18mar20

Sprachschatz ist ein schönes Wort. Sprache – in welcher Form auch immer – ist ein integraler Bestandteil unserer Wahrnehmung, eine der Filterschichten die zwischen uns, unseren Sinnesorganen und unserer Umwelt stehen. Wir erzählen uns ständig unsere eigene Geschichte, wir bekommen die Geschichten anderer erzählt – und wir erzählen beides weiter.
Und dafür greifen wir nicht auf den Inhalt einer Schublade zurück, oder auf ein paar Zettel aus einer Hosentasche – wir haben einen Schatz.
Ok, in meinem Fall ziehe ich mir den Schatz oft aus dem Arsch. Manchmal schafft man damit etwas, über das Alchemisten sich die Köpfe eingeschlagen haben: beim Abwaschen entdeckt man Gold.

Kirby hat „Esel“ und „Tiger“ in seine Schatzkiste gelegt.

17mar20

Ein Liebhaberkollege schickt eine Audiodatei in unseren Slack-Klon. Den Monolog den Will Smith in der Verfilmung von I am Legend[1] per Funk ausschickt.Da ist es mir kalt den Rücken hinuntergelaufen – ich habe bei der Suche nach einem Buch für Brüderlein fein erst die Vorlage in Händen gehalten und ein paar Zeilen des Endes gelesen. Muss man den Film gesehen haben? Ich kann Will Smith nicht mehr sehen…[2]

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Brüderlein fein hat neben einem Buch auch noch ein paar Vorräte gebraucht. Da hat jemand nicht ganz verstanden, was Quarantäne bedeutet, und Brüderlein fein teilt den Zustand nun mit ihm.
Jedenfalls verstehe ich nun einen Satz aus einem Werbecomic für Ginseng Roots:

Yet I still feel defined by my upbringing; uneducated, unsophisiticated, working class.

aus dem Werbematerial zum Comic Ginseng Roots
Bildrecht liegt beim Besitzer

Beim einkaufen der Vorräte ist meine Depression gefüttert worden. Auch heute haben die Menschen nach deren Öffnung die Nahversorger leergekauft. Wir haben uns ins Auto gesetzt und sind weiter raus gefahren. Dort haben wir alles bekommen, um Brüderlein fein für 14 Tage versorgen zu können. Bier hat er in weißer Voraussicht schon vor längerer Zeit eingelagert.
Später haben wir erfahren, dass unser Grätzl einer der Brennpunkte der Hamsterei ist.

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Beim Mittagsschlaf hat Kirby sich ausnahmsweise nicht quer über mich gelegt, sondern hat mir genug Platz zum lesen gelassen.

Der Kleine ist tapfer. Man merkt Ihm an, dass er die Spannung in der Umgebung wahrnimmt, und die Gefühle nicht ganz einordnen kann – aber sein Bestes gibt um seinen Frust zu nutzen. Um zu bauen, um mit uns zu turnen oder um zu zeichnen.

Bei einem kurzen Spaziergang hat er sich mit mir niedergelassen, und wir haben den Vögel beim kreisen zugesehen.
Der Anblick von Bussen, LKWs und Müllautos sind immer ein Höhepunkt für Ihn – wenn sie sich auch noch bewegen dreht er durch –, und als wir den Krähen beim gleiten zugeschaut haben, habe ich darüber nachgedacht, wie das wohl werden wird, wenn er die Antwort auf die Frage „Wie fährt ein Auto?“ bekommt? „Wir nehmen die Energie aus kontrollierte Explosionen und bewegen damit Kolben, welche wiederum eine Achse drehen[3][4].“ Verbrennungsmotoren sind die ersten die mir eingefallen sind, schauen wir einmal wie es sich entwickelt. Bei Hybriden kommt ja noch der Elektromotor dazu, der beim Bremsen zum Generator wird, und zu dem man parallel einen Verbrennungsmotor laufen lassen kann usw..

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Beim Spaziergang ist uns wieder aufgefallen: So richtig ernst, scheint man es mit dem sozialen Distanzieren nicht zu nehmen. Meist haben wir für den geratenen Meter Abstand gesorgt, und viele Gruppen mit mehr als fünf Personen, nutzten das warme Wetter, um sich im Grünen zu treffen. Gut, es sollen immer maximal fünf Personen aus einem Haushalt sein, das würde sich ausgehen.

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fußnoten

[1] I am Legend (novel)
–en.wikipedia.org
[2] Nicht weil ich selektiv blind bin, aber wie bei Tom Crusie habe ich das Gefühl, dass der Herr Smith in der Küchenlade sitzt, und darauf wartet, mir Werbung ins Gesicht halten zu können sobald ich sie öffne.
[3] Ottomotor
[4] Wankelmotor
–de.wikipedia.org

16mar20

Es sind weniger Menschen auf der Straße – zum Großteil Ältere.
Es wird weniger, aber es wird gehamstert. Viele der vollen Einkaufstauschen sind jedoch nicht nur für die Träger, sondern andere Menschen bestimmt.
Man sieht viele Schutzmaksken – keine davon sitzt richtig, manche werden unter der Nase getragen. Manchmal sieht man Handschuhe, aber keine Disziplin – man greift sich ins Gesicht, telefoniert, und nimmt die Handschuhe durch ziehen an den Fingerspitzen ab.
Wenn die Studien über die Länge der Pandemie stimmen, sollten die Menschen aufgeklärt werden – aber wieso sollte es bei dieser Verhütung anders laufen?

Yashica Electro 35
Ilford hp5 400 +1

In der Nacht lässt Kirby einen Plärer hören, der die Frau und mich im Bett stehen lässt. Als wir neben seinem Bett stehen, wirkt er ebenso erschrocken wie wir. Zehn Minuten später schläft er wieder.

Nachmittags führt die Frau Ihn aus.
Ich versuche mich in der Zeit zu beruhigen – ich habe kein Problem damit nicht aus der Wohnung zu gehen, ich habe ein Problem damit, anderen Menschen und deren Emissionen nicht entkommen zu können. Beim Mittagsessen trage ich meinen Gehörschutz. In der Zeit lese ich Der spazierende Mann[1]. Es hilft; den Manga muss ich gesondert besprechen.

Für den Rest der Woche bin ich freigestellt. Zu welchen Bedingungen wird noch geklärt.
Die Frau ist einberufen worden, es fehlt an Personal.

Um 18h ist geplant, den Menschen zu applaudieren, die sich darum kümmern, dass sich die Welt halbwegs stabil weiterwuzelt. Die Aktion läuft besser ab, als der gestrige Aufruf dazu, die Bundeshymne zu singen. Im einsehbaren Radius unseres Grätzls[2] sind es drei Parteien die klatschen. Kirby ist auch dabei.

Machine Sentai Kiramager[3], die aktuelle Super Sentai Serie ist überraschend brutal – da wird der gute König von einer Gruppe feindlicher Soldaten noch zusammengetreten nachdem er schon auf dem Boden liegt, während sich dessen Tochter eine Ecke weiter versteckt – und es enthält das verstörendste Kostüm, das ich in meiner Tätigkeit als Zuschauer dieser Sendungen bisher gesehen habe.


fußnoten

[1] Der spazierende Mann
–carlsen.de
[2] Grätzl = Umgebung des Wohnorts.
[3] Machine Sentai Kiramager
–powerrangers.fandom.com

15mar20

Nachmittags verlangt das Telefon nach meiner Aufmerksamkeit – der Chef ruft an. Morgen braucht bis auf ihn keiner aus der Abteilung am Arbeitsplatz zu erscheinen. Man setzt sich erst einmal zusammen, um die Lage zu evaluieren.
Später meldet sich die Gewerkschaft – es geht um Entgeltausfälle und die Bedingungen der Kurzarbeit. Damit hat die Geschäftsführung einen Hebel um uns zum Abbau von „altem“ Urlaub und Überzeiten zu bewegen. Der Rahmen der Maßnahmen lässt mich an mancher Projektion zweifeln – aber die Frau holt mich auf den Boden zurück, indem Sie mich daran erinnert, dass man eben langfristig planen muss.

Yashica Electro 35 | Ilford hp5 400+1

die liebe Familie

Wir versuchen uns zu Hause einzuigeln. Vormittags funktioniert dies sogar gut – Nachmittags zieht es uns dann aber nach draußen. Wir setzen uns ins Auto und fahren. Und egal wie weit wir auch fahren, man entkommt den Menschen nicht. Logisch, wir sind ja überall – aber an jedem anderen Sonntag sind um diese Zeit drei Leute in den Gegenden unterwegs, aber nicht heute.
Das wird keine lustige Zeit…mein Verlangen nach Einsamkeit wird langsam und beständig intensiver.

die Allgemeinheit

Sogar die besoffenen Jugendlichen sind schon zu früher Stunde unterwegs gewesen. Versucht das Land noch den letzten Tropfen aus den letzten 24 Stunden in relativer Freiheit zu pressen? Aber jongliert man dann mit Glasflaschen – wenn man ein Huterl[1] auf hat? Vielleicht ist das auch der beste Zeitpunkt um zu leben.

Vaterfreuden

Es kommen immer mehr verständliche Worte in Kirbys Brabbeln vor. Auch wenn die Anzahl nicht ausreichend dafür ist, man bekommt immer öfter den Eindruck eine Unterhaltung zu führen.
Wir beginnen auch, verschiedene „Bausysteme“ miteinander zu kombinieren – was die Umgebung um Seine Bahnstrecke spannender als die Bahn selbst macht. Das erinnert mich an die Kleinbahn Landschaftsplatte meines Opas. Dabei sind die Vorstellungen meines Opas mit denen von Brüderlein fein und meinen kollidiert – das ist unschön gewesen. Derzeit spielen wir mit Kirby Free Jazz, aber was wenn er seinem eigenen Beat folgen möchte? Hoffentlich bin ich dann reif und sicher genug um entweder Ihm zu folgen, oder meine eigene Kapelle zu bespielen.

was Die können…

Wien wollte es den Italiener gleich machen, und hat dazu aufgerufen, um 18h die Bundeshymne anzustimmen.
In unserem Grätzl[2] ist es still gewesen, bei Bekannten ist „I am from Austria“ angestimmt worden, und in den sozialen Medien machte ein Video die Runde, in dem ein Wiener sich über den Lärm beschwert.
Man lebt in der drittunfreundlichste Stadt der Welt[3], wieso nutzt man das nicht, und lässt die Leute jeden Tag um 18h einfach schimpfen und keppeln und granteln. So haben wir gelernt dass die Schulbildung in einem Fall tatsächlich umsonst war, es niemanden interessiert oder bekrittelt wird.


vorbeigelaufen

Gut das nicht…hätte ich mir denken können.
Doch keine volle Entschädigung bei Geschäftsausfall wegen Corona
–derstandard.at

Eine Analyse der COVID-19-Gesetze
–epicenter.works

Weils lustig ist.
Ultraman without Context
–youtube.com


fußnoten

[1] Huterl = Hut. In diesem Fall leicht alkoholisiert.
[2] Grätzl = Wiener Ausdruck für den Bereich rund um den eigenen Wohnort.
[3] Wien ist drittunfreundlichste Stadt der Welt – und trotzdem lebenswert
–kurier.at

14mar20

Es ist noch fleissig gehamstert worden. Die Heuslpapiernudeln garniert man anscheinend mit Mehl und Öl. Sind die Hipsterprepper am Ende alle schwanger? Noch kann ich mich lustig machen…die Knabbereien und Softdrinks waren in drei Märkten vorhanden – vielleicht muss man einfach die Ernährung entsprechend ausrichten?

sozialer Abstand

Am Montag wird sich das Zusammenleben in Österreich an die Situation anpassen – dazu gehört auch, Abstand zu Anderen zu halten.
Kann ja nicht so schwer sein, Kirby trotzdem mit ein wenig Bewegung im Freien Bettschwer zu bekommen. Siehe da: ist es. Wider unserer Vorstellungen, hat sich ein Jeder dafür entschieden, die letzten 48 Stunden relativer Normalität im Alltag mit Bewegung im Freien zu verbringen. Egal wie weit wir uns aus der Stadt entfernt haben, da sind Menschen gewesen. Aber nicht zwei oder drei kleine Gruppen, in Rotten sind sie über die Lande gezogen. In den Büschen haben – theoretisch – Halbstarke einander ihre Kampfkünste präsentiert. Bizarre Szenen.

Vaterfreuden

Kirby ist trotzdem recht schnell eingeschlafen.

soziale Kompetenz

Ein Bekannter von mir hat gestanden wieso er die letzten Monate Abstand gehalten hat. Neben dem Brexit – er lebt in London – hat sich auch noch seine langjährige Lebensgefährtin von Ihm getrennt und er hat sich erst einmal Urlaub genommen – von der Arbeit und dem Leben. Mir ist zwar aufgefallen, dass er in letzer Zeit nichts von sich gegeben hat, aber ich dachte, er würde an der Universität mehr zu werken haben.

Ordnung muss sein

Über die kommenden Tage werde ich Comic Kritiken in eigene Einträge stellen. In Zukunft werde ich versuchen das gleich zu tun.

Ansichtssache

Inzwischen bereue ich die Anschaffung der „unzerbrechlichen“ Brille samt Gläsern aus ähnlichem Material. Ja, die Gläser sind weniger zerkratzt, aber dafür sind sie verschmiert, wenn man zu intensiv durch schaut.
Aber Kirby schon eine Brille in den Vorruhestand geschickt, als ich einmal nicht hingeschaut habe – badam psch – und die aktuelle Fassung hat sich in dem fall bewährt. Wenn er beim Mittagsschlaf munter wird, ich aber noch schlafe , schnappt er sich manchmal meine Brille. Meist hält er sie nur fest, manchmal knetet er sie im Schlaf.


vorbeigelaufen

Dead Sea Scrolls at the Museum of the Bible are all forgeries
–loopinsight.com

Check Out The „Minecraft“ Library Dedicated To Censored Journalism
–bleedingcool.com

The Miniature Creations of Mozu
–hifructose.com