#319 (2017)

Panik-/Angstepisode am Vormittag. Und niemand ist da. Mein Therapeut rät mir nur zum Jobwechsel und das ich mehr essen soll. Dann stehe ich wieder auf der Baustelle; der Stress wird deswegen nicht weniger. Genau wie die Furcht davor das mein Kind nicht mehr als Schmieröl für den Kapitalismus und Erhalter des Vermögens anderer sein wird; wie sein Vater.
Die Dinge welche mir Freude bringen werden zu Markierungen für die Zeit und das Geld welches ich bisher verschwendet habe.
Ich fühle mich leer. Nein, das ist eine Lüge, ich bin frustriert mit mir selbst. Den Schädel möchte ich mir einschlagen.

Meine Laune führt zu unguten Worten der Frau gegenüber. Sie übernachtet auf dem Gästebett.
Kurz vor Mitternacht komme ich nach Hause; ich schlafe neben ihr auf dem Boden.

#318 (2017)

Ich grüble ja im Moment oft und lange über Sinn und Unsinn einer Erwerbstätigkeit. Ein Eintrag[1] bei Humans Of New York hat mir dabei nur bedingt geholfen.

Das ein Kollege ungefragt damit beginnt über seinen FKK Urlaub zu sinnieren frage ich mich was ich mir von dem Job noch erwarte. Dem Gespräch entziehe ich mich durch das Vortäuschen eines Defekts[2].

Zwei Kollegen aus dem Bürotrakt beflegeln sich via e-Mail über einen Zeitraum von mehreren Stunden. Ein Mitarbeiter der EDV weißt sie darauf hin vielleicht nicht die “Allen Antworten” Funktion zu nutzen und beendet den öffentlichen Austausch damit. Der Plan den Austausch zu rahmen und beim nächsten Kommunikationsseminar auszustellen wird formuliert.

Beim Verlassen des Arbeitsplatzes halte ich einer mir unbekannten Kollegen die Tür auf. Wir haben denselben Weg in einen anderen Trakt des Geländes. Ich rufe noch schnell meine Schwägerin an; sie hat mir angeboten mich auf dem Weg mitzunehmen und bewege mich deswegen langsamer. Die Türe zum anderen Trakt öffnet die Kollegin. Ich telefoniere noch, bedanke mich und schreite durch die Tür. Später erinnere ich mich das sie “Gentlemen first.” sagte.
Ich habe ein schlechtes Gewissen. Von der guten Kinderstube ist anscheinend nicht viel haften geblieben.


[1]I work at a disposable razor factory – Humans Of New York
[2] Ich habe kein Problem damit das sich Menschen an ihrer Nacktheit erfreuen; ich sehe meine Beziehung zu diesem Kollegen nur nicht nahe genug um solche Informationen hören zu wollen.

#315 (2017)

Zweiter Geburtsvorbereitungskurs. Auf dem Weg dorthin beobachten wir ein Eichhörnchen.

Dieses Mal sind auch alle Väter anwesend. Die Stimmung ist im allgemeinen lockerer. Selbst der Vater des in der Entwicklung gebremsten Kindes wirkt offener. Aber man sieht dem Elternpaar an das sie auch nur Kreuzschmerzen auf der Liste ihrer Probleme haben möchten. Auf der anderen Seite des Raumes wird eine der letzte Woche alleine Teilnehmenden Mütter von ihrem Freund massiert; ihr Gesichtsausdruck dabei ist ihn meinem internen Lexikon unter „Schwangerschaftsleuchten“ hinterlegt. Die Frau blickt zwar auch mit Glück im Blick auf ihren Schwangerschaftsbauch; ich weiß das Strahlen hebt sie für die Momente nach der Geburt auf.

Während des Vortrages stellt sich in mir immer wieder ein gewisses Gefühl der Hilflosigkeit ein. Man bespricht zwar was der Partner bei der Geburt tun kann um die Frau zu unterstützen, doch fühlt es sich trivial an im Gegensatz zu ihrer Anstrengung.
„Was erwartet ihr von den Ärzten und Hebammen?“ werden die Herren gefragt. „Fehlerfreie Arbeit.“ ist eine Antwort. „Wo gearbeitet wird passieren Fehler.“ werfe ich reflexartig ein. Es wird nicht näher darauf eingegangen. Und doch frage ich mich wie hoch das Ross sein kann auf das ich steige, sollte mein Kind durch einen Fehler des Personals schaden nehmen.

In der Männerrunde fühle ich mich unwohl. Wahrscheinlich hält man mich für jemanden in den frühen zwanzigern; vom Gefühl her gehöre ich zu den Ältesten; wenn ich nicht sogar der älteste Teilnehmer bin.
Aber die Zeit vergeht schnell und während meiner Reise in diese Zukunft habe ich ein Stück Schokolade im Vorratsfach meines Rucksacks vergessen welches mir in der Mittagspause die Nerven stärkt.

Auf dem Rückweg liegt ein totes Eichhörnchen auf der gegenüberliegenden Straßenseite von der, an der wir vor ein paar Stunden noch ein lebendiges gesehen haben.

#314 (2017)

Die Frau erzählt mir von einem Traum den sie hatte:

Jack Kirby[1] ist in dem Szenario noch am Leben, ich bin in dem Alter welches ich als meinen „sweet spot“ bezeichne und unser Kind hat den Körper der Frau verlassen.
Die Frau hat Jack Kirby kontaktiert; sie hat um ein Autogramm gebeten welches sie mir zum Geburtstag schenken möchte. Sie wartet auf eine Antwort. Nach ein paar Wochen kümmert sich um eine Alternative.
An meinem Geburtstag läutet es an der Tür. Es ist Herr Kirby der ohnehin nach Österreich gezogen ist, wodurch er keine Antwort senden konnte. Und als wäre das nicht schon großartig genug bezieht die Familie die Wohnung neben „unserer“. Am selben Tag bemalen wir eine Wand des Kinderzimmers mit Kirby Crackle[2] und ich zeige ihm wie ich meine Zwergerl Karten[3] zeichne.

Ein sehr schöner Traum, nur das ich für meine Zwergerl Bilder wahrscheinlich nicht einmal einen Augenaufschlag von Herrn Kirby geerntet hätte.


[1]Biografie bei Wikipedia
TL;DR König der Comics. Hat beinahe das komplette Marvel Universum und große Teile des DC Universums geschaffen.
[2]Kirby Krackle/Dots Erklärung bei Wikipedia
TL;DR Jack Kirby’s legendäre Art „Energie“ darzustellen.
[3] Ich zeichne seit ein paar Jahren Bilder von Personen mit Spitzhüten für die Nichten.
Hier ein Beispiel:

zwerge

#313 (2017)

Ein Kollege kommt mit grauer Gesichtsfarbe in die Werkstatt. Er dachte er hätte einen Herzinfarkt erlitten; hat deswegen gleich fachkundiges Personal aufgesucht und wurde mit der Diagnose „Überarbeitet“ wieder in die Welt entlassen. Anstatt mit dem Befund den Hausarzt aufzusuchen ist er zu uns an den Arbeitsplatz gekommen. Er meinte als er hörte das er körperlich in guter Verfassung ist, war sein erster Gedanke das es passt und er zu uns kommen kann.
Wird man regelmäsig geschlagen kann man die Handlung durchaus als behutsame Zuwendung missinterpretieren.