neben der Platte

[ journal ]

Meiner Oma geht es nicht gut. Die Gruppe an Nebenwirkungen ihrer Medikamente haben inzwischen eigene Krankheitsbilder gemalt, und die Medizin gab uns bisher das Gefühl, dass kein Grund mehr dafür bestünde, etwas an dem Zustand zu verändern.
Man fragte uns nach Ideen. Seit Jahren versuchen wir Ärzte zu empfehlen… Meine Oma und auch meine Eltern—welche Sie momentan hauptsächlich unterstützen—haben ein „altes Bild“ von Medizin. Da geht man zum Arzt, der sagt „Aha“, ordnet eine Folgeuntersuchung an, und aufgrund dieser gibts eine Tablette; maximal zwei Wochen später ist es wieder gut. Und jetzt hat man 18 Präperate die jeden Tag eingeommen werden möchten. Das wird durch das Verhalten meiner Großmutter nicht einfacher. Sie räumt gerne herum, und inzwischen vergisst sie, wohin sie die Dinge geräumt hatte. Bei den Medikamenten schaut das so aus, dass die Überverpackung weggeworfen wird, die Tabletten aus den Blistern entfernt in Gläsern gelagert, und für die tägliche Einnahme zerkleinert werden. Und oft vergisst sie, ob ein Medikament genommen wurde; und im Zweifel nachgereicht.
Dazu kommen die defekten Hüftimplantate. Ich lernte, dass man 1997 Kunststoff in Menschen verbaute. Diese halten um die zehn Jahre; und inzwischen sagt man supergescheit „Na, de hätt ma ja scho längst tausch’n soin. Owa jetzda is des hoit a nimma ohne.“
Ich habe keine Idee mehr, was man noch tun oder wen man un Hilfe bitten könnte. Ich fürchte nur, dass man jetzt jemanden auf den Leim gehen könnte.

Mein an Covid19 erkrankter Verwandter ist nach einem weiteren Rückfall und Erholung von diesem, aus dem Spital in die häusliche Pflege entlassen worden.
Und dort wieder hohes Fieber bekommen… Man soll weitere Symptome beobachten.

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Kirby schockierte mich. Der hörte in den letzten Monaten so gut zu, dass er sie beim vorlesen mitsprechen kann.

Er verbrannte sich zum ersten Mal; am Klassiker: die Herdplatte. Zum Glück war sie schon etwas ausgekühlt, und er berührte die Fläche neben der Platte. Wir hatten Ihm noch gesagt er solle nicht hingreifen, und in dem Moment, in dem wir seinen Kochstuhl verschoben, streckte er sich danach.
Sein Blick wird mich verfolgen. Da war Verständnis drin, und Überraschung und „Scheiße, das tut weh.“ „Finger grantig.“ sagte er. Kühlung und Wundsalbe halfen ihm, und zwei Stunden später hingen wir wieder an den Ringen und schwangen herum.

Er arbeitet übrigens als Automechaniker.
Und ich repariere Taschenlampen.

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Apropos arbeiten: Da übernahm unser Chef den Dienst am 25ten, und dann hat der Kontakt mit einer Covid19 positiven Person. Es war schön zu sehen, wie alle Leute in der Messenger Gruppe die Nachricht zwar lasen, aber wie im Western darauf wann sie ziehen sollen. Ich habe es dann einfach übernommen. Zum Glück war es ein einfaches Service, für das ich alle Teile und Werkzeuge bei der Hand hatte. Stand ich einfach statt 4:30 um vier auf, war um 5:30 am Arbeitsplatz, und sperrte um acht wieder die Haustür auf. Die leeren Straßen und die einsame Fahrt waren beinah erholsam.

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Den 24ten verbrachten wir als Familie—Eltern und Kind. Der Besuchswahnsinn fehlte mir nicht. Wie bereits erwähnt, die Dekoration bräuchte ich auch nicht. Es war ein verspielter Tag, nur mit einer kleinen Tanne im Hintergrund—die in dieser Woche wieder in ihren Wald zurückkehrt.

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Von der Impfung bin ich inzwischen doch eher überzeugt. Meine Schwiegermutter hat sich näher informiert, da in ihrem Unternehmen die Impfung in den kommenden Tagen bzw. Wochen ansteht.

Der politische Umgang mit der Pandemie frustriert mich.
Es wirkt auf mich, als möchte man in dem Aufwischer ein paar Visionen von gestern umsetzen.
Ich hoffe auf das Verfassungsgericht.

2 Kommentare

    1. Danke! Ich wünschte, ich könnte solche Momente „richtig“ teilen. Letztens hielt er ein Buch über seinen Kopf und sagte „Kirby schmeißen. Wieso?“ Und in seinem Ausdruck schien er nach der Natur des Menschen zu fragen.

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