Der Film ist ja ein geistiger Nachfolger der Superman Filme mit Chrisopher Reeve in der Titelrolle—und da hat Marlon Brando zwei Reden gehalten, die mir damals wie heute die Gänsehaut über den Rücken treiben:

You will travel far, my little Kal-El. But I will never leave you. Even in the face of my death the richness of my life shall be yours. All that I have learned, everything I feel, all of this and more I have bequeathed to you my son. You shall carry me inside you all your days. You will make my strength your own, see my life through your eyes, as your life will be seen through mine. The son becomes the father the father becomes the son. This is all that I can send with you , Kal-El.

Marlon Brando als Jor-El in Superman (1978)

Die zweite Rede ist zwar für einen Genrefreund wie mich interessant, aber die letzten paar Absätze sind eine für mich verständliche Allegorie auf die Erziehung eines Kindes:

The total accumulation of all knowledge spanning the twenty-eight known galaxies is embedded in the crystals which I have sent along with you.
Study them well, my son. Learn from them.
By the time you return to the confines of your galaxy, twelve of your years will have passed.
For this reason among others, I have chosen Earth for you.
It is now time for you to rejoin your new world and to serve its collective humanity.
Live as one of them, Kal-El
Discover where you strength and your power are needed
Always hold in your heart the pride of your special heritage
They can be a great people, Kal-El, they wish to be
They only lack the light to show the way
For this reason above all, their capacity for good,
I have sent them you, my only son.

Marlon Brando als Jor-El in Superman (1978)

Wir tun unser momentan Bestes, um einen Sinn für das Leben zu vermitteln—um eine Möglichkeit zu zeigen wie man die Welt für sich ordnen kann—bevor wir Kinder hinaus in die Welt schicken. Es ist nicht so als würde man z.B. ein Buch veröffentlichen. Wir schicken mehr als nur Gedanken in den Äther—wir schicken unser eigen Fleisch und Blut in der Hoffnung, dass sich jeder daran erinnert, selbst als Hoffnung in die Obhut der Welt gegeben wurde.
Diesen Akt erleben zu dürfen ist ein vergessenes Privileg, viele Menschen werden von der Welt in ihren Sog geworfen…

Beim Wäsche aufhängen habe ich einen Podcast gehört um meine Gedanken lenken zu lassen.

Totenstellung

Beim Yoga bildet die Totenstellung meißt den Abschluss einer Reihe. Man legt sich dabei nicht einfach nur hin und spielt den Toten, eine gewissen Haltung muss dabei gewahrt werden: der untere Rücken bleibt nach Möglichkeit gestreckt, die Halswirbelsäule ebenso, Arme sind vom Körper und Beine voneinander entfernt.
Nun versucht man, seinen Körper von der Haar- bis zur Zehenspitze zu durchleuchten—was spielt sich gerade ab, Druck, Schmerz, Verspannung, sowohl im Geist als auch im Körper.
Ich mochte das. Und vor ein paar Tagen nachdem ich mich zum einschlafen umgedreht habe, habe ich festgestellt: Papa, du bist auch beim schlafen verspannt. Und da ist mir die Totenstellung wieder eingefallen.
Und bisher hat es sogar zwei Mal etwas genutzt. An der Zeit zum einschlafen hat sich subjektiv nichts verändert, aber zu erkennen wo eine Spannung sitzt, hat mir die Möglichkeit gegeben sie loszulassen.
Ich habe ganz vergessen wie locker ein Kiefer sein kann.


vorbeigelaufen

100 Millionen Euro Überbrückungskredit für Tourismus wegen Corona
–derstandard.at
Puh, zum Glück hat man doch noch eine alternative Veranlagungsform für die Summe gefunden. Am Ende wäre es noch für den Zivilschutz oder—und da muss man jetzt stark sein—humanitäre Hilfe in Krisengebieten ausgegeben worden.
Da feiert man die selbst Ständigen als Pfeiler der Gesellschaft, mutige Pioniere, welche mit den höchsten Idealen vorpreschen und ihre Nachzügler immer spüren lassen, wer die Zügel in der Hand hält— und dann sind es die Ersten, die bei Mama um Hilfe rufen, wenn es Probleme mit Mindestlohn, Arbeitnehmerrechten und Klima-, oder Demographieveränderungen gibt.


fußnoten

[1] Captain Fantastic (film)
–en.wikipedia.org