Filme 2023 – 84

Good Morning (1959)

In einem Vorort von Tokyo beschließt ein Brüderpaar so lange stumm zu bleiben, bis die Familie einen Fernseher anschafft—und weil die Erwachsenen ohnehin nur in Floskeln unterhalten.
Im Hintergrund entspinnt sich bei den Frauen im Ort eine Reihe an Gerüchten, wie sich eine Familie wohl eine Waschmaschine leisten konnte—etwa mit dem Geld, das der Sozialverein sammelte?

Good Morning ist natürlich nicht mehr vollends passend für die Gegenwart, aber trotzdem eine gelungene Komödie, die in abgewandelter Form auch heute noch funktioniert. Kleine Gemeinden, in denen Gerüchte für Reibungspunkte Sorgen, welche mit einem Gespräch zerstreut wären; die Leute die Anders sind; die Ablehnung gegenüber Veränderung; und wie die Kinder den Fortschritt in der Familie vorantreiben. Ich hatte Spaß damit, Teile meiner Kindheit und Gegenwart, in einer Zeit und Kultur zu sehen, zu der ich keinen Zugang hatte/habe. Was allerdings für alle Kulturen und Zeiten zutrifft, ist der Kernsatz des Films:
«Man braucht Floskeln wie ‹Guten Morgen!› um die großen Sätze sagen zu können.»
Nur machen es zu wenige Menschen.

Bildrechte liegen bei den Inhabenden

Filme 2023 – 83

The unlikely pilgrimage of Harold Fry (2023)

Harold Fry erhählt eines Tages einen Brief von seiner ehemaligen Arbeitskollegin, Queenie. Diese ist im Hospiz und verabschiedet sich im Brief von Harold. Harold schreibt einen Antwortbrief, der Weg zum Briefkasten wird ein überraschend weiter, als er sich nach einem Gespräch mit der Verkäuferin einer Tankstelle dazu entschließt zum Hospiz zu wandern; einmal quer durch England, wobei er seine Frau Maureen—ihre Ehe ist in keiner guten Verfassung—zurücklässt.

Eigentlich ein Film zum auslassen—wenn da nicht die Kamerarbeit, Penelope Wilton und Jom Broadbent wären. Deren Schauspiel und wie und in welcher Kulisse es eingefangen wurde gibt dem naiven Gerüst der Geschichte die notwendige Stabilität um dabei zu bleiben—und man erlaubte sich, Dinge ungeklärt zu lassen. Natürlich klärt sich im Laufe des Filmes auf, was die Ehe der Frys erschütterte, und was Harold dazu veranlasste die Beine in die Hand zu nehmen, um eine Kollegin die er in seinen Worten «ein paar Mal nach Hause brachte» zu besuchen.

Bildrechte liegen bei den Inhabenden