Past Lives (2023)

24 Jahre nachdem sie mit ihrer Familie von Süd Korea nach Canada emigrierte, trifft Na Young, welche nun den Namen Nora trägt, ihren Schul- und besten Freund Hae Sung wieder. Zwar hatten sie zwischenzeitlich Kontakt, doch wurde dieser von Na Young abgebrochen, um sich auf ihr Leben den USA zu konzentrieren, wo sie Arthur kennenlernt und heiratet, während Hae Sung frisch getrennt zu deren Treffen erscheint.
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Past Lives vertraut seinem Publikum. man holte das Publikum mit einer Dreiecksbeziehung, man lieferte obendrauf eine Geschichte über Identität, die Grenzen des Beeinflussbaren und die Frage «Was wäre gewesen wenn…?»—in diesem Fall über das Schicksal-/Karmakonzept in-yeon, welches Liebespaare als Personen behandelt, welche sich in früheren Leben öfters trafen. Die esoterische Komponente wird zum Glück nur dünn aufgetragen, die Geschichte selbst wird überraschend unaufgeregt erzählt. Die Figurenzeichnungen von Na Young und Hae Sung stehen dabei auch für die unterschiedlichen Kulturen zwischen Süd Korea und den USA; Na Young möchte raus aus dem traditionellen Rollenbild während Hae Sung «ein typischer Koreaner» ist. Und trotzdem erlischt die Vertrautheit und Sympathie der Beiden nicht—was einem wunderbar beim ersten Treffen gezeigt wird, als sie vor einem historischen Karussell sitzen, welches von einem Glasbau vor den Elementen geschützt wird; da ist zwar eine Distanz zwischen den Körpern, in ihrem Inneren aber, dreht deren gemeinsame Geschichte ihre Runden.
Und da ist Arthur. Der wirkt immer wie jemand, der mit Schmerzen lebt, und versucht darüber hinwegzutäuschen. Am Ende wirkt er wie ein verdroschener Hund, wird aber nie der Antagonist des Films—niemand bekommt diese Rolle. Man meint, er würde Norah sogar noch die Tür aufhalten, wenn sie sich für ein Leben mit Hae Sung entscheidet.
Past Lives lässt uns am Ende mit dem Gefühl zurück, dass egal wie deren Leben weitergehen, die zwei zentralen Figuren und Arthur gewachsen sind. Das ist wohl die wichtigere Frage als «Wer mit wem?» oder «Was wäre wenn?»: «Was macht man damit?»
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Bildrechte liegen bei den Inhabern.
Den habe ich mir gestern auch angesehen. 🙂
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Gut. Er ist sehr ruhig erzählt, aber damit wahrscheinlich näher an der Realität einer solchen Situation als eine Hollywood-Umsetzung. Die hätte viel mehr Drama und Tränen mitgebracht. Die Erkenntnis der beiden, dass man sich auseinanderentwickelt hat und die Nostalgie, die Wuschvorstellung nicht mit der Realität übereinstimmen, wird… naja, halt ungewohnt undramatisch vermittelt. Wobei ich mir am Ende nicht sicher war, ob Hae Sung es nicht doch mit Nora hätte versuchen wollen, aber sich ihr zuliebe zurückgezogen hat.
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Ach so, wie hat dir der Film denn gefallen?
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Ich gestehe: ich weiß es noch nicht. 😅
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Ich habe endlich meine Kritik formuliert :-)
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Den Aspekt „was wäre gewesen wenn“ fand ich auch interessant. Solche Gedanken hat man ja zum eigenen Leben auch immer mal wieder.
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